Investmentbranche verwaltet nur noch 401 Mrd. Euro in Publikumsfonds
Deutsche Anleger verkaufen Aktienfonds

Von Verkaufspanik kann keine Rede sein. Experten werten den moderaten Rückzug aus Aktienprodukten im März als Zeichen gestiegener Vorsicht. Parallel dazu werden Geldmarktfonds beliebter.

HB FRANKFURT/M. Das hat es seit vier Jahren nicht gegeben: Die deutschen Anleger verkaufen Aktienfonds. Im Monat März gaben sie netto Anteile im Gegenwert von 0,9 Mrd. Euro zurück. Zuletzt war im Dezember 1996 ein minimales Minus von 50 Millionen Mark registriert worden. Die aktuelle Zahl wird der BVI Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften - als Teil der Quartalsstatistik für die ersten drei Monate - erst in den nächsten Tagen vorlegen. Dem Handelsblatt liegt das Datenwerk bereits vor.

Bei unsicherer Börse ist Abwarten angesagt

Per saldo bleibt die Branche auf Wachstumskurs. Insgesamt flossen in den ersten drei Monaten 2001 netto 8,7 Mrd. Euro in Investmentfonds. Geldmarktfonds zogen mit 4,1 Milliarden Euro das Gros der Mittel auf sich. Auf Platz zwei rangieren Aktienfonds mit 3,6 Milliarden Euro. Sie sind weit entfernt vom Spitzenwert in der Börseneuphorie des ersten Quartals 2000.

"Die Verkäufe bei den Aktienfonds im März sind nicht signifikant hoch", warnt Udo Behrenwaldt vor Fehlinterpretationen. Der Chef zur Deutsche-Bank-Gruppe gehörigen Fondsgesellschaft DWS konstatiert lediglich eine gewisse Normalisierung, nachdem in den Vorquartalen trotz anhaltend trübem Börsenklima immer noch zugekauft worden sei - wenn auch mit nachlassender Dynamik. Behrenwaldt: "Die Anleger bleiben von der Aktie als langfristig überlegene Anlage überzeugt." Darauf deutet seiner Meinung nach auch die gestiegene Popularität der Geldmarktfonds hin, die in den vorherigen Quartalen unter Netto-Abflüssen gelitten hatten."Da wird Geld geparkt, mit dem Ziel, es später in Aktienfonds umzuschichten", vermutet auch Friedrich Pfeffer, Geschäftsführer der Commerzbank-Fondsgesellschaft Adig.

Die März-Daten fügen sich nahtlos in das Geschehen auf anderen Fondsmärkten. Für Februar hatten USA, Schweden und Großbritannien Netto-Abflüsse aus Aktienfonds gemeldet, nachdem Italien und Spanien schon vorher negative Daten gemeldet hatten. In USA sind die Verkäufe im März sogar auf über 15 Milliarden Dollar angeschwollen. Dass Rentenfonds trotz relativer Wertstabilität weiter auf ein Comeback warten müssen, wundert viele Experten nicht. Ihrer Meinung nach sind es die anhaltend niedrigen Renditen am Kapitalmarkt, die Anleger eher abschrecken. Auch für das erste Quartal weist die BVI-Statistik wieder Netto-Abflüsse aus, dieses Mal in Höhe von 0,9 Milliarden Euro.

Unbelastet steuern dagegen die noch jungen Dachfonds weiter Erfolgskurs - zumindest was die Verkäufe angeht. Im ersten Quartal wurden netto 4,2 Milliarden Euro abgesetzt. Der BVI weist die Zahlen für diese in Investmentfonds anlegenden Fondsprodukte zur Vermeidung von Doppelzählungen separat aus.

Auf Grund des anhaltend schlechten Aktienmarktklimas sank das in Publikumsfonds verwaltete Vermögen seit Jahresende 2000 von 423,6 auf 401,7 Milliarden Euro, ohne offene Immobilienfonds von 375,7 auf 353,3 Milliarden Euro.

Im Konkurrenzvergleich der Anbieter punktet die DWS jetzt wieder. In den früheren Quartalen hatte Deutschlands größte Fondsgesellschaft sukzessive Marktanteile verloren, insbesondere an die Sparkassen-Investmentgesellschaft Deka und die zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörige Union Investment.

DWS baut Vorsprung zu Verfolger wieder aus

In den ersten drei Monaten weist die DWS jedoch Netto-Mittelzuflüsse von 2,7 Milliarden Euro aus (ohne offene Immobilienfonds) - mehr als jeder Konkurrent. Gründe sind insbesondere die starke Marktstellung der Deutsche-Bank-Gesellschaft bei den Geldmarktfonds und die Netto-Käufe bei einigen ausgewählten Aktienfonds. Deka und Union kommen auf geringere Zuflüsse von 1,0 bzw. 2,3 Milliarden Euro. Dank eines verwalteten Fondsvolumens von 80,8 Milliarden Euro baut die DWS ihren Marktanteilsvorsprung gegenüber der Deka mit 70,1 Milliarden Euro wieder auf 3,1 Prozentpunkte aus (22,9 % zu 19,8 %).

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