Investmentbanken bieten geschwächten Firmen Kapitalerhöhungen durch die Hintertür
Zwangsumwandlung macht Anleihen attraktiv

In Europa steckt der Markt für diese Anleihen mit Aktiencharakteristik noch in den Kinderschuhen.

PARIS. Als der angeschlagene Medienkonzern Vivendi Universal vor gut zwei Wochen eine neue Wandelanleihe ankündigte, rieben sich Finanzleute in europäischen Banken verdutzt die Augen. Denn in kaum zwei Stunden hatte Konsortialführer Deutsche Bank die 885 Mill. Euro schwere Wandelanleihe am Markt untergebracht, obwohl die Rating-Agenturen von Vivendis Schulden wenig halten.

Gründe für die hohe Nachfrage waren neben dem Coupon von 8,25 % vor allem die Charakteristik der Wandelanleihe: Sie ist ausschließlich in Vivendi-Aktien rückzahlbar. Diese haben ihr Aufwärtspotential jüngst bewiesen.

Bisher spielen derartige Papiere mit Zwangsumwandlung, der so genannten Mandatory-Klausel, bei Wandelanleihen (Convertible Bonds) in Europa kaum eine Rolle. In diesem Jahr gab es erst drei Fälle unter bisher gut zwei Dutzend größeren Convertible-Emissionen. In den Jahren davor waren sie in Europa nahezu unbekannt. Dagegen sind in den USA rund ein Viertel der über hundert Wandelanleihen dieses Jahres nur in Aktien rückzahlbar.

Europa könnte seinen Rückstand bald aufholen, sagen Bond-Analysten und Investmentbanker in London und Paris. Frankreich ist Europas wichtigster Markt für Wandelanleihen. "Mit der Vivendi-Emission hat die Deutsche Bank die Büchse der Pandora geöffnet", sagt Laurent Kenigswald, Research-Chef für Wandelanleihen bei der Pariser Investmentbank Natexis.

Die nächsten Emissionen sind schon angekündigt. Banco Comercial Portugues will über eine nur in Aktien rückzahlbare Anleihe mit 9 % Verzinsung und Fälligkeit 2005 rund 700 Mill. Euro aufbringen. Vergangene Woche kündigte dann Credit Suisse einen Mandatory Convertible von 1,25 Mrd. Schweizer Franken an, die mit mindestens 5,75 % verzinst wird und nach Angaben der Bank spätestens in drei Jahren fällig werden soll.

Auch die geplante Ergänzung der Swiss-Life-Kapitalerhöhung um eine in Aktien rückzahlbare Wandelanleihe von 250 Mill. Franken ist ein Signal für den Markt. "Immer mehr Wandelanleihen werden Mandatory-Klauseln oder ähnliche Regelungen enthalten", sagt Kenigswald.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Weil ihre Bonität angekratzt ist, zahlen Schuldner, zum Beispiel aus der Telekommunikation, saftige Zinsen. Weil ihre Aktien im Keller sind, bieten sie Anlegern zusätzlich die Chance hoher Kursgewinne. "Die Emittenten solcher Papiere brauchen Geld", sagt Muriel Blanchier, die bei der Société-Générale-Tochter SG Capital das Convertibles-Research leitet. "Weil sie Aktien aus einer Kapitalerhöhung am Markt derzeit kaum unterbringen würden, bieten sich Wandelanleihen mit Mandatory-Klausel an."

Die beste Ausgangslage für Europas keimenden Markt für Mandatory Convertibles haben weltweit aufgestellte Häuser, sagt Stefan Heitmann, der bei der CSFB in London für Wandelanleihen europäischer Emittenten zuständig ist: "Außer uns spielen auch Merrill Lynch und JP Morgan vorne mit." Denn neben Kenntnis der Produkte sei die Verbindung zu potenziellen Anlegern entscheidend.

Die sitzen mit Ausnahme der Hedge-Fonds, die zum Beispiel fast die gesamte Vivendi-Anleihe aufnahmen, bisher meist in den USA. "Diese Käufer wollen die Upside der Aktie und eine hohe feste Verzinsung", sagt Heitmann. Auch haben sie Erfahrung mit riskanten hochverzinslichen "Junk Bond"-Papieren. Die fehlt bei den meisten europäischen Aktien- und Rentenfonds und bei den Versicherern.

Neben der Deutschen Bank wollen in Europa vor allem französische Banken eine Vorreiterrolle bei Mandatory Convertibles spielen. Doch gerade in Frankreich wiegeln Experten ab. "Es ist für uns noch nicht ausgemacht, ob wir diesen Anleihetyp in Zukunft wesentlich häufiger sehen werden", sagt Thierry Olives, der bei BNP Paribas eigenkapitalähnliche Anleihen verantwortet.

Zwar ließen sich damit elegant Eigenkapitalprobleme lösen und auch vertragliche Bindungen beim Verkauf von Beteiligungen umgehen. Dies war im Juli bei der mit 6,75 % verzinsten, in Aktien von ST-Microelectronics rückzahlbaren 500-Mill.-Euro-Anleihe von France Télécom der Fall, die den Zwangsumwandlungs-Reigen eröffnete. Aber zur Rekapitalisierung der Telekom-Branche, bei der beispielsweise für France Télécom in Kürze 15 Mrd. Euro aufgebracht werden müssten, könne das Instrument nur in geringem Umfang beitragen, sagt Olives. "Mandatory Bonds sind nicht der Zauberstab, wenn es um solche Summen geht."

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%