Investmentgesellschaften planen für Prime und Domestic Standard
Fonds richten sich auf neue Börsensegmente ein

Auch wenn noch unklar ist, wie die neuen Segmente aussehen sollen, die die Deutsche Börse ab dem kommenden Jahr plant, hat bei Fondsgesellschaften und auch den gelisteten Unternehmen bereits die Neuorientierung begonnen.

FRANKFURT/M. Die Aussagen sind eindeutig: Während die Fondsgesellschaften unisono die Neuausrichtung als Möglichkeit zur Verbesserung von Glaubwürdigkeit und Reputation begrüßen, herrscht gerade bei den kleineren bisher im Nemax All Share und im Smax gelisteten Werten Verunsicherung. Am Donnerstag hatte die Deutsche Börse ihre Pläne einer Neusegmentierung in einen Prime Standard mit strengen internationalen Anforderungen und einen Domestic Standard mit nationalen gesetzlichen Mindestanforderungen bekannt gegeben.

Die Fondsgesellschaften versprechen sich von der künftigen Zweiteilung positive Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Auch dass der Name Neuer Markt verschwindet, stößt hie und da auf Zustimmung. "Das ist ein guter Neuanfang. Früher musste für das Segment ein Premiumaufschlag bezahlt werden, zuletzt wirkte es wie ein Makel", so Ralf Walter von der Fondsgesellschaft Adig. Nun hofft er auf eine Marktbereinigung. Kleinere, ver- lustreiche Unternehmen werden im neuen Prime Segment kaum noch vertreten sein, so seine Einschätzung. Hingegen sieht er gespannt der künftige Neuausrichtung der Fonds entgegen. Er könne sich gut vorstellen, dass künftig auch eine Jenoptik oder eine Wedeco im Auswahlindex des Technologiebereichs gelistet sein wird.

Mit einer gewissen Gelassenheit harrt auch Jochen Mathée von Invesco der Dinge, die da kommen. Man werde sich eventuell Gedanken machen müssen über veränderte Namen und Inhalte einzelner Fonds, sieht hier aber auch in erster Linie einen Chance. Der Vorteil von Fondsmanagern im Small- und Midcap-Bereich sei sowieso, dass sie zumeist Stock-Picking betreiben und nicht anhand der Benchmark einen Index nachbilden. Von wesentlich größerer Bedeutung ist deshalb die künftige Index-Gestaltung für so genannte passiv gemanagte Fonds. Keine dieser Gesellschaften wollte sich zum Wochenende wegen der noch zu großen Unsicherheiten an Anforderungen und Zusammensetzung der Indizes offiziell äußern. "Wir wollen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen", so ein Fondsmanager.

Rating-Initiative im Kommen

Hingegen nimmt die Idee eines generellen Ratings zum Jahreswechsel Konturen an. Die Hamburger SES Research will - wie schon seit Wochen im Gespräch - ein Rating des fundamentalen Risikos aller derzeit am Neuen Markt gelisteten Unternehmen einführen. "Die Rating-Initiative kann wie geplant umgesetzt werden", hieß es.

Gegensätzliche Auffassungen gibt es darüber, wie viele der derzeit am Neuen Markt gelisteten Unternehmen den Weg in das neue Technologiesegment des Prime Standard antreten werden. Während man bei SES Research davon ausgeht, dass der Neue Markt wegen der nahezu identischen Anforderungen geschlossen dort aufgehen wird, schließt dies Ralf Walter kategorisch aus. Er hält die Einführung des Domestic Standard für eine elegante und billige Auffanglösung für kleine, verlustreiche Unternehmen, die sich bisher noch am Neuen Markt tummeln. Nun habe man eine Möglichkeit geschaffen, dass solche Unternehmen erhobenen Hauptes in ein billigeres Segment wechseln können, sagt Walter.

Von den Unternehmen kamen unterschiedliche Aussagen, welches Segment sie künftig anstreben. "Wenn wir nicht in den Prime Standard wollten, müssten wir uns die generelle Frage nach einem Börsenlisting stellen", so eine Sprecherin der Karlsruher Group Technologies, die im ersten Halbjahr einen Verlust von 1,4 Mill. Euro schrieb und deren Aktie am Freitag bei 0,43 Euro notierte. Anders sieht man die Lage bei der Rimparer BIS AG. "Die Kosten im Prime Standard sind ein klares Argument für den Domestic Standard", so eine Sprecherin. Zurzeit werde eifrig diskutiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%