Investment-Banker in Khaki-Hosen
Guy Kawasaki: Der Garagen-Prediger

Der 46-jährige Silicon-Valley-Veteran gründete Garage.com, einen der schillerndsten Kapitalgeber des Silicon Valley - den auch der Fall der Börsen nicht irritiert.

Wer sagt eigentlich, es gebe keinen gründungshungrigen Nachwuchs mehr im Silicon Valley? Kaum steigt Guy Kawasaki bei einer Konferenz für Wagniskapitalgeber und Firmengründer in San Francisco vom Redner-Podium, umringen ihn junge Unternehmer, die Rat, Geld oder beides suchen. Innerhalb kürzester Zeit schüttelt er unzählige Hände, hört sich Geschäftsideen an und tauscht Visitenkarten aus.

Seine Popularität ist leicht erklärbar: Der Gründer und Chef von Garage.com gehört trotz der Pleiten von Internet-Firmen zu den Propheten der Neuen Wirtschaft, glaubt an neue Technologien und an das World Wide Web. Den überstrapazierten Begriff von der Internet-Blase mag er nicht hören: "Eine wirklich schlechte Analogie. Es ist eher so, dass zur Zeit Ebbe herrscht - die Flut wird wieder kommen."

Investmentbanker in Khaki-Hosen

Kawasaki ist Gründer und Chef der Investmentbank Garage.com - einer Bank, die junge Unternehmer mit Risikokapitalgebern und privaten Investoren zusammenbringt, sie beim Erstellen des Geschäftsplans berät, ein geeignetes Management-Team zusammenstellt und den Kontakt zu potenziellen Kunden schafft. Für diese Leistungen kassiert Garage Gebühren und Unternehmensanteile.

Noch vor wenigen Monaten hätte ein solches Geschäftsmodell ganz modisch Inkubator geheißen. Doch spätestens seit dem Aktiencrash der bekannten Inkubatoren CMGI und Internet Capital Group, ist der Begriff verpönt. "Wir sind eine Investmentbank", stellt Kawasaki klar. Dass er in Khaki-Hosen und Hemd wirklich nicht wie ein Investment-Banker aussieht, ist Nebensache schließlich arbeitet er im Silicon Valley und nicht an der Wall Street. Und hier zählt vor allem eins: Kontakte.

Im Knüpfen dieser Kontakte ist Kawasaki mit seiner offenen, freundlichen und zugänglichen Art ein Meister. In vielen Städten der USA und neuerdings auch in Europa lehrt Garage.com, wie der Aufbau eines Netzwerks funktioniert. Unter dem martialischen Motto "Boot-Camp", übersetzt Basislager, laufen die Wissens- und Kontaktbörsen.

Chefprediger mit unerschütterlichem Optimismus

Vergebliche Liebesmüh in wirtschaftlich schweren Zeiten? Ganz und gar nicht, meint Kawasaki: "Wirklich gute Geschäftsideen werden immer Geld bekommen", bekräftigt der Amerikaner japanischer Abstammung wie ein Mantra. Immer neue Sprachbilder findet er, um seine Überzeugung zu verpacken: "Wo andere sich auf den Ausdruck Abschwung konzentrieren, sehe ich den Ausdruck Wirtschaftszyklus und weiß, dass der Aufschwung folgt."

Kawasaki sollte es wissen: Der 46-Jährige ist ein Veteran im Silicon Valley. Den größten Teil seiner Karriere verbrachte er beim Computerhersteller Apple, dem Unternehmen, das wie kein anderes Auf- und Abschwünge in der High-Tech-Branche verkörpert. Schon dort hat Kawasaki an seinem scheinbar unerschütterlichen Optimismus festgehalten. Zuletzt hatte er dafür auch den idealen Job gefunden: Sein offizieller Titel bei Apple war "Chief Evangelist" - Chefprediger.

