Investmentidee
Anleger übersehen OMV

Die Erwartung ist klar: Hohe Ölpreise sind gut für Ölkonzerne. Tatsächlich korrelierte der Aktienkurs des österreichischen Ölunternehmens OMV lange Zeit ziemlich genau mit dem Ölpreis. Seit etwa einem Jahr ist dies aber nicht mehr der Fall. Analysten sehen noch Aufholpotenzial. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

FRANKFURT. Der Ölpreis hat sich seit Juli 2007 fast verdoppelt. Das OMV-Papier hingegen hat heute denselben Preis wie damals: rund 47 Euro. Auch die Aktienkurse von BP, Shell oder Exxon hat die Ölpreisrally nicht beflügelt. "Viele Anleger sind skeptisch, ob der Ölpreis langfristig so hoch bleibt", erklärt Gregor Kirstein, Analyst von Sal. Oppenheim. Genau davon geht er jedoch aus. Philipp Chladek, Analyst bei der Raiffeisen Centrobank, pflichtet ihm bei: "Ich denke nicht, dass der Ölpreis wieder unter 100 Dollar sinken wird."

Dazu ist die Ölnachfrage einfach zu hoch. In Schwellenländern wie China und Indien wächst der Hunger nach dem schwarzen Gold. Und die Industrieländer tun sich schwer mit dem Energiesparen. "Früher dachte man, dann weiten wir eben die Ölproduktion aus. Jetzt merkt man, dass es da doch Grenzen gibt", sagt Chladek. "Ölfelder, bei denen man mit wenig Aufwand große Mengen zutage fördern kann, gibt es nicht mehr." Weitere Reserven seien höchstens in großer Tiefe und mit komplizierter Technologie zu erschließen.

Die Raiffeisen Centrobank hat das Preisziel für die OMV-Titel von 57 auf 67 Euro angehoben. Die Analysten von Sal. Oppenheim sehen den fairen Wert der Aktie bei 60 Euro. Auf Basis des von ihnen erwarteten Gewinns liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2008 bei 7,9 und für 2009 bei 7,7.

Das Wiener Unternehmen ist in Deutschland wenig bekannt. Im Vergleich zu den großen Multis wie Exxon, Shell oder BP ist OMV keine große Hausnummer. Aber immerhin: OMV ist der führende Öl- und Gaskonzern in Osteuropa. Kein anderes österreichisches Unternehmen hat einen so hohen Umsatz oder Ertrag.

2005 stiegen die Wiener bei dem rumänischen Energiekonzern Petrom ein. Durch die Mehrheitsbeteiligung konnte sich OMV den Zugang zu 270 Ölfeldern sichern. Auch wenn viele davon nicht besonders ergiebig sind, kann das Unternehmen nun rein rechnerisch zwei Drittel der Raffineriekapazitäten mit eigenem Öl auslasten. Daher profitiert der Konzern stark vom hohen Ölpreis.

2007 konnte OMV seinen Nettogewinn um acht Prozent auf rund 1,65 Mrd. Euro ausweiten. Der Umsatz stieg auf über 20 Mrd. Euro. Im ersten Quartal 2008 stieg der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 40 Prozent auf 444 Mill. Euro.

Doch nicht alle Investmenthäuser raten zum Kauf der Aktie. Die Citigroup in London kritisiert, dass die Wachstumsstrategie des Konzerns nur aufgeht, wenn die geplanten Zukäufe klappen. Das ist alles andere als sicher. OMV besitzt rund 20 Prozent am ungarischen Versorger MOL und strebt die komplette Übernahme an. "Dieser Versuch ist zum Scheitern verurteilt", heißt es bei der Citigroup. Die Chefetage von MOL wehrt sich mit Händen und Füßen. Ein weiteres Großprojekt mit vielen Fragezeichen ist die südosteuropäische Nabucco-Pipeline, an der die Österreicher maßgeblich beteiligt sind. Sie soll ab 2013 jährlich 31 Mrd. Kubikmeter Erdgas vom Kaspischen Meer nach Westeuropa pumpen.

Raiffeisen-Analyst Chladek können diese Einwände nicht erschüttern. OMV habe bereits jahrzehntelange Erfahrung mit osteuropäischen Gaslieferanten. "Und falls die MOL-Übernahme scheitert, würde dies nur kurzfristig einen Ausschlag nach unten geben", meint Chladek. Langfristig bleibt der hohe Ölpreis.

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