Investmentbank rechnet mit einem Euro Verlust je Aktie
France Télécom macht Anlegern wieder Mut

Obwohl die Aktie der France Télécom S.A. seit Jahresbeginn rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt hat, erscheint der Telefonkonzern vielen Anlegern inzwischen wieder wie ein Fels in der Brandung.

PARIS. Mit überraschend positiven Umsatzzahlen für das erste Halbjahr hat France Télécom die Aktionäre aufhorchen lassen. Auch wurde die Erwartung geweckt, dass die Ertragsziffern ähnlich gut ausfallen könnten. Sie werden aber erst im September publiziert.

"Unser Geschäft ist die Übertragung von Sprache und Daten, und es kennt die Flaute nicht, wie sie derzeit die Hersteller von Handys und die Netzausrüster erleben", sagt Finanzchef Jean-Louis Vinciguerra selbstbewusst zum Erlösanstieg von 33 % auf 20,4 Mrd. ? im ersten Halbjahr 2001. Er bestätigt das zu Jahresbeginn gesetzte Ziel, dass France Télécom im Jahr 2001 um ein Viertel wachsen soll.

Analyst: Aktie deutlich unterbewertet

Ob auch bei den Erträgen ein größeres Wachstum drin ist, darüber sind sich Analysten nicht einig: Société Générale-Experte Thierry Cota hält die Aktie einstweilen für deutlich unterbewertet. Er hält Kurse von 70 bis 80 ? für angemessen - vorausgesetzt, das Management schafft es, 18 Mrd. bis 20 Mrd. ? von den insgesamt 58 Mrd. ? Konzernschulden wegzuräumen. Sein Kollege Stephen Heaps von Merrill Lynch argumentiert ähnlich. "Wir halten France Télécom operativ für einen der besser positionierten Wettbewerber", sagt er. Die Investmentbank rechnet allerdings mit knapp einem Euro Verlust je Aktie für 2001, nach 3,44 ? Gewinn im vergangenen Jahr. So sorgt sich Heaps, dass ohne eine Reduzierung der Verschuldung das Kursziel von 75 ? "völlig unerreichbar aussieht". Vinciguerra hat bei der Vorlage der Halbjahreszahlen gelobt, genau dies zu erreichen.

Doch lastet Heaps zufolge noch eine weitere Bürde auf der Kursentwicklung: "Wir fürchten kurzfristig einen Überhang von Aktien am Markt." So ließ sich seinerzeit die Sita-Stiftung bei Equant mit Aktien von France Télécom auskaufen. Jetzt ist die Stiftung dabei, diese Aktien am Markt unterzubringen.

Analysten treibt auch ein anderes Problem um. 60 % des Geschäfts der France Télécom wird inzwischen von ihren drei börsennotierten Beteiligungen generiert, wie Konzernboss Michel Bon bestätigt. Bei den Erträgen dürften der Anteil höher liegen. Bon hat den Internetdienstleister Wanadoo ausgegliedert und separat an die Börse gebracht. Das Geschäft mit internationalen Standleitungen wurde in die zugekaufte Beteiligung Equant integriert, die ebenfalls separat notiert ist. Außerdem nimmt die teuer akquirierte Mobilfunktochter Orange immer mehr vom Handy-Geschäft der Muttergesellschaft auf. So wacht Stephen Heaps mit Argusaugen darüber, wie viel Mobilfunkumsatz noch bei Orange eingebracht wird.

Dauerkrieg um Durchleitungstarife

Andere Analysten sehen die France-Télécom-Aktie zunehmend als Holdingpapier. Und spätestens seit dem Orange-Börsengang beinhaltet der France-Télécom-Kurs einen Konglomerats-Abschlag, wie Pariser Börsianer meinen.

Denn das Kerngeschäft der Mutter, die Festnetztelefonie in Frankreich, hat unter Ertragsaspekten kaum Zukunft. Schon länger muss France Télécom seine Leitungen für die Ferngespräche anderer Anbieter öffnen. Um die Durchleitungstarife tobt seither ein Dauerkrieg. Zum Jahreswechsel muss France Télécom dann auch im Ortsnetz Konkurrenten dulden - nach Ansicht von Paresco Futures eine schlechte Nachricht für die Aktie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%