Investmentbank will Formel-1-Anteile zurücknehmen
Hartes Ringen um EM.TV

Der Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV steht auf der Kippe. Im Mittelpunkt des Streits stehen die Anteile von EM.TV an der Formel-1-Holding. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone will Kirch als Partner verhindern.

HB MÜNCHEN/DÜSSELDORF. In das Ringen um die Zukunft der krisengeschüttelten EM.TV & Merchandising AG, Unterföhring, hat sich überraschend der Münchener Medienunternehmer Herbert Kloiber eingeschaltet. Der Mann, an dessen Tele München Gruppe (TMG) EM.TV mit 45 % beteiligt ist, versucht zusammen mit dem EM.TV-Aufsichtsratschef Nickolaus Becker, den in einem Vorvertrag vereinbarten Einstieg der Kirch-Gruppe, Ismaning, bei EM.TV zu verhindern. "Ich will EM.TV von der Kirch-Gruppe fern halten", sagte Kloiber ausdrücklich in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Kloiber, der ebenso wie EM.TV-Chef Thomas Haffa einst bei Kirch sein Handwerk gelernt hat, verfügt über exzellente Branchenkontakte und gilt seit langem als Kirchs Intimfeind.

Wie aus Branchenkreisen bekannt wurde, ist die US-Investmentbank Hellman & Friedman interessiert, den 50- Prozent-Anteil von EM.TV an der Formel-1 Slec Holding Ltd., -Gesellschaft Jersey, zurückzukaufen. Von ihr und einer anderen Bank hatte EM.TV die Anteile im Frühjahr 2000 erworben.

Die Konditionen sind, wie aus den Kreisen verlautet, nicht gerade günstig für EM.TV. Hatte der einstige Börsenliebling noch 1,7 Mrd. $ für die Slec-Anteile bezahlt, so seien als Preis für den Rückkauf nur noch 700 Mill. $ geboten. Becker und Kloiber hätten am vergangenen Donnerstag in Genf mit den Bankern verhandelt. Es sei geplant, dass Hellman & Friedman 17 % an Slec kostenlos an Formel-1-Chef Bernie Ecclestone weiterreicht und für die restlichen 33 % erneut einen finanzkräftigen Käufer sucht. Somit bekäme Ecclestone, ohne einen Pfennig zu zahlen, eine Zweidrittelmehrheit an der Slec.

Hintergrund des Deals: Offenbar hat Ecclestone kein Interesse, dass sein gut zahlender Kunde Kirch durch den Einstieg bei EM.TV sein Teilhaber wird. Ecclestone wolle verhindern, dass die Formel 1 auf dem wichtigsten Medienmarkt in Europa nur in Kirchs wenig erfolgreichem Abonnentensender Premiere World laufe, erklären Branchenkenner. Eines haben Kloibers und Beckers Winkelzüge bereits bewirkt: Die EM.TV-Aktie schoss am Freitag nach ersten Spekulationen zeitweise um 60 % auf bis zu 10,20 Euro in die Höhe.

Unklar ist indessen, ob Kirch und EM.TV überhaupt noch miteinander verhandeln - eigentlich hatten sie bis Ende Januar exklusive Gespräche vereinbart. Aus gut informierten Kreisen hieß es allerdings, dass es schon seit Tagen keine Gespräche mehr gebe. EM.TV-Chef Haffa sei "paralysiert". Dieter Hahn, rechte Hand von Leo Kirch, besuchte unterdessen Ecclestone in London, um ihm das große Interesse Kirchs an der Formel 1 deutlich zu machen. Denn Ecclestone hat derzeit alle Fäden in der Hand. Der 70-jährige Brite hatte EM.TV nicht nur die Hälfte seiner Holding Slec verkauft, sondern auch die Option vereinbart, dass er im Mai weitere 25 % für rund 1 Mrd. $ an Haffa abtreten kann. Dieses Verkaufsrecht hat die Finanzkrise bei EM.TV ausgelöst.

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