Investmentstile (4) – Wie sich Aktienfondsmanager mit Value- und Growth-Ansatz schlagen
Murdo Murchison schlägt den Index

Die exzessiven Börsengewinne der vergangenen zwei Monate läuten keine neue Hausse ein. Das glaubt zumindest ein Stratege, der den größten in Deutschland angebotenen Aktienfonds managt: den Templeton Growth Fund. Er vertraut auf eine hohe Cashquote als Risikopuffer.

FRANKFURT/M. "Die Baisse ist noch nicht zu Ende", erklärt Murdo Murchison. Der Fondsmanager hat im Templeton Growth Fund, Inc. in den letzten Wochen eine Barquote von 15 % aufgebaut. Und es gibt noch ein zweites Sicherheitsnetz. Murchison in einem Handelsblatt-Gespräch: "Unsere Aktien im Portfolio sind rund 40 % billiger als der Durchschnitt der Werte rund um den Globus." Was schon preiswert ist, sollte sich bei weiteren Börsenturbulenzen auch als weniger kursgefährdet herausstellen.

Der 36jährige steuert den Fonds von Nassau auf den Bahamas aus. Er hat trotz seines skeptischen Börsenausblicks keinen Grund zur Klage. Als er das Management des 12 Mrd. US-$ großen internationalen Aktienfonds am Jahresanfang übernahm, hatte sein Vorgänger ganz andere Zeiten durchgemacht.

Mark Holowesko war mit dem Flaggschiff des US-Investmenthauses Franklin Templeton Ende der neunziger Jahre unter die Räder gekommen. Grund war nicht eine schlechte Leistung des Strategen, sondern vielmehr Durchhaltewillen. Holowesko wie auch das Haus Franklin Templeton mit immerhin 250 Mrd. US-$ an verwalteten Kundengeldern wollten ihren "Value"-Investmentansatz, der die Suche nach werthaltigen und preisgünstigen Titeln in den Vordergrund stellt, nicht auf dem Altar der Wachstumsphantasien opfern. Noch im März vergangenen Jahres und damit fast exakt zum Start der desaströsen High-Tech-Baisse wagte Holowesko eine damals unglaubliche Prognose: "90 Prozent der Internetaktien werden um 90 Prozent fallen."

Seit eineinhalb Jahren steht der größte in Deutschland angebotene Aktienfonds auch in den kurzfristigen Performancelisten wieder sehr gut da. In langfristigen Vergleichen machte das Produkt im Vergleich zum Weltaktienindex ohnehin meist eine gute Figur. Anleger konnten ihr Kapital seit 1988 mehr als versechsfachen (Grafik).

Murchison, seit 1993 mit in das Management des Templeton Growth Fund eingebunden, unterstreicht zwar die eigene langfristige Anlagepolitik. Er räumt aber ein: "Wir veränderten die Cashquote zuletzt sehr stark." Nach den Terroranschlägen im September kaufte er. Murchison nahm beispielsweise Alcatel, Philips, Axa und UBS ins Portfolio: "Werte, die wir lange nicht hatten." Im Zuge dieser Käufe waren die Barbestände auf 6 % gesunken. Das änderte sich im Zuge der folgenden schnellen Kursanstiege und den damit wieder gestiegenen Bewertungen. Deshalb schraubte er die Liquidität wieder nach oben: "Lockheed Martin beispielsweise, unsere bis dahin größte Position, haben wir fast vollständig verkauft."

Murchison ist vor allem für die High-Tech-Werte skeptisch: "Gemessen am Kurs/Gewinn-Verhältnis ist eine Microsoft heute fast doppelt so teuer wie Anfang der neunziger Jahre." Generell sieht er im Computergeschäft wenig Börsenchancen, "denn die PC-Märkte sind in fast allen Ländern saturiert".

Nur 30 % der Fondsgelder sind in US-Werte investiert. Murchison gefallen Aktien aus anderen Ländern besser, vor allem deshalb, weil sie billiger sind. Er verdoppelte beispielswiese die Südkoreaquote in diesem Jahr auf 6 %. In Europa stecken ebenfalls rund 30 % der Gelder, wobei der deutsche Anteil mit 4 % eher bescheiden ausfällt. Hier erwähnt er VW und Bayer. Bei Bayer argumentiert er unter anderem mit der Skepsis der Börsianer: "Die Aktie ist aus der Mode gekommen und stark gefallen, gerade auch deshalb ist sie ein langfristiger Kauf." Eine Deutsche Telekom dagegen will er immer noch nicht anfassen.

Murchison will seine hohe Cashquote trotz der jüngsten Kursexplosionen an den Börsen, gerade bei typischen Wachstumswerten, nicht in Frage stellen. Er beruhigt: "Ich habe einen Großteil meines eigenen Geldes in diesen Fonds und andere unserer Produkte investiert."

In der Artikelreihe "Investmentstile" erschienen bisher die Beiträge: Ehrhardt Kapital AG (FMM-Fonds, 26.10.), Keppler Asset Management (Major Markets High Value Teilfonds, 5.11.), Vontobel (Vontobel Fund - US Value Equity, 12.11.).

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