Investor nennt Aktie „beschädigte Ware“
Bayers Börsengang stößt in den USA auf Skepsis

Der Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol und die damit einher gehenden Schadensersatzklagen verunsichern die Anleger. Immer mehr Kläger gegen Bayer Gesundheitsministerium will Lipobay-Prüfbericht vorlegen

NEW YORK. Der von der Bayer AG geplante Börsengang stößt bei US-Investoren auf Skepsis. Der Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol und die damit einher gehenden Schadensersatzklagen verunsichern die Anleger. Bayer plant bislang, seine Aktien am 26. September an der New York Stock Exchange zu platzieren. "Wer würde ein Unternehmen kaufen, bei dem das Prozessrisiko so hoch ist?" fragt David Cooley, Fonds-Manager bei der Fonds-Gesellschaft Seligman. Cooley sagt, derzeit sei nicht abzusehen, wie teuer die Lipobay-Krise für Bayer werde.

Der Leverkusener Konzern wies gestern alle Bedenken zurück: "Wir planen weiterhin, am 26. September an die Wall Street zu gehen", sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Doch nicht nur Herman Saftlas, Pharma-Analyst der Rating-Agentur Standard&Poor's, bezweifelt, dass Bayer mit seinem Plan noch richtig liegt. Zwar sei der Börsengang zwar grundsätzlich sinnvoll sei, da Bayer mit den US-Aktien eine Tauschwährung erhält, doch sei der Zeitpunkt falsch gewählt. Denn Bayer wolle sicher möglichst viele institutionelle Investoren gewinnen. "Der Lipobay-Rückruf hilft ihnen dabei bestimmt nicht", bemerkt Saftlas.

Der potenzielle Investor Cooley, dessen Fonds immerhin zu 15 % aus Pharmawerten - bisher keine Bayer-Aktien - bestehen, bringt die Skepsis gegenüber Bayer auf den Punkt: "Es gibt genügend andere Gelegenheiten auf der Welt".

Die Zweifel, dass Bayer die Börsenpläne umsetzt, wachsen jedoch nicht nur in den USA. So ist aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören, dass sich die Führung in einem Diskussionprozess befinde. Zwar sei noch keine Entscheidung gefallen, aber natürlich habe die Lipobay-Krise die Ausgangslage verändert. Bayer müsse wohl an einer neuen Story arbeiten, dann werde sich zeigen, ob diese neue Story noch für den Börsengang tauge.

Derzeit spricht wohl nur ein Punkt wirklich für die Bayer-Aktie: der niedrige Preis. Seit der Ankündigung des Rückrufs ist der Kurs von mehr als 45 Euro auf unter 35 Euro gefallen. Für Analyst Saftlas ist das Bayer-Papier daher schon ein "richtiges Schnäppchen".

Als Sonderangebot hat wohl auch Samual Isaly den Titel betrachtet. Der Fondsmanager des Eaton Worldwide Health Sciences Fund hat bereits am vergangenen Freitag 600 000 Bayer-Aktien gekauft, bevor die Meldungen über Schadenersatzklagen die Aktie erneut in den Keller schickten.

Der Gang an die Wall Street interessiert ihn nur bedingt. "Die meisten Investoren werden Bayer als beschädigte Ware betrachten und sich zurückhalten", sagt Isaly voraus. Er selbst sieht Bayer als langfristige Anlage. Die Eile beim Gang an die Wall Street versteht er allerdings nicht: "Die richtige Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens zu fällen, ist wichtiger als die Platzierung an der Wall Street."

Der Rückruf von Lipobay spielt für einige Investoren nur eine untergeordnete Rolle. "Viel wichtiger ist, ob sie mit einem US-Pharmaunternehmen zusammengehen", meint Craig Lancaster, Investment Manager bei Merrill Lynch. "Wenn etwa eine Company wie Bristol-Myers Squibb mit der Pharmasparte von Bayer kooperieren wird, dann wäre das interessant", sagt Lancaster.

Der Leverkusener Konzern hatte Anfang der Woche angedeutet, dass er eventuell bereit sei, Joint Ventures mit anderen Unternehmen einzugehen. Allerdings beharrte Bayer auf der Strategie des Mischkonzerns. Lancaster sieht das kritisch: "Der Konzern hat zu viele verschiedene Geschäftszweige."

Vor Bayer haben sich bereits andere große deutsche Konzerne wie Siemens oder BASF an Wall Street listen lassen. Sie können diese Aktien, die in den USA als Anrechtsscheine (ADR) gehandelt werden, als Tauschwährung einsetzen, wenn sie US-Firmen kaufen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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