Investmentidee
Heißer Rauch gegen die Rezession

Tabakkonzerne verdienen ihr Geld mit der Sucht. Und sie verdienen gut damit. Sämtliche Debatten um Rauchverbote, alle Schadensersatzklagen und Strafen für Tabakschmuggel haben den Zigarettenherstellern kaum etwas anhaben können. Im Gegenteil: Die Gewinne fallen in diesem Jahr wieder üppig aus. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

FRANKFURT. Wer das unanständig findet, wird für die Aktien der Tabakkonzerne nichts übrig haben. Für Anleger, die ihr Geld aber nicht ausschließlich in ethisch und politisch korrekte Firmen stecken, können diese Werte derzeit interessant sein. Im Gegensatz zu den meisten Aktien haben sie sich zuletzt gut gehalten.

Während die großen Indizes wie Dow Jones, S&P 500, Nikkei oder Dax seit einem Jahr deutlich verloren haben, liegt das Barometer für Tabakaktien - der Amex Tobacco Index - knapp über dem Vorjahresstand. Die Finanzkrise macht der Branche nicht zu schaffen, selbst einen Einbruch der Weltkonjunktur dürfte sie ohne größere Kratzer überstehen. Charles Manso de Zuniga, Analyst der Dresdner Kleinwort, lobt das "ausgesprochen rezessionsresistente" Geschäftsmodell der Tabakkonzerne. Nach einer Studie von JP Morgan schlagen sich die Tabakaktien in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sogar besonders gut. Im Zeitraum zwischen 1973 und 1999 schnitten diese Werte in jeder Rezessionsphase um 11 bis 19 Prozent besser als der Gesamtmarkt ab.

Zwar geht die Zahl der Raucher im Westen seit Jahren zurück. In Deutschland etwa ist der Absatz seit 2002 um über ein Drittel eingebrochen. Aber das machen die Zigarettenmultis durch höhere Preise und das Wachstum in den Schwellenländern mehr als wett. In Südamerika, Russland und vor allem in China wird weiterhin munter geraucht. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist jeder vierte Chinese ein Raucher - immerhin rund 350 Millionen Menschen.

Innerhalb der Branche haben einige Übernahmen für Bewegung gesorgt. Zuletzt kündigte der US-Tabakkonzern Philip Morris International den Kauf des kanadischen Zigarettenhersteller Rothmans für 1,3 Mrd. Euro an. Damit bauen die Amerikaner ihre Spitzenposition aus. Mit einer Marktkapitalisierung von 76 Mrd. Euro und einem Umsatz von rund 17 Mrd. Euro ist Philip Morris International die Nummer eins unter den Tabakaktien. Bekannteste Marke: Marlboro. Das Unternehmen wurde im März vom Mutterkonzern Altria abgespalten und führt seitdem die Geschäfte außerhalb der USA - auch um vor hohen US-Schadensersatzklagen zu schützen. Von neun Analysten, die Philip Morris im vergangenen Monat beobachtet haben, empfehlen sechs den Kauf. Drei raten zum "Halten".

Der große Konkurrent ist Lucky-Strike-Produzent British American Tobacco (BAT). Das Unternehmen kommt auf einen Börsenwert von rund 48 Mrd. Euro und einen Umsatz von 15 Mrd. Euro. Die Einschätzung der Analysten fällt ähnlich positiv aus: Neun raten zum "Kaufen", zwei zum "Halten" und zwei zum "Verkaufen" des Papiers. Nach Meinung von Credit-Suisse-Experten ist BAT im Vergleich zu Philip Morris zu niedrig bewertet, ein Aufschlag von neun Prozent auf den aktuellen Kurs sei gerechtfertigt. Zuletzt hat die BAT-Aktie aber leicht verloren, nachdem bekanntwurde, dass sich der Luxusgüterkonzern Richemont von seiner milliardenschweren Beteiligung an BAT trennen will. Aktuell liegt der Aktienkurs in etwa auf Vorjahresniveau.

Noch besser angesehen bei den Analysten ist Imperial Tobacco (West, Davidoff). Acht geben eine Kaufempfehlung für den britischen Konzern ab. "Halten" oder gar "Verkaufen" empfiehlt keiner. Dabei hat die Aktie in diesem Jahr einen Kursrutsch hinter sich. Um die Übernahme des spanisch-französischen Altadis-Konzerns (Gauloises, Gitanes) für rund 16 Mrd. Euro zu stemmen, setzte Imperial Tobacco ein Kapitalerhöhung durch. Der Kurs gab nach und liegt derzeit ein Fünftel unter dem Stand von vor einem Jahr.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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