Investment-Idee
Kurskapriolen mit Ansage

Verglichen mit den ersten Monaten des Jahres waren die vergangenen Wochen an der Börse eher ereignisarm. Die führenden Aktienindizes haben sich nach ihrem kurzen Rücksetzer Mitte Mai wieder stabilisiert, die Volatilität ist gesunken. Welche Titel dennoch spannend sind verrät der Handelsblatt-Aktien-Seismograf.

FRANKFURT. Bei einzelnen Werten kam es dennoch zu scharfen Kursbewegungen. Als guter Frühindikator erwies sich dabei der "Aktien-Seismograf", den das Handelsblatt gemeinsam mit der Fondsgesellschaft Invesco einmal im Monat veröffentlicht. Von 30 Aktien, denen der Computer extreme Schwankungen prognostizierte, hielten sich in den vergangenen vier Wochen nur vier in einer Kursspanne von zehn Prozent. Auf der anderen Seite schwankten gleich sechs Aktien um mehr als ein Viertel - für Anleger, die auf der richtigen Seite standen, ein lukratives Geschäft.

Der Aktien-Seismograf basiert auf einem quantitativen Modell, wie es viele institutionelle Investoren nutzen. Im Gegensatz zur traditionellen Vermögensverwaltung spielen fundamentale Faktoren wie Wachstumsaussichten oder Qualität des Managements einer Aktiengesellschaft keine Rolle. Stattdessen stützt sich der Computer auf die kurzfristigen Parameter Gewinnrevisionen, Dynamik der Gewinnrevisionen und kurzfristige Trendumkehr nach heftigen Kursausschlägen sowie auf die langfristigen Indikatoren externe Finanzierung, erwartete Gewinnrendite und langfristige relative Stärke. Auf der monatlichen Auswahlliste erscheinen Aktien, die bei mindestens drei der sechs Indikatoren Auffälligkeiten zeigten. Ihnen sagt der Computer eine hohe Wahrscheinlichkeit für starke Kursbewegungen voraus, ohne Hinweise zu geben, ob diese nach oben oder unten gehen.

Im vergangenen Monat ging es für die Mehrheit der Ausreißer abwärts - ein nicht unübliches Bild, wie Invesco-Analystin Margot Steiner erklärt: "In der Analyse historischer Renditen haben wir gesehen, dass diejenigen Aktien, für die wir extreme Kursbewegungen erwarten können, etwas häufiger negative als positive Kursausschläge zeigen."

Zu den prominentesten Verlieren zählte zuletzt die Aktie der Schweizer Großbank UBS, die knapp ein Viertel an Wert einbüßte. Noch höhere Verluste von bis zu 40 Prozent mussten Anleger beim US-Anleiheversicherer Ambac hinnehmen. Auf der anderen Seite stieg die Aktie des australischen Rohstoffunternehmens Paladin Energy in der Spitze um fast 40 Prozent, die des US-Computerhardware-Produzenten Western Digital legte um 25 Prozent zu.

Western Digital taucht ebenso wie die UBS oder der deutsche Düngemittelhersteller und Dax-Kandidat K + S, der sogar zum dritten Mal in Folge dabei ist, auf der neuen Beobachtungsliste des Aktien-Seismografen erneut auf. "Das kann passieren, weil sowohl langfristige als auch kurzfristige Indikatoren eine Rolle spielen", erklärt Steiner. "Gerade wenn ein Unternehmen bei einem langfristigen Parameter wie etwa der externen Finanzierung Auffälligkeiten zeigt, ändert sich dies nicht von heute auf morgen."

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Kohle-Konzern Fording Canadian Coal, der bei allen langfristigen und obendrein bei zwei kurzfristigen Indikatoren markante Ergebnisse zeigt. Nach Meinung der meisten Analysten spricht das in diesem Fall für steigende Kurse. Obwohl sich die Fording-Aktie seit Jahresbeginn bereits verdoppelt hat, empfahlen in den vergangenen zwei Wochen fünf weitere Experten die Titel zum Kauf.

Negativer ist das Bild bei einigen Firmen, die dem Computer zuletzt auffielen: So meldete der Börsenbetreiber Nyse Euronext für das erste Quartal einen Einbruch des Handelsvolumens um 25 Prozent, der britische Pay-TV-Betreiber Virgin Media publizierte den elften Quartalsverlust in Folge.

Aktionäre des japanischen Elektronik-Konzerns Pioneer erlitten am 14. Mai sogar den höchsten Kursverlust seit mehr als 26 Jahren, nachdem das Unternehmen ein weiteres Verlustjahr ankündigte. Die Pioneer-Aktie fiel um 18 Prozent und konnte sich seither nicht erholen. Und auch in den kommenden Monaten dürfen Anleger nach Meinung von Experten nicht viel erwarten. Erst gestern stufte Hitoshi Kuriyama, Analyst bei Merrill Lynch, Pioneer von "neutral" auf "underperform" zurück.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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