Investitionszurückhaltung bis ins kommende Jahr erwartet
Konzerne sparen an der Zukunft

Die düsteren Perspektiven der Weltwirtschaft lassen vielen Konzernen nur noch eine Wahl: Investitionen werden gestrichen. Die militärische Antwort der USA auf die Terroranschläge hat die Verunsicherung bislang jedoch nicht weiter verschärft. Experten sehen in den ersten Monaten des kommenden Jahres kaum Besserung.

hz/jkn FRANKFURT/M. Das weltweite Investitionsklima hat sich angesichts der schwachen Konjunktur deutlich verschlechtert. Zahlreiche Konzerne haben ihre Ausgaben gekürzt oder sogar ganz auf Eis gelegt. Allerdings haben die Angriffe der USA auf Afghanistan die seit den US-Terroranschlägen vom 11. September herrschende Unsicherheit zunächst nicht noch weiter erhöht. Experten sehen nach der Antwort der US-Regierung allerdings auch keine Entlastung. "Der Gegenschlag war erwartet worden. Substanziell hat sich seit dem Wochenende nichts geändert", erklärte Carsten Klude von M.M.Warburg & Co.

Vor allem US-Konzerne oder weltweit tätige Unternehmen mit einem Standbein in den USA sind betroffen. So hat der japanische Elektronikkonzern NEC Investitionen von 1,4 Mrd. Euro gestrichen. Aber auch in Deutschland treten die Firmen hart auf die Bremse. Der Chemiekonzern Bayer hat angesichts der schwächelnden Nachfrage sein Investitionsbudget um 500 Millionen Euro gekappt. Der Halbleiter-Spezialist Infineon hat Ausgaben im Wert von 600 Mill. Euro gestrichen.

Noch dramatischer sind die Zahlen bei Lufthansa. Die deutsche Airline hat einen Investitionsstopp verhängt und beabsichtigte Flugzeugbestellungen zurückgestellt. Im Detail handelt es sich dabei um bis zu 15 Maschinen des neuen Airbus-Großraumfliegers A 380 sowie vier Jumbo-Boeings 747-200. Das Gesamtvolumen dieser Investitionen wird in Branchenkreisen auf rund 5,4 Mrd. Euro geschätzt. Der Aufschub der Bestellungen dürfte vor allem den europäischen Flugzeugbauer Airbus hart treffen. Konkrete Schätzungen, wie viele Investments inzwischen ganz auf Eis gelegt worden sind, gibt es nicht. Allerdings haben auch Konzerne wie die kanadische Nortel , der europäische Luftfahrtriese EADS oder der Telekomanbieter Worldcom einen kompletten Investitionsstopp angekündigt - ohne Zahlen zu nennen.

Analysten glauben, dass bislang nur die Spitze des Eisberges zu sehen ist. "Das Umfeld ist sehr stark von Unsicherheiten geprägt. Wir rechnen hinsichtlich der Investitionen mit weiteren Negativmeldungen bis ins nächste Jahr hinein", sagte Klude von M.M.Warburg. Betroffen ist nach Ansicht der Experten vor allem der Investitionsgüterbereich wie der Maschinen- und Anlagenbau, in dem Deutschland nach wie vor technologisch führend ist. "Diese Branche hat sich bis zur Jahresmitte gut behaupten können, aber der seit Sommer herrschende Abwärtstrend dürfte sich jetzt beschleunigen", glaubt Klude.

Daneben fürchten die Beobachter Sparmaßnahmen der Firmen im Bereich Informationstechniken (IT). "Viele Unternehmen haben im Zuge der Jahr-2000-Problematik viel in ihre IT-Infrastruktur gesteckt. Jetzt fragen sie sich, ob sie wirklich immer die neuste Software-Version benötigen", sagte Hendrik Garz von West-LB Panmure.

Der Reaktion der Unternehmen wird dabei durchaus Verständnis entgegengebracht: "Die Kapazitäten sind trotz des Abbaus in den vergangenen Monaten nach wie vor zu hoch, die Auslastung ist zu gering", sagt Klude von M.M.Warburg. Die Terroranschläge hätten die Hoffnungen auf eine Erholung der Nachfrage zunächst einmal zunichte gemacht und den Druck auf die Kapazitäten nochmals erhöht.

"Die Unternehmen müssen einfach damit rechnen, dass sich das Konsumentenverhalten nach den Anschlägen verschlechtern wird. Das trifft die USA, das trifft aber auch Europa und Deutschland. Schließlich haben wir es mit globalen Unternehmen zu tun", ergänzt Garz von West LB Panmure.

Am deutlichsten ist dieser Druck durch Überkapazitäten in der Halbleiter-Industrie zu erkennen. Mit Infineon, AMD, NEC und Fujitsu haben nahezu alle großen Namen dieser Branche in den zurückliegenden Tagen einen Ausgabestopp verhängt. Teilweise werden ganze Fabriken kurzzeitig geschlossen, um Kapazitäten vom Markt zu nehmen. Allerdings gibt es auch positive Signale. So stehen der Chip-Gigant Intel und das Emirat Dubai weiterhin hinter dem geplanten Chipwerk in Frankfurt an der Oder. Gleichzeitig hinterlässt die sinkende Investitionsbereitschaft Spuren im Übernahmegeschäft, das fast völlig zum Erliegen gekommen ist. "Nur die wenigsten investieren antizyklisch. Die meisten sagen: Warum jetzt in Zukäufe investieren, wir brauchen das Geld selbst", berichtet Thomas Ehren, Leiter KPMG Corporate Finance in Deutschland.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%