Investment-Idee
Zukauf treibt Affinerie-Aktie

Die Bilanz der Norddeutschen Affinerie (NA), ihres Zeichens größte Kupferhütte Europas, glänzt wie das Schwermetall, dem die Hamburger ihren Erfolg verdanken. Die Börse feiert gelungene Übernahme und gute Ergebnisse. Analysten warnen aber vor zu viel Euphorie. Die Tägliche Investment-Idee auf handelsblatt.com.

FRANKFURT. Dank einer anhaltend hohen Kupfernachfrage verdoppelte das Unternehmen seinen Gewinn im zweiten Geschäftsquartal (per 31. März) von 26 auf 59 Mill. Euro. Zudem läuft die Übernahme des belgischen Rivalen Cumerio für fast 800 Mill. Euro besser als erwartet. Hatte NA-Chef Bernd Drouven zunächst Synergien von 10 bis 15 Mill. Euro jährlich in Aussicht gestellt, hob er das Ziel kürzlich auf 15 bis 20 Mill. Euro an.

Die Reaktion an der Börse blieb nicht aus. Mit gut 34 Euro ist die Aktie der Affinerie nur noch wenige Cents von ihrem Allzeithoch bei 34,85 Euro entfernt. Dieses hatte sie vor ziemlich genau einem Jahr erreicht, ehe sie zu einer rasanten Berg- und Talfahrt ansetzte, die sie im November bis an die Marke von 20 Euro abstürzen ließ. Nach einer kurzen Erholung stürzte die NA-Aktie im März noch einmal bis auf rund 22 Euro ab. Die anschließende Aufholjagd beruhte vor allem auf dem Übernahmeerfolg. Analysten sind sich jedoch uneins darüber, ob der jüngste Anstieg nicht zu weit gegangen ist.

Zu den größten Optimisten zählt Benjamin Kohnke von der Deutschen Bank. Er stufte die NA-Aktie kürzlich von "hold" auf "buy" herauf und erhöhte das Kursziel deutlich von 22,50 auf 40 Euro. Die Übernahme von Cumerio sei der erste Schritt in der Konsolidierung des weltweit sehr fragmentierten Marktes der Kupferproduzenten. Und der neue Konzern agiere aus einer Position der Stärke heraus. Dies biete den Investoren attraktive Wachstumschancen", ist Kohnke überzeugt. Mit einer Gewinnschätzung in Höhe von 4,55 Euro je Aktie für dieses Jahr liegt die Deutsche Bank etwa 35 Prozent über dem Analystenkonsens. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das auf Basis dieses Konsenses 8,3 beträgt, wäre damit noch deutlich günstiger.

Für eine günstige Entwicklung der NA spricht nach Meinung von Experten auch der anstehende Ausstieg des Großinvestors Mirko Kovats. Der Chef und Großaktionär des österreichischen Mischkonzerns A-Tec hatte sich Ende Juni 2007, nachdem die Affinerie die Übernahmepläne bekanntgegeben hatte, mit größeren Aktienpaketen von der NA und von Cumerio eingedeckt. So wollte er die Bedingungen des Zusammenschlusses diktieren. Doch das Bundeskartellamt bremste Kovats aus und untersagte ihm, seine Stimmrechte auszuüben. Zudem forderte die Behörde den Investor zum Verkauf seiner NA-Anteile auf.

Nach dem günstigen Ausgang des Wirtschaftskrimis plant Vorstandschef Drouven nun, das Geschäft in Südosteuropa auszubauen. Ziel sei es, von dem Marktwachstum dort zu profitieren.

Die Pläne des Unternehmenschefs kommen in der Finanzwelt ebenso wie die jüngsten Quartalszahlen gut an. Eggert Kuls von M.M. Warburg bescheinigt den Hamburgern, dass sie zum zweiten Mal in Folge mit ihrem Ergebnis deutlich über den Erwartungen gelegen hätten. "Die nachhaltige Ertragskraft scheint sich auf deutlich höherem Level einzupendeln, als wir bislang unterstellt haben", lobt der Analyst. Gleichwohl lautet sein Anlageurteil nur "halten", weil die NA-Aktie das Kursziel von 32 Euro bereits überschritten hat. Zum gleichen Ergebnis kommt Unicredit-Analyst Christian Obst, der das Kursziel zuvor aber immerhin von 24 auf 32 Euro angehoben hatte.

Ein Grund für die Skepsis der Analysten liegt darin, dass Paketverkäufe von NA-Anteilen neuen Druck auf den Aktienkurs bringen könnte. Denn nicht nur Kovats muss seine Anteile abstoßen. Auch der Stadt Hamburg wird nachgesagt, sie wolle ein Paket von fünf Prozent verkaufen.

Konkrete Kaufinteressen gibt es bisher nicht. Allerdings kursieren immer wieder Gerüchte, dass ein großes Unternehmen der Metallbranche plane, bei dem Kupferproduzenten einzusteigen.

Annika Reinert
Christine Weißenborn
Handelsblatt / Redakteurin
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