Investmentbanken stehen unter Druck
Mit Neuemissionen ist wenig zu verdienen

Die Stimmung bei internationalen Investmentbanken ist schlecht. Nachdem das Geschäft mit neuen Aktienplatzierungen schon lange nicht mehr läuft, bricht jetzt auch noch das Geschäft mit neuen Unternehmensanleihen weg. Viele Unternehmen haben geplante Neuemissionen zurückgezogen.

FRANKFURT/M. Investmentbanker zeigen sich zwar auch in diesen Tagen schwer beschäftigt, doch "eigentlich räumen wir viel zu häufig unsere Schreibtische auf", sagt ein Banker, der für neue Unternehmensanleihen zuständig ist. Die Sommerflaute bei Emissionen hat in diesem Jahr die Banken besonders stark getroffen. Bei Aktienplatzierungen geht schon lange nicht mehr viel, doch jetzt trifft es auch das bislang noch einigermaßen laufende Geschäft mit neuen Anleihen. Dies war zuletzt die einzige Stütze des Investmentbanking.

Vor allem das Volumen bei neuen Unternehmensbonds brach im 3. Quartal ein. In Euro begaben Unternehmen gerade mal neue Bonds über knapp 20 Mrd. und damit nur ein Fünftel des Volumens im ersten Halbjahr. In den ersten drei Quartalen kamen laut Informationsanbieter Dealogic Unternehmensbonds in Euro über insgesamt 117,73 Mrd. auf den Markt. Das sind die erwarteten 25% weniger als im Rekordjahr 2001. Wenn aber die Flaute anhält, würde das die Banken empfindlich treffen. Diese hoffen indes, dass das Geschäft im Herbst wieder anzieht. Ein positives Signal war die Debüt-Anleihe der Deutschen Post Mitte September, die vierfach überzeichnet war. Andere Emittenten wie jüngst der Zementhersteller Lafarge, die italienische Molkereigruppe Parmalat oder Eléctricité de France zogen ankündigte Anleihen zurück.

Tröstlich ist nur, dass die Internationalen Anleiheemissionen insgesamt bislang laut Bloomberg nur um 10,5% auf 1,10 Bill.$ sanken. Der Anstieg der Emissionen von Banken, Versicherungen oder supranationalen Organisationen glich den Rückgang bei den neuen Unternehmensbonds zum Teil aus. Die Flaute bei Unternehmensanleihen erklären Experten mit der massiven Ausweitung von deren Renditeaufschlägen gegenüber vergleichbaren Staatsanleihen. "So etwas haben wir letztmals während der Russlandkrise und dem Zusammenbruch des Hedge-Funds LTCM im Jahr 1998 gesehen", betont Stefan Jaecklin von der Beratungsgesellschaft Oliver, Wyman & Company. Im Bereich der "Junkbonds", die keinen Investmentgrade nach der Messlatte der Ratingagenturen besitzen, sei der Renditeaufschlag um 2 auf 8 Prozentpunkte gestiegen. Auch bei als Investitionsklasse eingestuften Bonds kletterten die Aufschläge.

Anleger haben sich auf Staatsanleihen konzentriert

Auslöser waren die Pleiten und Betrügereien rund um Enron, Worldcom und andere Gesellschaften. Auch die anhaltenden Verluste am Aktienmarkt und die Angst vor einem Krieg gegen den Irak belasten das Geschäft mit Unternehmensbonds. Die Anleger hätten sich sowohl bei Neukäufen als auch im Handel auf Staatsanleihen konzentriert, sagt Jaecklin. Die Erträge im Geschäft der Banken mit den Kunden seien deshalb um etwa 15 bis 20% eingebrochen. So verwies selbst Lehman Brothers - immerhin auf Platz 5 bei Internationalen Anleiheemissionen - als Erklärung für das schwache Quartalsergebnis auf das rückläufige Bond-Emissionsgeschäft. Auch die Flaute bei Börsengängen traf Lehman empfindlich.

Denn bei Aktien-Neuemissionen sieht die Situation noch düsterer aus. Das weltweite Geschäft ging in den ersten neun Monaten laut Dealogic um 29% auf 244,45 Mrd.$ zurück. Belastend wirkten schwache Konjunkturdaten und ständig fallende Kurse an der Wall Street. Häufig wurden bereits angekündigte IPOs in letzter Minute mangels Anlegerinteresse zurückgezogen.

In Europa ging die Emissionstätigkeit um 58% zurück. Besonders betroffen war der deutsche Aktienmarkt. Gerade mal sieben Neuemissionen gab es in den ersten neun Monaten, davon mit der Immobilientochter Real Estate des US-Konzerns AIG und dem Windkraftanlagenbauer Repower nur zwei von größerer Bedeutung. 2001 waren bis Ende September bereits über 20 Unternehmen an die Börse gegangen. Damit schaffte Deutschland in diesem Jahr nur ein Fünftel im Vergleich zum erfolgreichsten europäischen IPO-Markt Frankreich. Die letzte erfolgreiche Emission gelang dem Freiburger Solarmodule-Hersteller Solar-Fabrik, der an den Geregelten Markt ging. Damit bestätigt sich die Tendenz, dass gerade Unternehmen aus dem Bereich regenerative Energie derzeit noch die besten Chancen für einen Börsengang haben.

Zu einer deutlichen Verschiebung kam es auch bei den Marktanteilen der Banken im IPO-Geschäft. In Deutschland fielen zum Beispiel einstmals große Player wie die DZ-Bank oder die Commerzbank kaum auf, während die Landesbank Baden-Württemberg sich das Mandat bei der bislang größten Emission AIG Real Estate angelte.

Das Aktien-Emissionsjahr 2002 haken die meisten Experten bereits ab. "Es würde mich schon sehr überraschen, wenn bis zum Jahresende noch etwas besonderes passieren würde", sagt Roland Welzbacher von Concord Effekten. Einige Investmentbanker rechneten damit, dass erst ab Herbst 2003 am deutschen Emissionsmarkt wieder Normalität einkehrt. Das hieße dann etwa 20 bis 40 Emissionen pro Jahr.

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