Investmentidee
Attraktive Staatspapiere

Britische Staatsanleihen werden sich nach Ansicht von Experten von ihrem schwächsten Quartal seit mehr als 14 Jahren erholen und höhere Kursgewinne verzeichnen als Bundesanleihen und US-Treasuries. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

HB FRANKFURT. Grund des Optimismus ist die schwächelnde britische Konjunktur, die unter der Krise am Häuser- und Hypothekenmarkt leidet. Bei ihrer Zinsentscheidung am heutigen Donnerstag beließ die Bank of England daher ihren Leitsatz unverändert bei fünf Prozent. Eine Begleiterklärung zur Zinsentscheidung gab es nicht. Ende Juni hatte Notenbankchef Mervyn King erklärt, der Markt für Wohnimmobilien werde "extrem schwach" bleiben.

In Bezug auf die Inflation werde die Notenbank nicht überreagieren. Was den Aktionären britischer Unternehmen Sorgen bereitet, kommt dem Rentenmarkt zugute. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten suchen Kapitalanleger verstärkt die Sicherheit von Staatsanleihen und treiben so die Kurse nach oben. "Die britische Konjunktur wird sich ziemlich schwach entwickeln - und das dürfte den Bondmarkt stützen", sagt Fondsmanager Axel Blase von Invesco Asset Management in Frankfurt.

Der Vermögensverwalter will Gilts in seinem Portefeuille "übergewichten". Experten von der Allianz-Tochter Pacific Investment Management Co. (Pimco), die den weltgrößten Bondfonds verwaltet, bezeichnen britische Staatsanleihen als "attraktiv" bewertet. Zehnjährige Gilts rentierten derzeit mit 4,87 Prozent. Bei deutschen Bundesanleihen entsprechender Laufzeit liegt die Rendite bei 4,41 Prozent, zehnjährige US-Treasuries rentieren mit 3,84 Prozent.

Im zweiten Quartal haben sich Staatsanleihen in aller Welt schwach entwickelt. Immer neue Rekorde beim Ölpreis trieben die Inflation voran, sodass sich Bondanleger verstärkt um die Realerträge ihrer Papiere sorgten. Britische Gilts entwickelten sich besonders schwach. Sie bescherten Investoren in den drei Monaten bis Ende Juni Verluste von 3,9 Prozent, wie der Gilt- Index von Merrill Lynch & Co zeigt. US-Treasuries verloren 2,1 Prozent an Wert, für Staatsanleihen aus Kontinentaleuropa ging es drei Prozent abwärts.

Die britische Wirtschaft hat derzeit mit so großen Problemen zu kämpfen wie lange nicht mehr. Am Immobilienmarkt ist der stärkste Wertverfall seit 30 Jahren zu beobachten. Die Hypothekenzinsen sind angesichts der Subprimekrise auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000 geklettert. Zudem belasten wie überall auf der Welt steigende Preise für Kraftstoffe und Lebensmittel die Portemonnaies der Verbraucher.

Eine Anhebung der britischen Leitzinsen gilt im Kampf gegen die Inflation als unwahrscheinlich. Mit einer strafferen Geldpolitik würde die Bank of England Gefahr laufen, die Konjunktur endgültig auszubremsen, erwartet Martin Hochstein, Fondsmanager bei Cominvest Asset Management in Frankfurt. Für den Bondmarkt ist dieser Zinsausblick positiv. Höhere Leitzinsen machen bestehende Anleihen weniger attraktiv, da sie die Rendite steigern, die ein Anleger risikolos durch Bankeinlagen erzielen kann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%