Investment-Experten beklagen Verwischung der Anlagestile – DIT und Morningstar fordern Produktklarheit
Rückenwind für die reine Fonds-Lehre

In der Börsenbaisse sind Aktienfonds besonders schwierig zu managen. Mal liegen an der Börse niedrig bewertete Substanztitel vorn, mal Titel mit Wachstums-Fantasie. Dies hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass sich bei vielen Fonds die Anlagestile vermischt haben. Damit sollte die Performance aufgebessert werden.

FRANKFURT/M. Wo "Growth" draufsteht, müssen auch Wachstumswerte drin sein: Viele Fondsgesellschaften beteuern, in Zukunft bei ihren Produkten die Differenzierung zwischen den Investitionsstilen "Growth" und "Value" stärker einhalten zu wollen. In der Zeit der Spekulationsblase und der darauf folgenden Baisse haben Fondsmanager oft die Stile vermischt - wenn also an den Börsen "Value" angesagt war, packten sie diese Werte gerne auch in Fonds mit einem Growth-Etikett. Experten fordern nun eine schärfere Trennung der Aktien in diese Kategorien.

Bei Value-Werten steht die Beziehung zwischen Börsen- und Buchwert im Vordergrund. Solche Aktien gelten an der Börse als "unterbewertet". Typischerweise haben sie ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von unter 1 - das heißt, die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt unter dem geschätzten Wert seiner Vermögensgegenstände. Außerdem sind für die Analyse die in der Bilanz aufgeführten Unternehmenszahlen wichtig, langfristige Wachstumsraten spielen eine untergeordnete Rolle. Für Growth-Werte hingegen sehen Analysten für die kommenden Jahre hohe Gewinnwachstumsraten, dafür sind die Dividendenrenditen sehr gering. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Unternehmen liegen auf sehr hohem Niveau bzw. es gibt gar keine, da die Firmen nicht profitabel sind.

"Die Verwischung von Investmentstilen bei Fonds wird zu einem großflächigen Problem", sagt Markus Rieß, Sprecher der Geschäftsführung des Deutschen Investment Trust (Dit). Es gebe auf dem deutschen Markt viele Fonds mit einer bestimmten Stilphilosophie, "doch die Systematik bleibt meist völlig unklar". In Krisenzeiten sei die Fokussierung auf einen bestimmten Stil besonders wichtig, um die Produkte glaubwürdig am Markt zu präsentieren. Besonders zur Beimischung gedachte Produkte bräuchten "eine nachhaltig unter Beweis gestellte Kultur des Fondsmanagers". Deshalb mache es in schlechten Börsenphasen keinen Sinn, Fonds mit Growth-Etikett mit Value-Werten aufzufüllen, um eine bessere Wertentwicklung zu erzielen. "Wenn man anfängt, einen Value-Fonds in einer bestimmten Börsenphase umzubauen, packt man meist genau zum falschen Zeitpunkt Growth-Aktien hinein", sagt Rieß.

Auch Kai Wiecking, Analyst des Fondsresearchunternehmens Morningstar, hält die Unterscheidung für sinnvoll. Es gebe an der Börse schließlich immer wieder Phasen, in denen sich Value- und Growth-Aktien völlig unterschiedlich verhielten.

Peter Ivanfy sieht die deutsche Investmentbranche ähnlich wie Rieß "seit einiger Zeit auf Schlingerkurs, was die Differenzierung nach den Anlagestilen angeht". Nach Beobachtung des Senior Analyst bei der Fondsresearchfirma Feri Trust trägt dazu die sehr ähnliche Entwicklung von Growth- und Value-Werten in den vergangenen zwölf Monaten bei. "Es sind Zweifel aufgetaucht, ob in der Baisse Value-Titel wirklich besser abschneiden als Wachstumswerte", sagt Ivanfy. Ohnehin sei die Differenzierung nach Anlagestilen in Deutschland erst seit etwa 1998 im Zuge der High-Tech-Aktienhausse populärer geworden. "Viele damals aufgelegte Fonds wurden als Produkte für Wachstumswerte bekannt. In der Baisse schaltete dann aber eine ganze Reihe von Fondsmanagern auf defensive Werte um oder steuerte zumindest einen indexnahen Kurs", meint der Feri-Mann. Er sei sich aus diesen Gründen gar nicht sicher, ob sich die Differenzierung in Deutschland durchsetze. Deshalb werde Feri in der eigenen Fondsdatenbank auch vorerst auf eine Kategorisierung der Produkte nach Stilen verzichten.

Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS zeigt indessen wenig Interesse an dieser Diskussion. Sie hat nie etwas von der Differenzierung nach Stilen gehalten. "Wir haben in unserer ganzen Palette nur ein einziges Value-Nischenprodukt", sagt DWS-Sprecher Eckhardt Bergmann. "Wenn man mit einem Wachstumsfonds in eine Baisse wie ab 2000 hineinläuft, kann man höchstens noch mit einer Erhöhung der Barquote gegensteuern." Die DWS wolle ihren Spielraum beim aktiven Aktienmanagement aber nicht so weit einengen, sich vielmehr je nach Börsenlage bei der Aktienwahl frei entscheiden. Außerdem sei die Differenzierung zwischen Growth- und Value-Werten manchmal schwierig.

Auch für David Jane, Fondsmanager bei der britischen Gesellschaft M & G, macht die ganze Unterscheidung "keinen Sinn". Im Markt gebe es zu viele Kategorien und Definitionen. "Wir schauen nur auf das einzelne Unternehmen. Bestimmte Abgrenzungen sind da eher hinderlich."

Quelle: Handelsblatt

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