Investmentfonds
Gesucht: Die optimale Mischung

Panik in der Krise ist Gift für das Fondsvermögen. Anleger sollten daher Ruhe bewahren und ihr Kapital mit der richtigen Strategie sichern.

Der Geduldsfaden ist gerissen. Zu lange haben deutsche Fondsanleger mitansehen müssen, wie die Baisse ihr Kapital verzehrte. Jetzt ziehen sie die Reißleine und verkaufen ihre Anteile. Im desaströsen dritten Quartal 2002 zogen sie unter dem Strich knapp zwei Milliarden Euro aus ihren Aktienfonds. Wer jetzt noch ein paar Euro übrig hat, der steckt sie in vergleichsweise sichere Geldmarkt- oder Immobilienfonds. Sicherheit zuerst - nur keine weiteren Verluste, heißt die Devise. Die kurze und heftige Erholung im Oktober schuf bei den Anlegern noch kein ausreichendes Vertrauen in die Börse.

"Eindeutig prozyklisches Verhalten", diagnostiziert Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer des Researchunternehmens Fondsconsult in München. Im Jahr 2000, als die Hausse auf ihrem Zenit war, schraubten die Anleger die Aktienfondsquote noch bis zum Anschlag hoch. Geldmarktfonds waren dagegen vergleichsweise unbeliebt. Das Segment musste noch im vierten Quartal 2000 - als die Börse bereits gedreht hatte - Mittelabflüsse in Milliardenhöhe hinnehmen.

Das hektische Umschichten 2002 in die andere Richtung ist nicht allein der Panik unter Privatanlegern zuzuschreiben. Matthias Schmidt, Leiter Produktmanagement beim Direktbroker Consors, macht auch die Berater von Banken und Sparkassen verantwortlich: "Die haben ihren Kunden in der Baisse pauschal zum Umstieg etwa in Immobilienfonds geraten, ohne die individuelle Struktur des Depots zu berücksichtigen."

Marktbeobachter Sälzle rät Anlegern zu langfristigen Strategien, statt von einem Extrem ins andere zu verfallen: "Sonst besteht die Gefahr, immer den Börsentrends hinterherzulaufen." Die drei Bausteine einer erfolgreichenFondsanlage im schwierigen Marktumfeld: Geld richtig parken, Risiken streuen, dann Vermögen aufbauen.

Parken

Neue Strategien lassen sich angesichts der Kurssprünge an den Märkten nicht über Nacht umsetzen. Vor einem frischem Investment gilt es zunächst zu bewahren, was die Baisse übrig gelassen hat. Vernünftige Zinsen für freies Kapital bieten Tagesgeldkonten und Geldmarktfonds.

Noch haben die Tagesgeldanbieter bei den Zinsen die Nase vorn. Mit mehr als vier Prozent pro Jahr locken vor allem Direktbanken verängstigte Aktionäre und Fondsanteilseigner. Das Gros der Tagesgeldanbieter hat sich allerdings in der Zinshöhe den Renditen der Geldmarktfonds angenähert. Die liegen bei den Topangeboten im Jahresvergleich zwischen 3,3 und 3,7 Prozent.

Der direkte Vergleich zwischen Geldmarktfonds und Tagesgeldkonto hinkt allerdings. Beim Fonds fallen neben den in der Performance bereits rausgerechneten Managementgebühren zum Teil zusätzlich Ausgabeaufschläge und Depotkosten an. Tagesgeldkonten sind dagegen in der Regel kostenlos. "Wir halten dieses Produkt daher für transparenter als die Geldmarktfonds", sagt Claus Meyer, Marketingdirektor Santander Direkt Bank. Santander hat im Juli 1999 Geldmarktfonds aus dem Angebot gestrichen.

Wer beim Tagesgeld in den Genuss des Spitzenzinses kommen will, muss bei vielen Anbietern mindestens 10000 oder 20000 Euro mitbringen. Bei der Einlagensicherung knausern dagegen einige in- und ausländische Anbieter. Höchstens 20000 Euro sind abgesichert. Mit Geldmarktfonds hingegen lassen sich auch sechsstellige Beträge sicher parken.

Renditestärkster Euro-Geldmarktfonds der vergangenen drei Jahre war der 881 Millionen Euro schwere DB Funds Euro Garant (WKN971830). Der Wertzuwachs lag bei durchschnittlich vier Prozent, was der Ratingagentur Morningstar vier von fünf möglichen Sternen wert war. Der DWS-Fonds investiert in Papiere mit einer Restlaufzeit von sechs Monaten. Halbjährlich wird ein Mindestgarantiewert für den Fondsanteil festgelegt. Gleichauf mit dem Spitzenreiter folgt mit vier Prozent der Deka-Flex: Euro A (WKN 971712), knapp dahinter liegt der UniEuroLiquid, der im Schnitt um 3,9 Prozent zulegte.

