Investmentidee
Versicherungsaktien mit Potenzial

Das derzeitige schlechte Börsenklima belastet die europäische Assekuranz, sorgt gleichzeitig aber für eine sehr günstige Bewertung von Versicherungstiteln. Davon können Anleger profitieren. Vor allem deutsche Werte halten Experten für besonders attraktiv. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

FRANKFURT. Für die Versicherungsbranche hat sich das Blatt seit dem Frühjahr komplett gedreht: Galt sie zu Jahresbeginn noch als Glückskind der Finanzwelt, weil sie von der Hypothekenkrise kaum betroffen schien, hat sich das mit der anhaltenden Börsenbaisse geändert. Hinzu kommt die Angst vor einem Abschwung im Kerngeschäft.

Die meisten großen Versicherungskonzerne warnten im vergangenen Quartal vor Gewinneinbrüchen. "Die zuletzt veröffentlichten Zahlen waren vergleichsweise schwach", kommentiert Analyst Michael Huttner von JP Morgan. Trotzdem zeigen sich die Analysten bei ihren Bewertungen optimistisch: Versicherungstitel seien aktuell sehr günstig bewertet, sagt etwa Manfred Jakob von der SEB. Deutsche Werte wie Allianz und Münchener Rück hält er für besonders attraktiv und bewertet sie für 2009 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund acht. Bei europäischen Versicherern rechnet Jakob dagegen nur mit einem durchschnittlichen KGV von 11,3.

Versicherungskonzerne schöpfen ihre Gewinne einerseits aus dem Abschluss neuer Verträge und andererseits aus einer gewinnbringenden Anlage der ihnen zufließenden Gelder am Kapitalmarkt. Beide Ertragsquellen geraten zunehmend unter Druck. "Waren 2007 noch der Wertverfall strukturierter Produkte wie der Subprime-Kredite ein entscheidendes Thema, bestimmen 2008 die Verwerfungen an den Aktienmärkten die Kursentwicklung der Versicherer", erläutert Andreas Schäfer, Analyst bei der WestLB. Die Struktur der Kapitalanlage sei für die Kursentwicklung der Versicherer ausschlaggebend. Analysten loben konservative Anlagestrategien wie die von der Münchener Rück.

Aber auch im Vertrieb bekommen die Versicherungskonzerne hierzulande zunehmend Probleme. Der Vertrieb leidet unter der Verunsicherung durch die Finanzkrise. Traditionell knicken die Absatzzahlen der Lebensversicherungen bei einem schlechten Konjunkturausblick ein, da weniger Bürger bereit sind, ihren finanziellen Spielraum mit neuen Versicherungspolicen zusätzlich zu beschneiden. Einbrüche zeigten sich aufgrund des schlechten Börsenumfelds vor allem bei fondsgebundenen Lebensversicherungen. Hinzu kommt eine neue, komplexe Gesetzgebung für den Versicherungsvertrieb. Die Folge: Wuchs der Absatz im Leben-Geschäft 2007 noch um sechs Prozent, stagniert er heute.

Schwierig gestaltet sich auch der Markt für die Rückversicherer. Die fortschreitende Konsolidierung des Markts macht es den Rückversicherern schwer. Auf ihre Absicherung greifen immer weniger Unternehmen zurück. Schließlich wartet auch die Natur mit Belastungen auf. Die Saison der tropischen Wirbelstürme ist eröffnet. Erste Windhosen jagen schon durch die Karibik. Anleger sollten also bei Versicherern mit hohem Lebens- oder Rückversicherungsgeschäft Vorsicht walten lassen.

Besser schlagen sich noch die Sachversicherer. Sie können sich mit einem geringen, aber stetigen Wachstum behaupten. Ihr Geschäft ist relativ unabhängig von der Wirtschaftslage. Denn ob ein Kunde eine neue Versicherung für sein Haus oder Auto benötigt, wird in der Regel nicht von kurzzeitigen Schwankungen der Konjunktur beeinflusst.

Die Nummer eins im deutschen Sachversicherungsmarkt ist die Allianz. Analysten schätzen das Potenzial der Allianz-Aktie hoch ein, bestärkt durch den erwarteten Verkauf der Dresdner Bank. Heute kostet die Aktie 110 Euro - Analysten nennen Kursziele zwischen 130 Euro und 160 Euro. In dem Kurs sind bereits beachtlich gesunkene Gewinnerwartungen für 2009 eingepreist (von 13 Mrd. Euro auf neun Mrd. Euro), die zu zahlreichen Herabstufungen veranlasste. Ob sich der Optimismus der Analysten bewahrheiten wird, hänge vom Konjunkturverlauf der kommenden Monate ab, sagt Manfred Jakob.

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