Investmentstile (3) – Wie sich Aktienfondsmanager mit Value- und Growth-Ansatz schlagen
Ed Walczak vertraut amerikanischen Finanzwerten

Seit dem Crash der High-Tech-Titel feiert der wertorientierte Ansatz bei Aktienfonds eine Renaissance. Ganz vorn mischt ein Mann aus dem Hause Vontobel mit. Das vom Warren-Buffett-Fan gemanagte Portfolio für US-Werte beschert den Anlegern trotz anhaltender Börsentalfahrt Gewinne.

MÜNCHEN. Edwin ("Ed") Walczak kann zufrieden sein. Der Amerikaner managt mit dem Vontobel Fund - US Value Equity der schweizerischen Investmentgesellschaft Vontobel Fonds Services AG einen der erfolgreichsten Aktienfonds für US- Werte. Auch den Vergleichsindex S & P 500 hat er in der jüngeren Vergangenheit hinter sich gelassen, den Einsatz der Anteilbesitzer in den letzten Jahren fast verdreifacht. Walczak betreut jetzt 370 Mill. $ im Fonds.

Auch nach den Terroranschlägen hält Walczak, der von New York aus agiert, an den sehr restriktiven Prinzipien bei seiner wertorientierten ("Value") Aktienauswahl fest. "Ich investiere nur in Unternehmen die ich verstehe und die unsere Kriterien erfüllen", sagt Walczak dem Handelsblatt. Volatile Wachstums- und Technologiewerte sind seine Sache nicht. Konsumgüterwerte wie Wrigley, McDonalds oder etwa American Express und das Pharmaunternehmen Pfizer zählen zu den stark berücksichtigten Firmen in Walczaks Portfolio. Allerdings dominieren Finanzwerte einschließlich Versicherungen den Aktienfonds mit einem Anteil von 74 %.

Er sucht nach Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen herstellen, die jeder braucht und noch auf absehbare Zeit brauchen wird. Zudem müssen die Unternehmen unter anderem über einen hohen Marktanteil verfügen, hohe Eintrittsbarrieren für potenzielle Konkurrenten bieten, eine starke Bilanz und ein gutes Management haben.

In den vergangenen Jahren musste jede im Fonds berücksichtigte Aktie mindestens die Rendite von risikofreien Staatspapieren erreichen. Über 95 % der Aktien im Marktbarometer S & P 500 erfüllen den Kriterienkatalog nicht, sagt Walczak. Nur rund 60 Werte wurden bislang in den US Value Equity bisher aufgenommen. Immer nur 16 bis 30 Titel befinden sich gleichzeitig im Portefeuille - eine starke Konzentration im Vergleich zu Konkurrenzfonds.

Ziel ist der Kauf von unterbewerteten Substanzwerten, wenn diese unterhalb des Gegenwartswerts des künftig erwarteten Cash-flows notieren. Die momentane Baisse ist für daher für Walczak eine typische Einkaufszeit. Rund 20 % des Fondskapitals hält er in Cash, um sich bietende Gelegenheiten nutzen zu können.

Walczaks Suche nach unterbewerteten Substanztiteln erinnert an den Superinvestor Warren Buffet - dieser ist auch sein Vorbild. Kein Wunder, dass die Aktie seiner Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway mit einem stattlichen Anteil von 10 % größte Einzelposition im Fonds ist. Anders als Buffet trennt sich Walczak aber von Aktien, wenn sie das Kursziel in sieben bis zehn Jahren nicht erreichen.

Auf die Ereignisse am 11. September reagierte Walczak mit dem Verkauf einiger Werte. Beispielsweise löste er die Bestände am Rückversicherer Renaissance Re vollständig auf. Der Anteil von Ace wurde von 4 % auf knapp 2 % reduziert, der von Unum Provident auf 1,5 % halbiert. Der Fondsmanager ist davon überzeugt, dass vor allem die großen Versicherer von den Anschlägen profitieren werden. Kleinere Versicherer würden durch die zunehmende Konzentrationswelle aus dem Markt gedrängt. Die Großen könnten sich dann bei gestiegenem Sicherheitsbedürfnis neue Märkte erschließen und mit höheren Margen rechnen. Walczak hofft auf gute Einstiegschancen. Auf der Kaufseite war er bei Budweiser, Hershey und Disney.

Panik nach den Terroranschlägen hält der Fondsmanager für unangebracht, wenn er auch einräumt, dass die Unsicherheit größer und die Beurteilung der Unternehmen schwieriger geworden ist. Aber auch dabei verweist Walczak gern auf Buffet. Der sei am 24. September mit den Worten zitiert worden: "Es gibt nichts Dümmeres als gegen Amerika zu wetten. Das hat schon seit 1776 nicht mehr geklappt."

Auch bei der Anlage seines Privatvermögens hält sich Walczak an die beruflichen Regeln: "Ich habe nur Aktien, die auch im US Value Equity vertreten sind." Bei Vontobel gibt es nach Walczaks Anlageerfolg Überlegungen zur Auflage eines weltweit anlegenden "Global Value Equity Fund", der ebenfalls wertorientiert investieren soll.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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