Investmenthäuser lehnen Detail-Regeln zur Geld-zurück-Garantie ab – Hohe Kosten für Anleger befürchtet
Neuer Streit um die Riester-Fonds

Anleger sollen für die geförderte Riester-Rente die Wahl zwischen Fonds und Versicherungen haben. Neue Aufsichtsregeln für Fonds könnten aber Investmentanteile unattraktiv machen, befürchtet die Branche.

DÜSSELDORF. Für Versicherungen und Fondsanbieter haben es die Details der Riesterförderung in sich. Vor allem die Umsetzung der geforderten Garantie, dass am Ende der Laufzeit der Anleger zumindest seine eingezahlten Beiträge herausbekommen soll, bereitet der Fondsbranche Kopfschmerzen. Ein Vorschlag des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BAKred) darüber, wie Fonds dieses Leistungsversprechen absichern sollen, sorgt jetzt für Aufregung. "Die Vorschläge können dazu führen, dass die Riester-Fonds für den Anleger uninteressant werden", meint Herwig Kinzler, Finanzexperte bei der Beratungsgesellschaft Tillinghast-Towers Perrin. "Diese Regeln sind so restriktiv, dass wir uns überlegen,ob wir überhaupt ein Produkt auf den Markt bringen sollen", sagt Josef Wild, Sprecher der Fondsgesellschaft Adig.

Darum geht es: Der BAKred-Vorschlag sieht vor, dass Investmentgesellschaften für die Geld-zurück-Garantie die Anleger-Beiträge nach bestimmten Regeln mit Eigenkapital absichern müssen. Wie hoch diese für Fondshäuser teure Eigenkapitalbindung ist, hängt ab von den Faktoren Restlaufzeit der Verträge, Risiko des Fonds und dem Verhältnis aus Depotwert zu den eingezahlten Beiträgen. Die Bindung von Eigenkapital ist aber nicht erst dann vorgesehen, wenn die Fondsanteile des Anlegers weniger Wert sind als seine eingezahlten Beiträge. "Nach unseren Vorstellungen muss der Depotwert grundsätzlich über dem Wert der Beiträge liegen", erläutert Peter Lutz, der beim BAKred das Modell entwickelt hat. Sogar wenn die Fondsanteile mehr wert sind als die eingezahlten Beiträge, müssen Anbieter nach seiner Formel, die das Risiko der Anlage berücksichtigt, noch einen Teil der Spargelder absichern. Beispiel: Bei einem Sparvertrag mit 20 Jahren Restlaufzeit für einen Standardwerte-Fonds kann der Anbieter dann erst auf die Eigenkapitalunterlegung der Beiträge verzichten, wenn die Fondsanteile 18 % mehr wert sind als die Beiträge.

Dagegen läuft die Branche Sturm. "Diese Überdeckung führt dazu, dass Fonds nicht erst zum Ende der Laufzeit die Beiträge garantieren müssen, sondern zu jedem Zeitpunkt", bemängelt Rudolf Siebel, Leiter der Grundsatzabteilung beim BVI Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften.

Die Folgen für Anleger: "Entweder, die Fonds fahren eine extrem konservative Anlagepolitik, um stets die Überdeckung zu gewährleisten - das kostet Rendite", erklärt Tillinghast-Experte Kienzler, "wenn Fonds aber in chancenreichere und damit kurzfristig schwankungsanfälligere Anlegeformen investieren, müssen sie stets Eigenkapitel für die Absicherung binden. Die dadurch entstehenden Kosten könnten Investmenthäuser versuchen, auf die Sparer abzuwälzen."

"Sollten die Regeln so bleiben, werden wohl hauptsächlich sicherere Produkte wie Immobilien- oder Rentenfonds angeboten", meint BVI-Experte Siebel. Das würde aber dem erklärten Ziel der Riester-Reform zuwiderlaufen, Anlegern das staatlich geförderte Aktiensparen für die Altersvorsorge zu ermöglichen. Hinzu käme, dass Geschäftsführer kleinerer Fondshäuser bereits angekündigt hätten, mit diesen Regeln gar nicht in das Riester-Geschäft einzusteigen. Die Folge: Weniger Wettbewerb, weniger Auswahl.

Lutz verteidigt seine Formel: "Die Polster sind notwendig, um in Zukunft die eingegangen Verpflichtungen leisten zu können." Zudem müssten Fondshäuser maximal 8 % der Beiträge mit Eigenkapital absichern.

Die Fondsbranche setzt auf die Gesprächsbereitschaft der Aufsicht. "Ich bin zuversichtlich, dass Anleger echte Wahlfreiheit bekommen", hofft Adig-Sprecher Wild.

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