Investitions-Wut
Sündhaft teuer: 20 Stadien für nur 64 Spiele

Nirgendwo wird der bei dieser WM betriebene Gigantismus so offenkundig wie beim Anblick der Stadien. Da die zur gemeinsamen Ausrichtung gedrängten Organisations-Komitees nicht von ihren ursprünglichen Planungen abweichen wollten, steht nun die absolute Rekordzahl von 20 Stadien bereit.

dpa HAMBURG. Vor vier Jahren in Frankreich genügte die halbe Anzahl an Arenen, um bei ebenfalls 64 WM-Spielen einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.Beide Länder haben ungeachtet der Wirtschaftskrise in Südkorea und der Rezession in Japan keine Kosten gescheut und hochmoderne, architektonisch beeindruckende Arenen aus dem Boden gestampft.

Während Frankreich seine Stadien vor vier Jahren für umgerechnet rund 600 Millionen Euro WM-tauglich gemacht hatte, investierte allein Südkorea sage und schreibe 1,7 Milliarden Euro für zehn brandneue und allesamt erst im vergangenen Jahr fertig gestellte Stadien. Besonders weitblickend erscheint diese Investitions-Wut nicht. Denn nur maximal vier WM-Partien werden in einem Stadion ausgespielt.

Danach dürften die zwischen 40 000 und 68 000 Plätze fassenden Bauwerke nur noch selten ausgefüllt werden, zumindest nicht bei Spielen um die südkoreanische Fußball-Meisterschaft. In Daegu, wo für 260 Millionen Euro das teuerste und größte WM-Stadion Südkoreas erbaut wurde, gibt es nicht einmal einen Profifußball-Club.

In Japan wurden mit dem Nagai Stadium in Osaka, dem Kashima Soccer Stadium in der Präfektur Ibaraki und dem Kobe Wing Stadium immerhin drei Arenen lediglich renoviert. Von den sieben Neubauten ragt das International Stadium in Yokohama heraus. Die mit 70 000 Plätzen größte WM-Arena, zugleich Schauplatz des Endspiels, ist zwar rundum überdacht. Doch ist das Dach in 52 Metern derart hoch angebracht, dass die Zuschauer vor allem in den vorderen Sitzreihen keinen Schutz vor den erwarteten Güssen in der Regenzeit haben.

Deutsche Spielorte sind klein aber reizvoll

Die Spielorte der deutschen Mannschaft sind zwar vergleichsweise klein, dafür aber reizvoll. Das gilt vor allem für den futuristisch anmutenden Sapporo Dome, in dem die Elf von Rudi Völler am 1. Juni gegen Saudi-Arabien ins WM-Turnier einsteigt. Der riesige, von einem japanischen Stararchitekten entworfene Komplex, fasst 42 000 Besucher und ist das einzige allwettertaugliche WM-Stadion. Bei Bedarf kann das Dach geschlossen werden. Ähnlich wie bei der Arena "Auf Schalke" befindet sich das Feld aus Naturrasen zwecks besseren Wachstums neben der Arena und wird bei Bedarf in einer zweistündigen Prozedur auf einem Luftkissen in die Halle gefahren.

Wie in Sapporo spielt das DFB-Team auch am 5. Juni gegen Irland im 42 000 Besucher Platz bietenden Kashima Soccer Stadium in einer klassischen Fußball-Arena. Am Eingang des Stadions steht eine Statue des ehemaligen brasilianischen Weltstars Zico, der als Spieler und Trainer der Kashima Antlers eine ungeheure Begeisterung in der Region entfacht hatte.

Im 51 000 Zuschauer fassenden Ecopa-Stadion in Shizuoka, der drittgrößten japanischen WM-Arena, bestreitet das deutsche Team am 11. Juni gegen Kamerun das letzte Gruppenspiel. Das Zentrum im neu erbauten Ogasayama-Sportpark verfügt zwar über eine Tartanbahn, die jedoch bei der WM nicht zu sehen sein wird. Dann werden mehr als 5 000 mobile Sitzplätze ausgefahren und auf die Tartanbahn geschoben.

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