Investmentbank sieht Unternehmenspolitik verletzt
Merrill Lynch beurlaubt Manager des Energiegeschäfts

Die US-Investmentbank Merrill Lynch & Co. hat mit sofortiger Wirkung den Leiter ihrer Abteilung Energie-Investmentbanking, Schuyler Tilney, beurlaubt. Tilney hatte sich auf Anraten seines Anwalts geweigert, vor dem Unterausschuss des US-Senats im Zusammenhang mit den Betrügereien der Energiehandelsgesellschaft Enron Corp. auszusagen.

NEW YORK. Wie das größte US-Brokerhaus mitteilte, sei Merrill Lynch selbst nicht das Ziel von Ermittlungen des Senatsausschusses oder des Justizministeriums. Tilney war im Bereich Unternehmensfinanzierung direkt verantwortlich für die Geschäfte mit Enron. "Wir kooperieren bei Untersuchungen der Aufsichtsbehörden immer vorbehaltlos, und da Tilney nicht aussagen will, haben wir ihn beurlaubt", sagte Merrill-Sprecher Tim Cobb. Neben Tilney sollten auch Robert Furst, ein ehemaliger Mitarbeiter der Investment-Banking-Tochter von Merrill, und G. Kelly Martin, ein Senior Vice President des Brokerhauses, als Zeugen vor dem Ausschuss auftreten. Man wisse, dass auch Furst auf den Rat seines Anwalts hin keine Angaben zur Sache machen will, so Cobb. Andere Mitarbeiter von Merrill Lynch stünden allerdings als Zeugen bereit. Wie viele letztendlich vor den Ausschuss treten werden, könne er nicht genau sagen. Er rechne jedoch damit, dass es nicht mehr als eine Hand voll sein werden, meinte der Unternehmenssprecher.

Die Geschäfte mit Enron sind nach Angaben von Merrill Lynch begrenzt gewesen. Es habe sich um eine bereits veröffentlichte Kapitalbeteiligung über sieben Millionen Dollar an einem Unternehmen gehandelt, das Spezialschiffe für die Energieerzeugung betreibt.

Zudem habe man für eine unter dem Namen LJM2 firmierende, ausgelagerte Gesellschaft von Enron eine Privatplatzierung vorgenommen.

"Wir sind der Ansicht, dass alle unsere Transaktionen mit Enron auf der Basis unseres damaligen Wissens rechtens waren", bekräftigte Cobb die Position der Investmentbank. Die Mitarbeiter von Merrill Lynch hätten sich bei den Transaktionen mit Enron korrekt verhalten. Allerdings schreibe die Unternehmenspolitik die unbedingte Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden vor.

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