Investor Flowers mahnt schnelle Entscheidung bei Privatisierung der Bankgesellschaft an: Flowers mahnt Bank Berlin

Investor Flowers mahnt schnelle Entscheidung bei Privatisierung der Bankgesellschaft an
Flowers mahnt Bank Berlin

Das Tauziehen um die Privatisierung der Berliner Bankgesellschaft gewinnt an Dynamik. US-Investor Flowers, potenzieller Käufer der Bank, und Finanzsenator Sarrazin (SPD) haben den Gesprächsfaden wieder geknüpft. Flowers will die Risiken für das Land Berlin "gewaltig reduzieren". Auch die PDS drängt auf einen schnellen Verkauf.

HB BERLIN. Der amerikanische Investmentbanker Christopher Flowers sieht gute Chancen, bei einer Privatisierung der Bankgesellschaft Berlin die Lasten des Landes Berlin mindern zu können. "Wir denken, dass wir mit unserem Konzept die Risiken des Landes für das Neugeschäft gewaltig reduzieren können", sagte Flowers in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Außerdem sei er bereit, einen "substanziellen Kaufpreis" für das börsennotierte Institut zu zahlen, das sich zu 81 % in Landesbesitz befindet.

Land Berlin muss Risiken für das Altgeschäft mittragen

"Zweifelsohne müsste das Land Berlin jedoch die bestehenden Risiken für das Altgeschäft insbesondere im Immobilienbereich mittragen", schränkt Flowers ein. Aber das müsse das Land auch, wenn es das Institut nicht veräußern sollte, so Flowers. Der Investor mahnte schnelle Entscheidungen an. "So eine Bank ist nicht wie ein Wein, der bei langer Lagerung an Güte gewinnt. Wir brauchen eine schnelle Entscheidung über die Zukunft der Bank. Dann können wir das Ausbluten auch schnell stoppen", lautet seine Überzeugung.

Flowers ist am Mittwochabend mit dem neuen Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) zusammengetroffen. Auch die Texas Pacific Group, die ebenfalls Interesse an der Bankgesellschaft hat, hält sich diese Woche zu Gesprächen in Berlin auf. Es ist das erste Zusammentreffen der Investoren mit dem Finanzsenator seit den Wahlen. Grundsätzlich herrscht im SPD/PDS-geführten Senat Konsens darüber über einen Verkauf der Bankgesellschaft. Ungeklärt bleibt hingegen, zu welchen Konditionen.

Sollte Flowers bei der Bankgesellschaft zum Zug kommen, will er wie bei der Übernahme der japanischen Shinsei-Bank mit "erstklassigen Finaninstituten aus Nordamerika und Europa" kooperieren. Dazu zählen der US-Versicherungskonzern American International Group (AIG), General Electric, mehrere europäische Banken sowie die Versicherungsgruppe Parion, die auch Anteilseigner der Bankgesellschaft ist.

Bankgesellschaft sollte sich auf Privatkundengeschäft konzentrieren

Als großes Manko der Managements der Berliner Bankgesellschaft sieht Flowers, dass sich das Institut nicht auf seine möglichen Stärken - das Privatkundengeschäft - fokussiert habe. Denn hier verfüge die Bank mit einem Anteil von rund 60 % über eine starke Marktposition. Da die Marktbedingungen zur Zeit schwierig seien und die Bankgesellschaft in einem wirtschaftsschwachen Umland agiere, werde es wahrscheinlich lange dauern, bis schwarze Zahlen geschrieben werden. "Wir treten hier aber als langfristiger Investor auf", bekräftigt Flowers, der früher für die Investmentbank Goldman Sachs tätig war und sich nach dem Börsengang selbstständig machte.

In seiner Absichtserklärung hat sich Flowers verpflichtet, die erzielte Einigung über den Abbau von 4 000 Stellen zu übernehmen. "Es wird über mehrere Jahre hinweg keine betriebsbedingten Kündigungen geben", sagt Flowers. Begrüßen würde es der Banker, wenn das Land mit einer Minderheitsbeteiligung im Boot bliebe. "Allerdings sollte das Institut in der Lage sein, das Geschäft frei von politischem Einfluss zu führen", so

Schnellstmögliche Privatisierung der Bankgesellschaft

Auch der Präsident der Berliner IHK, Werner Gegenbauer, spricht sich für eine schnellstmögliche Privatisierung der Bankgesellschaft aus. "Es hat sich gezeigt, dass das Institut in der jetzigen Konstellation nicht effizient geführt werden kann. Zudem würde das Land vom internationalen Netzwerk eines Investors profitieren", sagte Gegenbauer dem Handelsblatt. In ähnlicher Weise argumentiert Harald Wolf, der Haushaltsexperte der PDS-Fraktion im Abgeordnetenhaus: "Die unternehmerische Führung seitens des Lands hat sich wahrlich nicht bewährt. Eine neue Eigentümerstruktur würde zudem ein Signal im Markt für einen tatsächlichen Neubeginn setzen", so Wolf gegenüber dem Handelsblatt.

Kritisch sieht Wolf allerdings, dass der Markt für Banken derzeit eher ein Käufermarkt sei. Auch seien Probleme der Risikoübernahme nicht geklärt. Es könne nicht sein, dass wir einem künftigen Investor einfach "ein Scheckbuch in die Hand drücken", so Wolf.

Bankgesellschaft ist zur extremen Belastung geworden

Die Bankgesellschaft ist zu einer extremen Belastung für das Land geworden. Nur dank einer Kapitalspritze in Höhe von 1,75 Mrd. Euro konnte das Institut auf Grund katastrophaler Immobiliengeschäfte im vergangenen Jahr vor der Pleite bewahrt werden. Zudem schirmte das Land das Institut vor weiteren Risiken aus den Immobilienfonds ab, die sich als schwarze Löcher entpuppt haben. Auf fünf bis acht Mrd. Euro werden mittlerweile die Risiken beziffert, die auf das Land zukommen können. Das notorisch finanzklamme Land wird ab 2003 jährlich 300 Mill. Euro zur Abdeckung dieser Risiken bereit stellen. Sowohl die Kapitalspritze als auch die Abschirmung von Immobilienrisiken steht derzeit auf dem Prüfstand der EU-Kommission.

Am Ende mit seinem Latein zeigt sich ein Analyst angesichts der desolaten Lage der Bankgesellschaft. "Ich bin ratlos." Jeder Zeitverzug, so warnt er, würde jedoch die Lage verschlimmern.

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