Investmentbanker sind enttäuscht
Fusionen und Übernahmen liefen in Deutschland schleppend

Besser hätten die letzten Monate des Jahres für die Investmentbanker kaum laufen können. Der Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) boomt. Auch das Geschäft mit Börsengängen hat sich im Jahr 2004 weltweit kräftig erholt. Doch es gibt einen entscheidenden Haken: An Deutschland ist der Aufschwung vorbeigegangen. Der heimische Markt hinkt im internationalen Vergleich deutlich hinterher.

Seit dem 1. Oktober haben Unternehmen weltweit 575 Milliarden Dollar in Übernahmen investiert, so viel wie seit dem zweiten Quartal des Boomjahres 2000 nicht mehr. Allein am Donnerstag der vergangenen Woche wurden 72 Transaktionen im Volumen von 59 Milliarden Dollar angekündigt, darunter die Übernahme von Guidant Corp. durch Johnson & Johnson für 25,4 Milliarden Dollar.

Im Gesamtjahr 2004 kam es nach Daten des Finanzinformationsanbieters Dealogic weltweit zu Übernahmen im Wert von 2,09 Billionen Dollar, nach 1,44 Billionen Dollar im Vorjahr. Angeheizt wird das M&A-Geschäft von der Erholung an den Aktienbörsen und dem weltweiten Wirtschaftswachstum. An der Wall Street ist der Standard & Poor?s- 500-Index auf den höchsten Stand seit August 2001 gestiegen. Mit geschätzten fünf Prozent wächst die Weltwirtschaft dieses Jahr so schnell wie seit dreißig Jahren nicht mehr.

Ganz anders sieht die Lage in Deutschland aus. Hier hinkt nicht nur die Konjunktur im internationalen Vergleich hinterher. Auch das M&A-Geschäft fiel noch einmal hinter das bereits schwache Vorjahr zurück. Das Volumen sank bis Ende November um neun Prozent auf 77 Milliarden Euro. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte brach das Geschäft ein, auch wenn jetzt durch das Kaufangebot der Deutschen Börse für den Londoner Konkurrenten LSE neue Hoffnung aufkeimt.

Kaum anders ist die Lage im Geschäft mit Börsengängen (IPOs). Voller Zuversicht waren Deutschlands Investmentbanker ins Jahr 2004 gestartet. Bis zu 20 Neuemissionen sollten die lange Flaute nach dem Platzen der Börsenblase beenden. Die Hoffnung trog. In den vergangenen zwölf Monaten fanden lediglich sechs deutsche Unternehmen den Weg auf das Börsenparkett. Nur zwei davon, die Postbank und Wincor Nixdorf, kamen auf ein nennenswertes Volumen. Dafür hagelte es Absagen, gleich fünf Kandidaten gaben ihre Börsenpläne auf.

Europaweit zählt Goldman Sachs dagegen immerhin 31 IPOs mit einem Volumen von jeweils mehr als 150 Millionen Euro. Weltweit stieg das Volumen im laufenden Jahr um 173 Prozent auf 135,5 Milliarden Dollar. Insgesamt wuchs das Volumen von Aktienemissionen, Wandelanleihen, Kapitalerhöhungen und Schnellplatzierungen von Aktienpaketen weltweit um 25 Prozent auf 564,8 Milliarden Dollar.

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