Im Kostenvergleich schneidet der auf sehr kurzfristige Papiere spezialisierte SEB Invest Money Market (WKN 976915) am besten ab. Anleger zahlen keinen Ausgabeaufschlag, die Verwaltungsgebühr beträgt nur 0,2 Prozent pro Jahr. Beim Topperformer DBFunds Euro Garant schlagen dagegen ein Aufgeld von einem Prozent und eine Managementvergütung von 0,5 Prozent jährlich zu Buche. Allerdings erfordert der SEB-Fonds als Mindestbetrag 20000 Euro. Bei den Produkten von Deka, DWS, Union Investment und Activest gibt es entweder keine oder sehr viel geringere Einstiegslimits.

Streuen

Alles auf die Karte Cash zu setzen, wäre sicher auch für konservative Hardliner nicht der richtige Weg. Langfristige Renditechancen aus Aktien und Rentenpapieren sollten Anleger trotz der derzeitigen Börsenlage nicht außer Acht lassen. Mit einer der eigenen Risikobereitschaft angemessenen Mischung aus verschiedenen Fondstypen lassen sich die Hochs und Tiefs der Börse am besten nutzen oder abfedern.

"An dieser Stelle muss qualifizierte und unabhängige Beratung einsetzen", fordert Kai Wiecking, Fondsanalyst bei Morningstar. Davon gebe es in Deutschland leider noch zu wenig. Insbesondere die Analyse des Risikotyps werde nach Wieckings Erfahrung zu nachlässig betrieben und mehr von der allgemeinen Börsenlage als von der Person des Anlegers abhängig gemacht.

Die Marketingstrategen der Fondsindustrie stellen naturgemäß die Chancen ihrer Produkte in den Vordergrund. Für die optimale Struktur eines Fondsdepots ist jedoch die Risikoneigung eines Anlegers entscheidend. Aktienfonds können in mauen Börsenzeiten 50 Prozent und mehr ihres Wertes verlieren. Wer weniger riskieren will, sollte den Anteil risikoärmerer Renten-, Immobilien- und Geldmarktfonds nicht zu klein wählen. Die werfen zwar weniger Rendite ab, halten den Gesamtverlust des Depots aber in Grenzen.

Sobald sich der Anlager im Klaren ist über seine Risikobereitschaft und den daraus folgenden Depotaufbau, lässt sich anhand von Ratings die Auswahl an Fonds eingrenzen. "Umgekehrt vorzugehen wäre fahrlässig", warnt Wiecking. Auch eine Auswahl an Topperformern kann am Bedarf vorbeigehen, wenn etwa das Gesamtrisiko zu hoch ist.

Der Morningstar-Fondsanalyst empfiehlt nicht nur Einsteigern, sondern auch bereits leidgeprüften Fondsanlegern eine Risikoanalyse. Viele Depots sind nach Wieckings Erfahrung immer noch zu aktien- und vor allem technologielastig. Sie entsprechen damit oft nicht der eigentlichen Risikoneigung des Portfolioinhabers.

Um zu überprüfen, wie es um das eigene Fondsdepot bestellt ist, kommen Anleger nicht um einen gründlichen Check herum. Dabei sind folgende Schritte zu beachten:

  • Bestandsaufnahme:

    Alle Fondsanteile sind in die Segmente Aktien, Renten, Immobilien und Geldmarkt einzuordnen. Gemäß ihrem aktuellen Wert lassen sich die Anteile am Gesamtdepot errechnen. In einem zweiten Schritt besteht die Möglichkeit, die Fonds innerhalb der großen Kategorien in Untergruppen zu separieren. Bei Aktienfonds beispielsweise bietet es sich an, die Anteile nach Regionen wie Europa oder Nordamerika sowie nach Branchen wie Biotechnologie oder Telekommunikation zu unterscheiden. Je enger das Anlageuniversum des Fonds, desto höher ist das Verlustrisiko anzusetzen.
  • Fehleranalyse:

    Im Vergleich der Ergebnisse aus der Bestandsaufnahme mit den Vorgaben aus dem Risikoprofil treten die gröbsten Mängel zutage; wenn etwa der Aktienfondsanteil statt - wie dem Anlegertyp angemessen - 50 Prozent in der Praxis 70 Prozent beträgt. Wer in die Analyse der Untergruppen einsteigt, entdeckt beispielsweise, dass eine Anlageregion mehrfach oder gar nicht abgedeckt ist. Ebenfalls bedenklich ist es, wenn der Anteil marktenger Produkte innerhalb des Fondsdepots mehr als 20 Prozent beträgt. Selbst Fonds, die von ihrer Struktur zum Risikotyp passen, können im Depot fehl am Platze sein, wenn die Performance zu wünschen übrig lässt. Ratings helfen, diese Verlustbringer zu entlarven.
  • Umbau:

