Investitionsneigung unter deutschen Unternehmen lässt spürbar nach
Großkonzerne bekräftigen ihre strategischen Pläne

Die Investitionstätigkeit der deutschen Unternehmen lahmt zusehends. Im Juni war die Investitionsneigung unter führenden Managern so schlecht wie noch nie seit März 1999.

HANDELSBLATT. Die Konjunkturflaute wirkt sich auf die Investitionsbereitschaft aus. Planten im September 2000 noch 43 % der befragten Unternehmen, ihre Investitionen auszuweiten, so sind es im Juni nur noch 22 %. Das ergab die jüngste Umfrage des Handelsblatt Business-Monitors. Noch im Dezember hatte der Optimismus überwogen: 38 % wollten die Investitionen steigern, nur 20 % sie kürzen.

Ein allgemeiner Trend lässt sich indes nicht festmachen. Je nach Branche und Größe reagieren die Unternehmen unterschiedlich. Faustregel: Je größer und internationaler, desto weniger sind die Firmen bereit, Investitionen zu überdenken. Beispielhaft hierfür ist die Aussage von Siemens-Vorstand Edward Krubasik: "Auch in schlechten Zeiten sind die Forschungs- und Entwicklungsausgaben das letzte, woran wir etwas ändern."

Ausnahmen sind die ohnehin sehr konjunkturanfälligen Chiphersteller sowie einzelne, zumeist kleinere Telekom-Unternehmen. Der Fall Infineon ist beispielhaft für die Halbleiterindustrie. In Folge drastischer Gewinneinbußen kürzt Infineon seine Investitionspläne um mehr als 1 Mrd. DM.

Auch die Telekommunikationswirtschaft spürt die Flaute. Zwar unterstrich der Verband Bitkom, dass die Branchenkonjunktur insgesamt robust sei. Doch wurden einzelne Unternehmen voll erwischt. So hat die US-Kabelgesellschaft Comcast ihrer deutschen Richtfunk-Tochter Broadnet die Unterstützung aufgekündigt, Broadnet muss 150 der 180 Stellen streichen. Damit gehört Comcast zu einer Reihe von US-Investoren, die ihr Engagement in Deutschland deutlich zurückfahren. Winstar hat bereits ganz aufgegeben, Teligent ist im Insolvenzverfahren. World Access, ursprünglich an der angeschlagenen Teldafax interessiert, hat sich ebenfalls verabschiedet. "Es herrscht so viel Angst, dass sogar fest zugesagtes Kapital nicht mehr genehmigt wird", sagt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes alternativer Telekombetreiber VATM.

Ein prominentes Opfer von Investitionskürzungen ist der deutsche Mobilfunker Viag Interkom. Die Mutter British Telecom will den Rotstift rigide ansetzen. Vier Manager haben die Konsequenzen gezogen und das Unternehmen verlassen. Bei anderen Unternehmen wirkt sich der Abschwung noch nicht auf die Investitionen aus, so bei der Deutschen Telekom und dem Glasfasernetzbetreiber Colt Telecom.

Auch die großen Konzerne der Investitionsgüterindustrie ziehen ihre Vorhaben praktisch unverändert durch. So bestätigt ein Thyssen Krupp-Sprecher, - dass an dem Budget für 2001 keine Abstriche gemacht werden. Ähnlich äußert sich ein Babcock-Borsig-Sprecher. Der Kraftwerksbauer und Schiffbauer halte an der beschlossenen Investitionsplanung für das laufende Jahr fest. Investitionen seien in der Regel strategisch ausgerichtet und würden nicht an Konjunkturschwankungen fest gemacht. Auch der Branchenverband VDMA sieht nicht, dass geplante Budgets in der Branche gekürzt würden. Das bestätigt der Laserspezialist Trumpf. Der Werkzeugmaschinenbauer aus Ditzingen beabsichtigt trotz der schwierigen Situation vor allem in USA keine Investitionskürzung., Vorläufig unbeeindruckt von der Konjunkturabschwächung zeigt sich die Automobilindustrie - bislang gibt es keine Abstriche an den sehr langfristig angelegten Investments für neue Werke. Allen voran die Hersteller von hochpreisigen Modellen bekräftigen ihre Vorhaben. Porsche baut in Leipzig eine zweite Produktion für den Geländewagen "Cayenne". BMW wird möglicherweise schon in dieser Woche den Standort bekannt geben, an dem der neue 1er BMW gebaut wird - Aufwand etwa 1 Mrd. DM. Daimler-Chrysler wird für den viersitzigen Kleinwagen Smart ein neues Motorenwerk errichten - vermutlich in Thüringen. Auch die Großserienhersteller investieren massiv: Opel und Ford stecken jeweils mehr als 1 Mrd. DM in die Erneuerung ihrer deutschen Produktionsstätten.

Die großen Zulieferer bleiben ebenfalls gelassen. So hat die Robert Bosch GmbH für dieses Jahr 5 Mrd. DM Investitionen geplant, die auch umgesetzt werden. Die Investitionswünsche und-Anfragen aus den einzelnen Sparten seien für 2002 sogar noch höher als 2001. Bosch erwartet, vom Dieselboom profitierend, auch im Kreis seiner Zulieferer keine Investitionskürzungen.

Bleibt die kriselnde Bauwirtschaft. Nach Angaben des Zentralverbands des Baugewerbes sind die Unternehmen angesichts schrumpfender Aufträge sehr vorsichtig geworden. Investitionen würden nur noch in Maschinenersatz verbunden mit Rationalisierung gesteckt. Zudem verstärke sich nun auch im Westen der Trend, Maschinen nicht mehr zu kaufen, sondern zu mieten oder zu leasen - ein eindeutiges Zeichen für die weit reichende Verunsicherung der Branche.

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