Investmentbank KIT Finance
Finanzkrise fordert erstes Opfer in Russland

Die Finanzkrise fordert ein erstes Opfer in Russland. Am Mittwoch hat mit der KIT Finance eine russische Investmentbank der zweiten Reihe die weiße Fahne geschwenkt: Das Finanzhaus gab bekannt, seine Verpflichtungen nicht mehr erfüllen zu können. Auch an den Börsen in Moskau geht es weiter turbulent zu. Nach dem größten Kurssturz seit dem großen Kollaps 1998 am Dienstag ist am Mittwoch der gesamte Handel seit 13 Uhr Moskauer Zeit ausgesetzt.

MOSKAU. Die Bank, die in den vergangenen Jahren schnell gewachsen ist, befindet sich eigenen Angaben zu Folge bereits in Gesprächen mit einem strategischen Investor, die schon im Laufe des Tages zu einem Ergebnis kommen sollen. Russische Medien spekulieren über einen Einstieg der staatlichen VTB Bank.

Die russischen Börsen haben weltweit mit am stärksten unter den Turbulenzen an der Wall Street gelitten: Seit den Höchstständen im Sommer haben russische Unternehmen rund 750 Mrd. Dollar an Wert eingebüßt. Allein der Dienstag, der durch panikartige Verkäufe geprägt war, kostete die großen Konzerne 80 Mrd. Dollar. Die Papiere von Gazprom, dem größten Gaskonzern der Welt, büßten allein 17 Prozent ein. Die größte Bank des Landes, die staatlich kontrollierte Sberbank, musste ein Minus von 21 Prozent einstecken. Auslöser der Panik war vor allem das Aussetzen des so genannten Repo-Geschäfts nachdem die Raten exorbitant angezogen hatten. Repos schaffen einen kurzfristigen Geldmarkt zwischen Investoren, die auf kurze Sicht Geld anlegen möchten, und Besitzern von Wertpapieren, die sich Liquidität beschaffen möchten.

Ein Ende des Abwärtstrends ist aber auch am Mittwoch nicht in Sicht: Nachdem der in Dollar notierte RTS-Index nach der Eröffnung wieder bereits über sechs Prozent im Minus stand, setzte die Börsenaufsicht den Handel - ähnlich wie am Dienstag, als er für etwa eine Stunde lahm lag - aus. Um 19 Uhr Moskauer Zeit soll es eine Krisensitzung der Börsenaufsicht und des Finanzministerium geben.

Analysten sehen die Probleme bei KIT, die Verpflichtungen aus dem Repo-Geschäft nicht mehr erfüllen kann, dennoch mit Gelassenheit. Seit Jahren herrscht Gewissheit, dass der zersplitterte russische Bankensektor einer Konsolidierung bedarf und dass vor allem die Institute Probleme bekommen werden, die zu aggressiv expandiert sind. "Die Probleme werden sich durch Krise verstärken", erwartet Wladimir Osakowskij von Unicredit in Moskau. Eine Krise des Systems bestehe aber nicht. Die Regierung kündigte heute an, den drei größten staatlich kontrollierten Banken des Landes kurzfristig rund 44 Mrd. Dollar zur Verfügung zu stellen.

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