Investment-Banking wird gestutzt
Commerzbank: 3 000 weitere Jobs in Gefahr

Die Commerzbank wagt nach einem höher als erwarteten Verlust im dritten Quartal für 2002 keinen Ausblick auf Ergebnis oder Dividende und forciert ihren Stellenabbau.

Reuters FRANKFURT. Bankchef Klaus-Peter Müller bestätigte am Dienstag in Frankfurt gut 300 Entlassungen im Investmentbanking vor allem an ausländischen Standorten - und ein Banksprecher sagte, im Konzern stünden in den nächsten zwei Jahren bis zu 3000 weitere Arbeitsplätze zur Disposition.

Wie Deutschlands drittgrößte börsennotierte Bank mitteilte, betrug der Verlust vor Steuern im dritten Quartal 133 Mill. Euro nach einem Fehlbetrag von sogar 279 Mill. Euro vor Jahresfrist. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Vorsteuergewinn von 62 Mill. Euro erwartet.

Analysten waren vor allem von den Abschreibungen in Höhe von mehr als 800 Mill. Euro enttäuscht. Die Aktie der Bank notierte am Nachmittag knapp ein Prozent im Minus bei 6,93 Euro.

Weitere Jobs stehen zur Disposition

Die Aktivitäten im Investment-Banking an den Standorten New York, Prag, Singapur und Tokio will die Bank deutlich einschränken. Es sollen gut 300 der rund 1300 Stellen in diesem Bereich wegfallen. Dazu werden 150 Stellen im Abwicklungsbereich gestrichen. Damit seien Einsparungen von rund 150 Mill. Euro jährlich verbunden, sagte Müller. Im Retailgeschäft wolle die Commerzbank allerdings keine weiteren Stellen streichen und peile weiter die Zahl von 727 Filialen an.

Um ihre ehrgeizigen Kostenziele zu erreichen, will die Bank ihre Mitarbeiterzahl von derzeit gut 37 000 im Konzern offenbar weiter stark reduzieren. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir bis 2004 einige tausend, also 2000 bis 3000 Stellen abbauen", sagte Bank-Sprecher Ulrich Ramm. Vorstandsentscheidungen zu diesem Thema stünden jedoch erst im Frühjahr an.

Kein Ausblick auf 2002 oder 2003

Einen Geschäftsausblick wollte Müller unterdessen nicht wagen. "Es ist wegen der volatilen Märkte nicht sinnvoll, eine Prognose für das Gesamtjahr zu geben", sagte er. Die Bank tue aber gut daran, die Erwartungen auch für 2003 bescheiden zu formulieren. Ende Oktober hatte Müller gesagt, er wisse nicht, ob sein Haus im Gesamtjahr noch Gewinn machen werde. 2001 hatte das Institut 43 Mill. Euro vor Steuern verdient. Auch über die Dividendenhöhe äußerte sich der Bankchef nicht. Allerdings seien aus heutiger Sicht keine weiteren Abschreibungen auf Beteiligungen zu erwarten. Die Bank dürfte im dritten Quartal insgesamt etwas mehr als 800 Mill. Euro abgeschrieben haben, auf Beteiligungen allein 545 Mill. Euro.

In den vergangenen Wochen hatte die Hypo-Vereinsbank bereits die Investoren mit einem Vorsteuerverlust von 447 Mill. Euro im dritten Quartal ebenso geschockt wie der Branchenführer Deutsche Bank mit einem Minus von 181 Mill. Euro vor Steuern.

Verlustbringer Investmentbanking

Das Investmentbanking war im dritten Quartal mit einem Vorsteuerverlust von 126 Mill. Euro bei der Commerzbank der größte Verlustbringer. Auch in der Vermögensverwaltung blieb die Bank mit einem Fehlbetrag von 62 Mill. Euro in den roten Zahlen. Dagegen war der Bereich Private Kunden mit 14 Mill. Euro ebenso profitabel wie das Firmenkundengeschäft mit 143 Mill. Euro Gewinn vor Steuern.

Beim Ergebnis aus Beteiligungen verbuchte die Commerzbank einen Verlust von 531 Mill. Euro nach einem Fehlbetrag von 74 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum. Ein Großteil der Abschreibungen entfalle auf die Beteiligung des Direktbrokers Comdirect an der Telekom-Tochter T-Online.

Andreas Pläsier, Analyst bei der Berenberg Bank, zeigte sich von der Höhe der Wertberichtigungen enttäuscht. Der Analyst erwartet auch für das Gesamtjahr 2002 rote Zahlen. Die Rating-Agentur Standard & Poor's wird die Commerzbank trotz ihres unerwartet hohen Quartalsverlustes zunächst nicht zurückstufen. Allerdings bleibe der Ausblick für das derzeitige Rating A-/A-2 negativ, erklärte S&P-Analyst Stefan Best.

721 Millionen Euro aus Rheinhyp-Konsolidierung

Aus der Zusammenlegung der Rheinhyp mit den Hypotheken-Töchtern der Deutschen und der Dresdner Bank erzielte die Commerzbank einen Einmalgewinn von 721 Mill. Euro. Vor allem wegen der Dekonsolidierung der Rheinhyp habe sich die Kernkapitalquote der Bank nach neun Monaten auf 6,7 (zum ersten Halbjahr 5,9) Prozent verbessert. Die Risikovorsorge für faule Kredite habe im dritten Quartal 436 (Vorjahr 242) Mill. Euro betragen, hieß es. Für das Gesamtjahr rechne der Vorstand zudem mit einem Wertberichtigungsbedarf von rund 1,3 Mrd. Euro.

An einer Fusion der Tochter Comdirect mit der DAB Bank ist Müller weiter interessiert. Er gehe davon aus, dass es zu Sondierungsgesprächen kommen werde. Alle Beteiligten seien bereit, sich mit den Thema Konsolidierung zu befassen.

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