Andy Hertzfeld, ein ehemaliger Kollege, der jetzt das Softwareunternehmen Eazel leitet, hält Kawasaki für einen begnadeten Selbst-Verkäufer: So war der Garage-Gründer weder der Einzige noch der Letzte, der den Posten des Chefpredigers bei Apple innehatte - aber derjenige, der die Position überall bekannt machte. An Sendungsbewusstsein mangelt es Kawasaki wirklich nicht: Sieben Bücher schrieb er bislang, darunter reißerische Titel wie "Die Kunst, die Konkurrenz zum Wahnsinn zu treiben" und "Gesetze für Revolutionäre". Die Tipps, die er den Lesern gibt, sind einfach und einleuchtend. Sein Rat an Gründer: Schaffen wie ein Gott, befehlen wie ein König und schuften wie ein Sklave.

Crash an der Nasdaq verhagelte die Wachstumspläne

Kawasaki weiß eben, wie er Menschen anspricht - schließlich studierte er vor seinem Aufbau-Studium der Wirtschaftswissenschaften Psychologie. So wählte er auch den Firmenname Garage.com mit Bedacht: Schließlich ist das Hauptquartier seiner Firma - eine viktorianische Villa - nicht weit von der legendären Garage entfernt, in der Bill Hewlett und David Packard den Computer-Riesen Hewlett-Packard gründeten.

Noch ist Garage.com weit davon entfernt, auch nur annähernd so bekannt und groß zu sein wie HP. Der Crash an der Technologiebörse Nasdaq hat auch die Wachstumspläne der ungewöhnlichen Investmentbank vorerst verhagelt - der Börsengang wurde bis auf weiteres verschoben. Das Geschäft läuft dennoch weiter: Trotz der trüben Stimmung in der digitalen Wirtschaft hat Garage.com in diesem Jahr bisher vier junge Unternehmen unterstützt: Visa Now, ein Dienst, der Einwanderern die Bearbeitung der Visumsanträge erleichtern will, Team Fuel, ein Firmenkundenportal für Treibstoff, Gameworld.com, ein Unternehmen für Online-Spiele im mobilen Internet, und First Derivative Systems, ein Chipmaschinenhersteller, bekamen über 6,5 Mill. $ Kapital. Nur ein kleiner Teil der 260 Mill. $, die Garage.com seit 1999 für insgesamt 74 Startups aufgetrieben hat, aber immerhin ein Lebenszeichen im Markt für Risikokapital.

Auch Kawasaki liegt schon mal daneben

"Jetzt ist keine so schlechte Zeit, um ein Unternehmen zu starten", glaubt Kawasaki, der mehrmals in der Woche schon um 5.30 Uhr in der Früh Basketball spielt. Schließlich sei der Wettbewerb um gutes Personal nicht mehr so intensiv wie vor einem Jahr. Die Herausforderung bestehe nun darin, die richtigen Investitionen zu finden. In Web-Inhalte oder Online-Gemeinschaften würde er nicht mehr investieren: "Aber Software ist immer noch ein heißes Thema."

Bisher hat Kawasaki bei seinen Investitionen ein gutes Gespür bewiesen, selbst wenn noch keines der Unternehmen an die Börse ging: So wurde die Datensicherheitsfirma Tripwire vom Branchenmagazin "Upside" zu einer der 100 interessantesten nicht-börsennotierten Unternehmen gekürt. Lob gibt es auch für Digital Fountain, das Videos und Musik per Internet überträgt. "Digital Fountain hat einen wirklichen Durchbruch geschafft", sagt Michael Hoch, Analyst bei der Marktforschungsgesellschaft Aberdeen Group.

Glücksgriffe? Vielleicht. Kawasaki ist sich bewusst, dass auch er sich irren kann: "Sie sprechen mit dem Mann, der die Möglichkeit zum Interview für den Chefposten bei Yahoo ausgeschlagen hat", gestand er augenzwinkernd in einem Interview. "Damals gab es zehn Suchmaschinen, ich konnte mir nicht vorstellen, wie Yahoo erfolgreich sein sollte." Und fügte mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: "So leicht ist es, daneben zu liegen."

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