Investitionsstrategien: Asiatische Titel sind günstig bewertet

Investitionsstrategien
Asiatische Titel sind günstig bewertet

Aktienstrategen beschäftigen sich mit unterschiedlichen Szenarien für die weitere Entwicklung im Irak-Krieg.

NEW YORK. "Krieg ist die Hölle", sagte General William Tecumseh Sherman im amerikanischen Sezessionskrieg. Er könnte immer noch recht haben. Zwar ist der Dow Jones Stoxx 600-Index europäischer Standardwerte vom 12. bis zum 21. März um 18,4 Prozent gestiegen - aber die Profis mahnen zur Vorsicht. "Es wäre ein bisschen naiv, an einen kurzen und schmerzlosen Krieg zu glauben", sagt Robert Parker, stellvertretender Chairman von Credit Suisse Asset Management (CSAM) in London. "Wir raten jedem davon ab, sich in diesen Märkten zu bewegen", so Alan Brown, Investment-Chef für State Street Global Advisors Ltd. in London. "Sie sind zu volatil und bringen dich um - außer du weißt etwas über den Krieg, was wir alle nicht wissen."

Parker von CSAM hat zwei Kriegs-Szenarien: Entweder der Konflikt ist in zwei oder drei Wochen beigelegt oder er zieht sich mindestens sechs Monate hin. Er rechnet "mit einem formellen Kriegsende, begleitet von Nischen des Widerstands und von gelegentlichem Aufruhr - wie in Afghanistan". Das sollte zu einem Ölpreis in den kommenden drei Monaten zwischen 26 und 32 Dollar per Barrel führen.

"Nach der Erleichterung der vergangenen zwei Wochen werden die Aktienmärkte vor sich hindümpeln", prophezeit Parker. Die Fundamentaldaten seien zu schlecht. Japan stehe vor der Rezession. Die Wirtschaft in der Eurozone - besonders in Deutschland - sei aus dem Takt und das Verbrauchervertrauen schwach. Das gelte auch für Amerika. "Investoren sollten nicht damit rechnen, dass der Krieg schnell vorüber ist oder dass die Weltwirtschaft dann plötzlich zu blühen beginnt", warnt Parker.

Was soll ein Investor also im von Kriegsnachrichten dominierten Umfeld tun? Sowohl CSAM wie auch State Street haben Aktien unter- und Anleihen übergewichtet. Brown setzt auf die amerikanischen und britischen Märkte, räumt Europa weniger Gewicht ein und schätzt Japan neutral ein. "Ich denke, Japan ist zwei Schritte von einem Bullenmarkt entfernt, aber die Schritte werden sie nicht gehen," so Brown. Der erste wäre, Geld zu drucken, "um den Ungeist der Deflation loszuwerden", der das Land erfasst habe. Der zweite Schritt wäre, das unter notleidenden Krediten leidende Bankensystem zu reformieren, auch wenn Unternehmen Konkurs gingen. "Anfangs würde das viele Schmerzen mit sich bringen, aber genau das muss getan werden."

Bei Anleihen zieht Brown Denominationen in Euro Dollar-Bonds vor, weil die Inflation in Europa unter Kontrolle sei. State Street geht von einem Ölpreis unter 40 Dollar per Barrel aus. Das Szenario schließt eine Ausweitung des Konflikts auf andere Länder und größere Terroranschläge aus. Brown rechnet damit, dass Irak ziemlich schnell aufgeben wird. Die große Frage sei, ob man nach dem Krieg auch den Frieden gewinnen könne.

Ein Sektor, den man in Europa getrost ignorieren könne, seien deutsche Banken, meint Brown. Wenn Deutschland in die Rezession abdrifte, würden Kreditinstitute hart getroffen. "Wenn ich recht habe, wird es sich sehr auszahlen, deutsche Banken unterzugewichten. Wenn meine These falsch ist, dann wird es ein kostspieliger Fehler."

Die Experten von CSAM konzentrieren sich auf Aktien mit hoher Dividendenrendite in defensiven Sektoren wie Energie, Pharma und Versorger. Vorne rangieren BP, Novartis und Pfizer, Eon, Metro und Gillette. Parker setzt auf Asien, auch wenn es erst 2004 zu einer wirtschaftliche Erholung käme. Er favorisiert Hang Seng Bank und China Mobile (Hong Kong), einen der größten Mobilfunkbetreiber weltweit.

Auch die Profis von Aberdeen Asset Management schauen nach Asien. "Die Bewertungen sind viel günstiger und die Unternehmensgewinne wahrscheinlich robuster als in Europa, Amerika und Großbritannien," sagt Michael Karagianis, Chefstratege der Investmentfirma. Für den Energiesektor und die Titel von Erdölunternehmen, sprechen laut Karagianis die attraktive Bewertung und die gute Gewinnsituation der Branche. Falls sich der Krieg in Irak länger hinziehen sollte, und die Ölpreise hoch bleiben sollten, seien Erdölaktien eine gute Absicherung. Er empfiehlt ENI und die brasilianische Petrobras.

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