Investmenthäuser kreieren standardisierte Terminkontrakte für jedermann
Banken sehen ein riesiges Potenzial für Mini-Futures

Während das Volumen an den Aktienmärkten drastisch eingebrochen ist, eilen die Derivatebörsen von einem Umsatzrekord zum nächsten. Einen Nachfrageboom erleben insbesondere Futures-Kontrakte auf Anleihen und Aktien.

Vor allem institutionelle Anleger nutzen Futures - standardisierte Terminkontrakte - für kurzfristige Engagements und Absicherungsgeschäfte. Dem deutschen Privatanleger bleibt der Futures-Markt allerdings weitestgehend versperrt.

Einerseits bieten nur wenige Banken den Futures-Handel zu günstigen Konditionen an, andererseits schrecken viele Anleger vor den Kontraktgrößen und der Nachschusspflicht zurück. Um Dax-Futures zu handeln, müssen in der Regel mindestens 10 000 als Einschuss hinterlegt werden. Mit einem Kontrakt bewegt der Anleger allerdings nicht einen Dax, sondern 25-mal den Dax. Jeder Punkt im Dax entspricht 25. Bei einem Dax von 3 000 Punkten bewegt der Anleger einen Dax-Future im Wert von 75 000 . Bei dieser Größenordnung ist ein geeignetes Risikomanagement nur noch Institutionellen möglich. Das Gros der Privatanleger ist meist schon mit einem Dax-Kontrakt überinvestiert. Hauptakteure an Derivatebörsen sind Institutionelle. An verschiedenen Derivatemärkten Europas verlief die Entwicklung anders. So ist in den Niederlanden und Schweden das Handeln lokaler Aktienindex-Futures weit verbreitet. Doch auch in diesen Ländern trifft der Privatanleger auf eine Vielzahl von Schwierigkeiten, wenn er dieses Instrumente in ausländischen Märkten nutzen will.

Selbst wenn es in Deutschland zur Einführung eines Dax-Mini-Futures kommen sollte, werden die nicht verfügbare Abwicklungs-Infrastruktur der meisten Intermediäre und das nach wie vor ungenügende rechtliche Umfeld eine schnelle Verbreitung behindern. Die Entwicklung der europäischen Warrant- Märkte ist diesbezüglich ein guter inverser Indikator, wie leicht der jeweilige Terminmarkt dem Privatanleger zugänglich ist. Doch sind es wirklich immer Warrants, die Privatanleger suchen, wenn ihnen der Weg an den Terminmarkt versperrt bleibt?

Diese Frage stellten sich Banker im Herbst 2001. Sie kamen zu dem Schluss, dass zahlreiche Privatanleger Optionsscheine oft mangels verbriefter "gehebelter Alternativen" handeln. Die Entwicklung von Turbo-Zertifikaten gaben dieser Analyse recht. Inzwischen hat das gehandelte Volumen in "Hebelzertifikaten" den Warrant-Markt überflügelt. Mini-Future-Zertifikate sind die konsequente Weiterentwicklung von Turbo-und Short-Zertifikaten. Sie ermöglichen wie Hebelzertifikate der ersten Generation jedem Anleger, seinen Kapitaleinschuss durch die Wahl des Basispreises und die geringe Kontraktgröße selbst zu definieren. Die Funktionsweise von Mini-Future-Zertifikaten lässt sich am einfachsten vor dem Hintergrund eines klassischen Indexzertifikates erklären. Während der Anleger bei einem Indexzertifikat den gesamten Index bezahlt, um an der Indexbewegung zu partizipieren, kontrolliert der Anleger bei einem Mini-Future-Zertifikat den Index nur mit einem geringen Kapitaleinsatz und definiert dadurch den jeweiligen Finanzierungslevel. Einen Basispreis im herkömmlichen Sinne gibt es nicht. Das Finanzierungslevel dient nur als rechnerische Referenz zur Berechnung der Finanzierungskosten, die dem Kapitaleinsatz, d.h. dem Zertifikatepreis, täglich belastet werden (Mini Longs) bzw. gutgeschrieben werden (Mini Shorts). Wie beim traditionellen Futurekontrakt wird jede Bewegung des Index dieser Zertifikate im Verhältnis von 1 : 1 nachvollzogen. Mini-Future-Zertifikate gibt es in einer Long- und einer Short-Variante.

Dem konvertierten Optionsscheinanleger bieten diese Zertifikate mehr Transparenz, indem sie die Volatilitätskomponente aussparen. Aber auch dem klassischen Futures-Investor eröffnen sich so neben der kleineren Stückelung weitere Vorteile. Im Gegensatz zu Futures weisen diese-Zertifikate ein definiertes Risikoprofil auf. Das Risiko ist auf den Kapitaleinsatz - den Preis des Zertifikats - begrenzt. Eine Nachschusspflicht gibt es nicht.

Die Stop-Loss-Marke definiert den Mindestkapitaleinsatz. Sobald der Index die Stop-Loss-Marke erreicht, stellt ABN Amro die Position im Basiswert glatt. Das Zertifikat wird dann zum Restwert endfällig gestellt. Mini-Future-Zertifikate haben keine fixierte Laufzeit. Das Rollen des Futures, d.h. der Wechsel in den nächsten Laufzeittermin, entfällt. Durch die Kombination von Wertpapier und Funktionalität eines Futures schließen Mini-Future- Zertifikate eine Lücke im deutschen Derivate-Markt. Ein Beweis dafür ist die überragende Resonanz der Anleger. Innerhalb von nur wenigen Tagen wurden Mini-Future-Zertifikate zu den meistgehandelten Zertifikaten an der Stuttgarter Euwax.

Dr. Stephan Kunze und Stefan Gresse sind bei der ABN Amro im Bereich strukturierte Aktienprodukte tätig.

Quelle: Handelsblatt

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