    Angeschlagene Produkte wie riskante Technologiefonds sollten sofort raus, da sie ihre Verluste in absehbarer Zeit kaum noch ausgleichen werden. Mittelfristig sind Lücken und Übergewichte im Depot abzubauen. Dabei empfiehlt es sich, schrittweise vorzugehen. Wer neue Investments über mehrere günstige Einstiegszeitpunkte verteilt, reduziert sein Verlustrisiko deutlich.



Der bequemste Weg ist dabei ein Fondssparplan. Mit ihm lässt sich der so genannte Cost-Average-Effekt nutzen, durch den Anleger in der Baisse viele Anteile günstig einkaufen und in der Hausse weniger, relativ teure Anteile erwerben. Der durchschnittliche Einstandspreis ist so niedriger als bei sporadischen Einmalanlagen. Für die Auswahl der einzelnen Fonds gilt: Um sich keine Eintagsfliegen ins Depot zu holen, empfiehlt es sich, ähnlich strukturierte Produkte über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren zu vergleichen.

Aufbauen

Insbesondere der letzte Schritt des Depotchecks stellt Anleger vor eine schwierige Aufgabe. Für die Fondsauswahl stehen ihm nur Daten aus der Vergangenheit zur Verfügung. Er kann also nur Prognosen darüber anstellen, mit welcher Wahrscheinlichkeit der betreffende Fondsmanager die guten Ergebnisse vergangener Jahre auch in Zukunft erbringt.

Da sich Hausse und Baisse in unregelmäßigen Abständen ablösen, ist eine gute Performance über einen Zeitraum von etwa einem Jahr für sich genommen noch kein Indikator für ein langfristig lohnendes Investment. Technologielastige Fonds, die Ende der Neunzigerjahre durch die Decke schossen, landen heute unter ferner liefen. "Nur Fondsmanager, die sowohl im Bullen- als auch im Bärenmarkt Erfolg haben, sind erste Wahl", sagt Fondsconsult-Chef Sälzle.

Die WirtschaftsWoche hat daher in Zusammenarbeit mit den Researchspezialisten von Feri Trust die drei wichtigsten Fondssegmente Aktien International, Europa und Deutschland über die vergangenen fünf Jahre unter die Lupe genommen. Neben der nackten Performance stand auch das Verhältnis von Anlagerisiko und Mehrertrag gegenüber dem jeweiligen Vergleichsindex (Information Ratio) im Mittelpunkt. Eine niedrige Information Ratio entlarvt somit Vermögensverwalter, die mit hohem Risiko einen allenfalls kurzfristigen Erfolg erzielen. Der würde sich in der nächsten Krise mit hoher Wahrscheinlichkeit als Strohfeuer herausstellen. Ein hoher Wert dagegen belegt erfolgreiches aktives Management ohne übermäßiges Risiko.

Die höchste Information Ratio mit dem Wert 1,7 erzielte der international investierende Franklin Mutual Beacon (WKN986459). Das Fondsmanagertrio David Winters, Matt Haynes und Anne Gudefin setzt vor allem auf Substanzwerte wie Berkshire Hathaway, Danone oder British American Tabacco. Mit dieser Value-Strategie fuhr der Fonds in den vergangenen Jahren ein stabiles durchschnittliches Wachstum von jährlich 6,3 Prozent (drei Jahre) und 6,4 Prozent (fünf Jahre) ein. Mit 15,5 Prozent blieben die Verluste in der Jahresabrechnung vergleichsweise niedrig.

Noch glimpflicher kamen Anleger davon, die in den Fidelity European Growth (WKN 973270) investierten. Sie verloren in den vergangenen zwölf Monaten nur 11,6 Prozent. Mit einer Information Ratio von 1,6 landete der europäische Blue-Chip-Fonds auf dem zweiten Platz. Die gegenüber dem Franklin-Fonds etwas offensivere Strategie bescherte Fondsmanager Anthony Bolton im Fünfjahresvergleich ein Plus von durchschnittlich 8,1 Prozent.

Die Erfolgsstory des Fidelity-Fonds hat leider einen Schönheitsfehler: Altmeister Bolton hört zum Jahresende auf. Und ob sein Nachfolger das hohe Niveau halten kann, steht noch in den Sternen.

Quelle: Wirtschaftswoche

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