Investoren agieren äußerst vorsichtig
Negativer Ausblick belastet Maschinenbau-Aktien

Im Gleichschritt mit der Branchenkonjunktur ging es auch mit den Kursen der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer steil bergab. Solange die Aussichten auf eine Trendwende ungewiss sind, gehen Investoren selektiv vor. Firmen mit einer Art Sonderkonjunktur oder Aktien mit hoher Dividenrendite zählen zu den Favoriten.

DÜSSELDORF. Tief, tiefer, im freien Fall. Zwar ging es mit der Börse zuletzt insgesamt steil abwärts. Aber bei den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern waren die Kursverluste besonders heftig. Besorgt über schlechte Konjunkturdaten sowie Umsatz- und Gewinnwarnungen einzelner Unternehmen warfen enttäuschte Anleger ihre Aktien auf den Markt. Es könnte noch schlimmer kommen. Denn der Tiefpunkt des konjunkturellen Abschwungs ist noch nicht erreicht. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) meldet für August ein Minus bei den Auftragseingängen im Vergleich zum Vorjahr von drei Prozent. In den nächsten Monaten dürfte die Flut schlechter Nachrichten weiter anhalten. "Bei Unternehmen mit kurzen Durchlaufzeiten schlägt die schwache Branchenkonjunktur innerhalb weniger Wochen auf Umsatz und Ergebnis durch", erklärt Ulrich Scholz, Analyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim.

Die Investoren, Privatanleger wie Institutionelle, sind zutiefst verunsichert. Die Zwischenberichte für das erste Halbjahr enthalten noch keine klaren Aussagen über die Gewinnentwicklung in diesem Jahr. Wenn aber die Unternehmen im November die Zahlen für das dritte Quartal vorlegen, könnte es einige böse Überraschungen geben. Derzeit, resümiert Aktienstratege Ralf Dörper von WestLB Panmure, "fehlen konkrete Anhaltspunkte für ein aussichtsreiches Investment". Als klassische Zuliefererbranche für viele Industriezweige können sich die Maschinen- und Anlagenbauer nicht von der Konjunktur abkoppeln. Nur Konzerne wie etwa Heidelberger Druckmaschinen mit einem Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro, sind weltweit aufgestellt. Typisch für die sehr heterogene Branche sind Mittelständler mit Tätigkeitsschwerpunkt in Deutschland und Europa. Das bedeutet: Von einer von den USA ausgehenden konjunkturellen Erholung profitieren die deutschen Maschinenbauer erst mit zeitlicher Verzögerung.

Anleger, die auf die USA-Karten setzen, sollten sich deshalb in Schweden umsehen. Sandvik, ein Hersteller von Werkzeugen zur Metall- und Stahlbearbeitung und von Ausrüstungsgütern für den Bergbau, verfügt wegen seiner Produktpalette über eine starke Position auf dem nordamerikanischen Markt. Belastend könnte sich jedoch in Zukunft die starke Aufwertung der schwedischen Krone gegenüber dem US-Dollar bemerkbar machen.

Für Deutschland rät WestLB Panmure zu einer eher defensiven Strategie. Anleger sollten selektiv vorgehen und sich auf Unternehmen mit einer Art Sonderkonjunktur konzentrieren. Tatsächlich schafft es die Neutraublinger Krones AG, Weltmarktführer im Bereich Getränkeabfüllmaschinen, der Branchenflaute zu trotzen. In den ersten sechs Monaten 2002 verzeichnete Krones ein Umsatzplus von 15,8 Prozent auf 669,9 Millionen Euro. Im Gesamtjahr soll der Umsatz um zehn Prozent und der Gewinn sogar überproportional wachsen, erwartet der Krones - Vorstand.

Die Maschinenbau-Konglomerate Rheinmetall (Wehrtechnik, Automobilzulieferung, Elektronik) und Linde (Anlagenbau, Fördertechnik, Technische Gase, Kältetechnik) dagegen schützt ihr breites Tätigkeitsfeld vor herben Gewinneinbrüchen. Im Falle der Karlsruher Maschinenbauholding IWKA verweist Oppenheim-Analyst Schulz auf die beachtliche Dividenrendite von 6,6 Prozent. Obwohl der Gewinn in diesem Jahr leicht sinken wird - fast ausschließlich deshalb, weil das Unternehmen mehr Steuern als im Vorjahr zahlen muss -, rechnet Schulz nicht damit, dass IWKA die letztjährige Ausschüttung von 66 Cent je Aktie kürzt.

Hinter der Dividende, die der Bielefelder Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister seinen Aktionären für das Geschäftsjahr 2002 zahlen wird, steht im Moment noch ein dickes Fragezeichen. Gewiss ist, dass sie niedriger als für das Rekordjahr 2001ausfallen, im schlimmsten Fall sogar ganz gestrichen wird. Der Weltmarktführer für Dreh- und Fräsmaschinen wurde von den Anleger zuletzt regelrecht abgestraft. Innerhalb nur eines Monats stürzte die Aktie um 60 Prozent ab. Eine Chance für Mutige: "Der Kurs ist so im Keller, dass es fast schon wieder lohnt, einzusteigen", meint ein Analyst.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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