Investmentgesellschaften erhöhen die Managementgebühren
Fonds bitten Anleger stärker zur Kasse

Ausgabeaufschläge stehen im Blickpunkt, wenn es um Kosten von Investmentfonds geht. Auf lange Sicht schlagen die regelmäßigen Belastungen aber stärker zu Buche. Während die einmaligen Kaufgebühren seit längerem sinken, dürften sich die Jahressätze diesem Trend erst in einigen Jahren anschließen.

FRANKFURT/M. Das bekommen Anleger kaum mit: Die Kapitalanlagegesellschaften drehen seit etwa zwei Jahren an der Gebührenschraube. Sie nutzen einen erweiterten gesetzlichen Spielraum, um den verstärkten Kostendruck abzufedern und um im Kampf mit Konkurrenten bestehen zu können. Es geht um die Managementgebühr, die die Aufwendungen für das Management der Fondsgelder abgelten soll. Es handelt sich um eine prozentual fixierte Jahresgebühr, die dem Fondsvermögen in der Regel quartalsweise anteilig belastet wird.

Eine Nachfrage des Handelsblattes bei den sechs führenden deutschen Kapitalanlagegesellschaften ergab, dass in den vergangenen zwei Jahren bei rund 130 Produkten die genannte Gebühr erhöht wurde. In der Regel liegen die Veränderungen bei Aktienfonds in der Größenordnung von 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten, bei Rentenfonds eher darunter. Seltener sind Erhöhungen wie beim DWS Emerging Markets für Schwellenbörsenaktien (von 0,8 auf 1,5 %) - wobei die Deutsche-Bank-Gesellschaft DWS nur in diesem einen Fall die Gebührenschraube anzog.

Die Investmentgesellschaften rechtfertigen die Erhöhungen insbesondere mit gestiegenen Kosten. So meint Horst Eich, Investment Director bei der Dresdner-Bank-Fondsgesellschaft DIT: "Die Aufwendungen für Research steigen; Unternehmensbesuche werden häufiger; Investment- und Controllingprozesse verlangen heute mehr Ressourceneinsatz; durch den gestiegenen Wettbewerb gehen die Marketingausgaben nach oben." Immens ins Gewicht fielen die Kosten für Technologie. "Der Kunde erwartet heute, möglichst an jedem Ort und über jedes Medium seine Transaktionen abwickeln zu können - über jede Bank, das Internet, Wap und Telefon", betont er.

Insbesondere die Aufwendungen früh lancierter Produkte passen nicht mehr ins aktuelle Kostenumfeld. So setzte die Commerzbank-Gesellschaft Adig die Vergütung ihres schon 1958 aufgelegten deutschen Aktienfonds Adifonds von 0,60 auf 0,90 % herauf.

Eintrittsgeld öffnet den Weg in die Filiale

Neben gestiegenen Kosten scheint der Kampf um Vertriebswege eine große Rolle für Erhöhungen von Managementgebühren bei schon bestehenden Produkten zu spielen - bei neuen Fonds sind sie ohnehin an das veränderte Umfeld angepasst. Ein Adig-Vertreter redet von "stärkerer Flexibilität in der Provisionierung gegenüber den Partnern im Drittvertrieb." Bei einer führenden deutschen Kapitalanlagegesellschaft redet man Klartext: "Es ist das Um-sich-schlagen eines Ertrinkenden". Sogar der Großteil der Erhöhungen sei dem Kampf um Vertriebswege zuzuschreiben.

Vor allem ausländische Fondsgesellschaften ohne deutsche Verkaufs-Stützpunkte wären im Vorteil, wenn sie deutschen Bankfilialen, Volksbanken oder Sparkassen attraktive Offerten machten. Sie könnten für die Aufnahme ihrer Fonds in das eigene Angebot leicht die Hälfte der Managementgebühr als "Eintrittsgeld" zahlen. Grund: "Den Ausländern fällt das leicht, weil sie meist höhere Sätze verlangen, so dass sie auch mehr davon abzwacken können." Wenn die Filiale beim Verkauf der hauseigenen Produkte weniger erhalte, sei der Anreiz zum Verkauf der fremden Fonds eben höher.

Die heimischen Fondsgesellschaften können die Gebühren erst seit Inkrafttreten des Dritten Finanzmarktförderungsgesetzes 1998 ohne Genehmigung durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) erhöhen. Erhöhungen kamen vorher praktisch nicht vor. Thomas Neumann vom BAKred zur veränderten Lage: "Nur bei Wucherpreisen werden wir eingreifen."

Kostenentlastungen aus mehreren Richtungen

Die Entwicklungen mögen dem Anleger auf den ersten Blick Sorge bereiten, denn erhöhte Gebühren schlagen sich in geringeren Wertzuwächsen nieder. Immerhin bleiben bei einem angenommenen Plus von jährlich 10 % für ein Investment von 10 000 bei 0,5 % p.a. Managementgebühr nach 20 Jahren rund 61 000 übrig. Bei 1,5 % p.a. wären es nur etwa 51 000.

Kostenentlastungen kommen dabei aus mehreren Richtungen. Seit längerem ist der Konkurrenzkampf der Fondsanbieter über den Ausgabeaufschlag offensichtlich. Die Aufschläge sinken tendenziell. Außerdem locken Direktbanken mit Abschlägen auf diese einmalige Kaufgebühr, die bei Aktienfonds jetzt im Schnitt etwa 4 % beträgt.

Zudem dürften die Managementgebühren in einigen Jahren ebenfalls den Weg nach unten antreten. Dann werden Fondsverkäufer die Produkte vieler Anbieter in ihren Regalen haben: Wenn der Zugang zu Vertriebskanälen kein Engpass mehr ist, kann sich der Konkurrenzkampf auch auf die laufenden Gebühren ausdehnen.

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