Investmentidee
Mit allen Tricks

Agrarrohstoffe sind seit vier Jahrzehnten eine Geldvernichtungsmaschine für Investoren. Optimisten glauben an eine Wende und haben dabei den gesunden Menschenverstand auf ihrer Seite. Pragmatische Investoren aber ziehen Agraraktien vor.

DÜSSELDORF. Der Tonfall des Schreibens lässt sich an Dramatik nur schwer überbieten: Die Lage am Milchmarkt sei „überaus besorgniserregend“, ferner ist die Rede von „leergekauften Weltmärkten“, was hauptsächlich aus dem „Bedarf der schnell wachsendem Länder Indien und China“ resultiere, wo der Wohlstand steige. Die „dramatischste Entwicklung“ sieht der Verfasser des Schreibens aber in „Biogasanlagen, wo ein Maximum an Getreide als eines der kostbarsten Lebensmittel vergoren wird, um ein Minimum an Energie gewinnen zu können.“

Es ist Herbst 2007, und die Globalisierung und der von ihr flankierte Preisauftrieb an den Rohstoffmärkten hat nun auch die gläserne Ladentheke der kleinen Düsseldorfer Bäckerei „Simons Brotkörbchen“ erreicht. Auf einem kopierten Handzettel erläutert der mittelständische Backbetrieb seinen Kunden, warum die Brötchen ein paar Cent teuerer werden.

Von Weizen über Milch bis hin zum Kaffee: Die Preise von so genannten Agrarrohstoffen steigen seit Monaten massiv an. Parallel dazu lancieren Emittenten von Zertifikaten und Fondsgesellschaften Anlageprodukte, mit denen sie Investoren wie Spekulanten eine Partizipation an weiter steigenden Preisen für Agrargüter in Aussicht stellen. Auf Sicht eines Jahres ging die Rechnung auf: Zertifikate und Indexfonds auf Agrarrohstoffe legten um ein Drittel zu, getrieben vor allem von einem Anstieg des Weizenpreises.

Optimisten für Agrargüter haben dabei den gesunden Menschenverstand auf ihrer Seite: Weltweit leben nach Schätzungen der Vereinten Nationen bereits 6,6 Milliarden Menschen auf der Erde, bis zum Jahr 2050 soll die Bevölkerung gar auf 9,2 Milliarden anwachsen. Die Globalisierung steigert zudem den Wohlstand der Menschen, die ihren Hunger mit Agrarprodukten befriedigen müssen. Hinzu kommen drohende Ernteausfälle durch den weltweit spürbaren Klimawandel und der Verlust von Arbeitskräften und landwirtschaftlicher Nutzfläche durch die Urbanisierung: Produzierten Länder wie China jahrzehntelang die für die Ernährung seiner Bevölkerung benötigten Agrargüter selbst, kauft das Land nun die immer größere Differenz zwischen selbstproduziertem Angebot und steigender Nachfrage schlicht auf dem Weltmarkt zusammen: Weizen, Mais oder Soja stehen auf der Einkaufsliste der Chinesen.

Was auf dem Papier logisch und klar für eine Investition in Agrarrohstoffe klingt, stößt in der Realität der Geldanlage nicht nur moralisch schnell an Grenzen. Denn obwohl sich die Weltbevölkerung bereits seit der frühen Siebzigerjahren mehr als verdoppelt hat, kennen die Preise für Agrargüter seit Jahrzehnten real - entgegen der landläufigen Wahrnehmung – nur eine Richtung: Abwärts.

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