Investor Ausblick - Interview
Nachhaltig anlegen heißt an Wert gewinnen

Der zweitgrößte europäische Pensionsfonds PGGM mit einem verwalteten Vermögen von 50 Mrd. Euro drängt 600 börsennotierte Konzerne zu nachhaltigem Wirtschaften. Roderick Munsters, Vorstand und Managing Direktor of Investment, stellt im Handelsblatt-Interview die Strategie vor.

PGGM als zweitgrößter niederländischer Pensionsfonds hat sich "nachhaltig anlegen" auf die Fahnen ge-schrieben. Warum?

Wir wollen dauerhaft eine gute Rente zu niedrigen Kosten gewährleisten. Daher beurteilt PGGM, der Pensionsfonds für den niederländischen Gesundheitssektor, immer häufiger Anlagemöglichkeiten nicht nur an den zu erwartenden finanziellen Erträgen, sondern auch nach sozialen und umwelttechnischen Aspekten. Wir sind der Überzeugung, dass nachhaltige Aktienanlagen einen Mehrwert erbringen und unsere Politik zu einer strukturellen Erhöhung der Rendite beiträgt.

Unternehmen, die zu ihrer Verantwortung bei Menschenrechten, Umwelt und Sozialpolitik stehen, zeichnen sich meist auch durch ein Management aus, das Zeiterscheinungen früh erkennt und entsprechend handelt. Es gibt kräftige Hinweise dafür, dass Betriebe, die nachhaltige Entwicklungen fördern, indem sie beispielsweise Umweltfragen innovativ angehen, die besten Leistungen erbringen. Daher spielt Nachhaltigkeit bei Kapitalentscheidungen eine wichtige Rolle. Es ist ein logischer Schritt für Betriebe, die aktiv die Risiken ihrer Reputation managen.

Aus was besteht Ihre Strategie?

Sie stützt sich auf drei Säulen: Ausschlusskriterien, Übergewichtung von Spitzenreitern und aktiver Dialog mit Unternehmen.

Welche Ausschlusskriterien verwenden Sie?

PGGM verzichtet auf Investitionen in Unternehmen, wenn diese in Ländern aktiv sind, die eine der drei Grundrechte des Menschen - Vereinigungs-, Meinungs- und Pressefreiheit - systematisch verletzen oder die wegen Menschenrechtsverletzungen von der internationalen Staatengemeinschaft, den Vereinten Nationen, der International Labour Organisation ILO oder der Europäischen Union wirtschaftlich sanktioniert oder boykottiert werden. Zudem investieren wir nicht in Firmen der Waffenindustrie und des Waffenhandels, wenn deren Umsatz zu 50% aus Verteidigungsgütern besteht.

Zweite Säule ist die Wahl von Spitzenreitern beim nachhaltigen Wirtschaften. Wie ermitteln Sie diese?

Pro Branche werden die quo Marktkapitalisierung größten Unternehmen nach vielen Kriterien der Nachhaltigkeit überprüft. Eine offene, transparente externe Kommunikation der Unternehmen ist dafür sehr wichtig. Und, dass sie "tun, was sie sagen"! Unternehmen mit überdurchschnittlichen Ergebnissen kommen für die Aufnahme in den Anlagebestand in Betracht. Aus der Liste ausgewählter Branchenbester treffen die traditionellen Finanzanalysten und Fondsverwalter eine endgültige Wahl.

Wie sehen die bisherigen Ergebnisse aus?

PGGM hat einige Vermögensverwalter angestellt, die an Nachhaltigkeit orientierte Pilot-Portfolien mit europäischen Aktien verwalten. Für sie ist es eine wahre Herausforderung, den FTSE-Index zu schlagen, zumal die Zusammenstellung wegen der Nachhaltigkeitskriterien eingeschränkt ist. Die niederländische SNS-Bank erhielt ein Mandat über 25 Mill. Euro. Vergangenes Jahr legte die Schweizer Bank Sarasin 100 Mill. Euro nachhaltig an. Ende dieses Jahres werden beide Pilotportfolios evaluiert. Wir können zu Recht schon jetzt sagen, dass nachhaltiges Anlegen und "Outperformance" durchaus sehr gut kombinierbar sind. Längerfristig erwarten wir, dass der Nachhaltigkeitsbestand bessere Leistungen erbringen wird als traditionelle Gradmesser. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den "best of the sector approach" auf Dauer bei allen internen Portfolios einzu-beziehen.

PGGM mit einem verwalteten Vermögen von 50 Mrd. Euro nutzt als dritte Säule seinen Einfluss und macht als Aktionär Druck auf börsennotierte Konzerne.

Ja. Wir fordern europäische Unternehmen zu einer nachhaltigen Betriebsführung auf. Dazu bedienen wir uns des "Responsible Engagement Overlay" (REO) von Friends Ivory & Sime. Dieser britische Vermögensverwalter nimmt im Rahmen seines Engagement-Programms den Dialog auf mit Unternehmen, in die PGGM investiert. Es handelt sich um ein Aktienportfolio von cirka 5,5 Mrd. Euro, das PGGM selbst managed. Das entspricht gut einem Viertel des gesamten Aktienbestandes. Den (erwünschen) Mehrwert realisieren wir durch aktive Versuche, die Unternehmenspolitik zu beeinflussen, indem wir die Konzerne auffordern zu einer nachhaltigen und transparenten Politik hinsichtlich Menschenrechten, Umwelt und Sozialem.

Welche Resonanz haben Sie erhalten?

Der offene Dialog, den PGGM über Friends Ivory & Sime führt, hat bereits Früchte abgeworfen. Einige namhafte Unternehmen haben begonnen, über ihre Aktivitäten zur Nachhaltigkeit zu berichten. Das heißt, dass sie sich nun unter diesem Gesichtspunkt durchleuchten und Nachhaltigkeit in die Firmenpolitik aufnehmen. Diesen Dialog wollen wir langfristig für unser weltweites Aktienportfolio führen.

Steigen Sie aus Unternehmen aus, die sich nicht auf Nachhaltigkeit umstellen wollen?

Das könnte die letzte Konsequenz sein. Zunächst aber suchen wir als aktiver Aktionär den Dialog. Andernfalls würden wir unsere Anlagemöglichkeiten zu stark begrenzen. Wenn wir jedoch stärker in Werte anlegen, die positiv herausragen, fahren wir zwangsläufig Investitionen in andere zurück.

Wird Ihre Politik nachhaltigen Anlegens auf die Dauer einen Einfluss auf die Kapitalmärkte und andere Investoren haben?

Ja, einige Pensionsfonds folgen bereits unserem Beispiel. Letztendlich werden alle institutionellen Investoren nachhaltig anlegen. Langfristig wird dadurch die heute zu erzielende zusätzliche Rendite verschwinden. Das ist das eigentliche Ziel. Diejenigen, die zuerst einsteigen, werden die höchsten Renditen einfahren.

Können Privatanleger ebenfalls eine solche Politik nachhaltigen Anlegens verfolgen und wäre das sinnvoll?

Privatanleger können (steuerbegünstigte) Nachhaltigkeits-, Öko- oder Ethikfonds erwerben. Darüber hinaus jedoch ist eine solch differenzierte Strategie, wie wir sie verfolgen, für Kleinanleger nicht möglich. Wenn aber die Wirtschaft das Thema Nachhaltigkeit in breiterem Umfang aufnimmt, profitieren letztlich auch die kleinen Aktionäre davon.

Die Fragen stellte Susanne Bergius

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