Investmentidee des Tages
Anleger setzen auf Kursverluste

Spekulanten setzen derzeit in beispiellosem Umfang auf einen Wertverfall der Moody's-Aktie. Mitte Juli haben sie insgesamt 47 Mill. Anteile der Ratingagentur leerverkauft. Das sind Bloomberg-Daten zufolge zehn Prozent mehr als Ende Juni und doppelt so viel wie vor einem Jahr. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

NEW YORK. Die Spekulanten erwarten, dass aufsichtsrechtliche Probleme dem Geschäft des US-Unternehmens ebenso zusetzen werden wie die Krise am Markt für forderungsbesicherte Wertpapiere, deren Bonitätsbenotung ein wichtiges Geschäftsfeld für Moody's darstellt.

Der Aktienkurs der Ratingagentur ist in den vergangenen zwölf Monaten 39 Prozent abgesackt. Dem Vorstandsvorsitzenden Raymond McDaniel ist es nicht gelungen, die Investoren zu überzeugen, dass sich die Gesellschaft von der Krise an den Kreditmärkten erholen wird.

Leerverkäufer leihen sich Aktien und verkaufen sie in der Hoffnung auf fallende Kurse, um sich dann günstiger einzudecken. Vor einem Jahr beliefen sich die Leerverkäufe in Moody's Aktien auf 23,1 Mill. Aktien beziehungsweise zehn Prozent der am Markt befindlichen Aktien.

Zwar hat Moody's die Erwartungen der Analysten in den vergangenen zwei Quartalen übertroffen und die Aktie hat sich in diesem Jahr besser entwickelt als der Standard&Poor's-500-Index. Aber die Spekulanten rechnen mit weiteren Kursrückgängen. Das Emissionsvolumen von Hypothekenanleihen, forderungsbesicherten Anleihen und von den Banken geschaffenen Collateralized Debt Obligations ist im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 66 Prozent auf 510,3 Mrd. Dollar gesunken, berichtet der Börsenbrief Asset-Backed Alert. 2005 und 2006 war der Gewinn von Moody's über 30 Prozent geklettert, als die Emissionen von CDOs nach oben schnellten. 2007 sank der Gewinn um sieben Prozent, als das Emissionsvolumen der CDOs fiel.

In diesem Jahr hat der Aktienkurs von Moody's etwa sechs Prozent eingebüßt, verglichen mit 16 Prozent beim S&P 500. Der größte Aktionär ist die Investmentholding Berkshire Hathaway Inc. des Milliardärs Warren Buffett, die etwa 20 Prozent an Moody's hält. Der Aktienkurs von McGraw-Hill, dem Eigentümer des Konkurrenten S&P, hat seit Jahresbeginn 15 Prozent nachgegeben.

Die US-amerikanischen und europäischen Aufsichtsbehörden ermitteln bei den drei großen Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch Ratings, weil sie durch US-Subprime-Kredite besicherten Wertpapieren Spitzenbonitätsnoten erteilt haben. Eine seit zehn Monaten andauernde Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC kam zu dem Schluss, dass die Ratingagenturen falsch mit Interessenkonflikten umgegangen sind und gegen interne Verfahren verstoßen haben, als sie Spitzenbonitätsnoten für Hypothekenanleihen vergaben. So hätten Analysten über Provisionsaspekte diskutiert und abgewogen, ob sie bei bestimmten Ratings Kunden verlieren würden. Die US-Subprimekrise hat den weltgrößten Finanzinstituten Abschreibungen und Kreditverluste von über 468 Mrd. Dollar beschert.

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