Investitionsentscheidungen häufig zu Lasten der Heimat
Auslandsproduktion wird immer wichtiger

Siemens ist kein Einzelfall: Der Trend zur Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland hat auch andere deutsche Industriekonzerne erfasst. Weil die Kosten des Produktionsstandortes Deutschland hoch sind und die Bedeutung des Heimatmarktes im Zuge der Globalisierung abnimmt, hält sich die Industrie hier zu Lande mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze zurück.

DÜSSELDORF. Nicht immer werden Fabriken in Deutschland geschlossen, um sie dann in Asien oder Osteuropa wieder aufzuziehen. Aber immer häufiger entscheiden sich die Unternehmen, neue Kapazitäten gar nicht erst in der Heimat aufzubauen. So wie bei Siemens-Chef Heinrich von Pierer gehört es zum Pflichtenheft jedes deutschen Unternehmenslenkers, vor einer Investitionsentscheidung alle Standorte zu vergleichen. Selbst Verwaltungsfunktionen oder Forschung und Entwicklung sind davon nicht mehr ausgenommen.

Spitzenreiter in Sachen Globalisierung ist Daimler-Chrysler: Der Automobilhersteller erzielt fünf Sechstel seines Umsatzes von 136 Milliarden Euro im Ausland. Beim Chemiekonzern BASF sind es vier Fünftel von 33 Milliarden Euro, beim Stahl- und Industriegüterhersteller Thyssen Krupp - beträgt der Auslandsanteil am Umsatz von 36 Milliarden Euro zwei Drittel.

Absatzmärkte und Kostensenkung

"Zwei Ziele", sagt Industrieanalyst Hermann Reith von ING BHF Bank, "stehen dabei immer schon im Vordergrund: die Erschließung neuer Absatzmärkte und Kostensenkung." Ersteres führte schon 1985 zur Gründung der Shanghai Volkswagen Automotive Company in China. Wegen niedrigerer Lohnkosten beschloss Audi 1989, einen Teil der Motorenproduktion ins ungarische Györ zu verlegen. Und aus dem gleichen Grund rollt der Geländewagen VW Touareg heute nicht in Wolfsburg, sondern im slowakischen Bratislava vom Band.

MAN hat in der defizitären Busfertigung den Turnaround nur geschafft, weil Teile der personalintensiven Produktion ins polnische Posen verlagert wurden. Pro Arbeitsplatz, heißt es bei MAN, spare man dadurch 25.000 Euro im Jahr ein.

Zu regelrechten Nomaden wandelten sich Bekleidungshersteller, die von einem Billiglohnland zum nächsten ziehen. Doch billig ist nicht immer gut. So mancher deutsche Maschinenbauer hat Produktionsverlagerungen in Drittländer bereut, weil danach Qualitätsmängel auftraten.

So hat der bayerische Hersteller von Abfüllanlagen und Verpackungsmaschinen Krones seine Werke in den USA und Brasilien dichtgemacht. Wettbewerbsnachteile muss Weltmarktführer Krones, der vier Fünftel seines Umsatzes von 1,4 Mrd. Euro außerhalb Deutschlands erzielt, deshalb nicht befürchten. Die Hauptkonkurrenten produzieren ebenfalls in Euroland. Teure Nachbesserungen veranlassten auch den niedersächsischen Elektronikhersteller Sennheiser, die nach Südostasien verlagerte Produktion von High- Tech-Teilen nach Deutschland zurückzuholen.

Auch Europas zweitgrößter Automobilhersteller PSA Peugeot Citroën setzt wieder stärker auf seine Stammwerke: PSA hat für 2004 die Einstellung von 7000 Arbeitskräften in Frankreich angekündigt.

Quelle: Handelsblatt Nr. 066 vom 02.04.04 Seite 17

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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