Investmentbanken ringen um italienischen Markt
Mediobanca hat Rolle als Monopolist verloren

Alle sind dabei: Silvio Berlusconis Fininvest, Marco Tronchettis Telecom und die zum Fiat-Imperium der Familie Agnelli gehörende Versicherung Toro haben sich vor ein paar Tagen mit je 3 % am Mediocredito Centrale (MCC) beteiligt.

MAILAND. Die Investmentbank des viertgrößten italienischen Instituts, Capitalia (früher: Banca di Roma), hat Anteilseigner mit klingenden Namen gesucht - und auch gefunden. "Ich erkenne große Ähnlichkeit mit dem Modell Mediobanca" sagt ein Analyst. Schließlich kann sich auch die nach wie vor mächtigste Investmentbank des Landes auf einen erlesenen Aktionärskreis berufen. "Offensichtlich will der MCC mit Hilfe der prominenten Partner seine Bedeutung in der Szene steigern." Zwar ist in der financial community von Mailand höchst umstritten, ob dieses Modell, das man in Italien "salotto buono" (die gute Stube) nennt, Zukunft hat. Der Schachzug des MCC beweist aber einmal mehr, wie stark das Investmentbanking in Italien derzeit in Bewegung ist. "Praktisch alle einheimischen Großbanken erarbeiten im Moment neue und teilweise aggressive Strategien für dieses Geschäftsfeld", sagt ein Insider. Die Branche werde in den kommenden Monaten ihr Gesicht weiter verändern.

Zwei Gründe sind dafür verantwortlich: Erstens ist das Potenzial des Marktes - unabhängig von der aktuellen Flaute - riesig. Im Verhältnis zu anderen EU-Ländern sind in Italien erst wenig Unternehmen börsennotiert - nur etwa 300 stehen auf dem Kurszettel der Borsa Italiana. Das ist für die sechstgrößte Wirtschaftsmacht der Welt nicht angemessen. Börsenchef Massimo Capuano glaubt, dass mittelfristig 700 weitere Gesellschaften einen IPO wagen werden. Außerdem ist die Volkswirtschaft noch sehr kleinteilig, Großunternehmen sind rar. Nach Ansicht von Ökonomen steht Italien in den kommenden Jahren eine Konzentrations- und Konsolidierungswelle bevor. Sie wird den Investmentbanken viele Aufträge bescheren.

Zweitens hat sich die Konkurrenzsituation stark gewandelt. Bis Anfang der 90er Jahre war der Markt für M&A und langfristige Unternehmensfinanzierungen de facto von der Mediobanca monopolisiert. Dank ihres Aktionärskreises, der die Crème de la Crème der italienischen Hochfinanz beinhaltet, sowie den eigenen Beteiligungen an einer Reihe der wichtigsten heimischen Unternehmen (u.a. Generali, Fiat, Pirelli) saß das Institut jahrzehntelang wie eine Spinne im Netz der Italien AG. Das trifft heute nicht mehr zu.

Nach Ansicht von Prof. Maurizio Dallocchio, Chef der Finanzfakultät an der Wirtschaftsuniversität Bocconi in Mailand, hat der Start der Privatisierungswelle 1993 den Beginn für den Bedeutungsverlust der Mediobanca markiert. "Um ausländisches Kapital anzulocken und die Erfahrung auf den internationalen Märkten zu nutzen, hat sich das Schatzministerium bei diesen Operationen vornehmlich von angelsächsischen Investmentbanken beraten lassen," sagt Dallocchio. Für JP Morgan, Morgan Stanley; Goldman Sachs und Co. war dies ein glänzendes Geschäft. Immerhin hat Rom seither rund 750 Unternehmen für einen Gesamtwert von rund 110 Mrd. Euro verkauft. Neben fetten Beratungshonoraren haben sich die Institute ein glänzendes Entree auf dem Markt verschafft und gleichzeitig das Monopol der Mediobanca gebrochen.

Deutlich wird dies anhand ihrer Rolle bei den ganz großen Operationen der letzten Jahre: Credit Suisse First Boston hat 1999 Telecom bei der Verteidigung gegen die feindliche Übernahme von Olivetti beraten. Lazard mit seinem Italien-Chef Gerardo Bragiotti (Ex-Mediobanca) hat sowohl die Übernahme von Montedison durch Fiat und Electricité de France als auch jene von Olivetti durch Pirelli und Benetton begleitet. In diesem Jahr sind die größten drei Deals an der Mediobanca vorbeigegangen. So ist Edipower beim Kauf der Kraftwerksgesellschaft Eurogen für 3,8 Mrd. Euro von Morgan Stanley, Rothschild sowie UBM - der Investmentsparte des Unicredito Italiano - beraten worden.

Das aber heißt nicht, dass Mediobanca das Feld nun kampflos der Konkurrenz übergibt. Insider weisen darauf hin, dass das Institut mittlerweile den Tod seines Gründers und Übervaters, Enrico Cuccia, vor zwei Jahren verdaut hat und seit einigen Monaten wieder selbstbewusster auftritt. Der jüngste Kauf von 34% des Sportwagenherstellers Ferrari war ein klares Signal. Die sich bietenden Spielräume versuchen inzwischen aber immer stärker auch andere einheimische Investmentbanken zu füllen. UBM ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Haus seine guten Kontakte zur Industrie auszunutzen vermag. Ein anderer Player, der in den letzten Jahren stetig seine Bedeutung gesteigert hat, ist die Interbanca. Die Tochter der achtgrößten Bank des Landes, Antonveneta, hat mit ABN Amro einen Partner internationalen Zuschnitts im Boot. Insgesamt glauben Experten, dass die Italiener beim Investmentbanking künftig verstärkt auf internationale Allianzen setzen werden.

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