Investoren entdecken Russlands Aktienmarkt neu
Russischer Bulle statt sibirischer Bär

Großinvestoren entdecken neue Chancen am russischen Aktienmarkt. Mutige Privatanleger können jetzt mitziehen. Aber Vorsicht: Es kann zu wilden, unberechenbaren Kurssprüngen kommen.

DÜSSELDORF. Russlands Bär ist eigentlich ein Bulle. Der Moskauer Aktienindex RTS erlebt derzeit einen Kursanstieg, von dem Anleger im Westen nur träumen können. Mehr als träumen allerdings auch kaum, denn viele russische Aktien werden in Deutschland nur in geringen Stückzahlen gehandelt - und dabei kann es zu wilden, unberechenbaren Kurssprüngen kommen. Wer auf Fonds ausweichen wollte, fand bisher nur allgemeine Osteuropa-Titel. Doch jetzt ist der Markt in Bewegung gekommen - und das hilft Aktien wie Fonds gleichermaßen.

Die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, steht kurz vor der Fertigstellung eines speziellen Russland-Fonds. Bislang hatten die Anlageexperten aus Frankfurt russische Aktien nur als einen Bestandteil unter anderen in ihren Fonds stecken: etwa im DWS Emerging Market (WKN 977301) oder im DWS Osteuropa (WKN 974527). Die aber haben den starken Anstieg des RTS nicht mitgemacht. Höchste Zeit also für einen reinen Russlandfonds.

Auch für Konkurrent Union Investment ist Russland anscheinend ein Thema. Ein entsprechender Fonds soll in der Pipeline sein. Tatsächlich hat das Investmenthaus der Volks- und Raiffeisenbanken in dieser Region Nachholbedarf. Denn der EuroAction Emerging der Union (WKN 580240) hat trotz eines Anteils von 38 Prozent an russischen Aktien im vergangenen Jahr rote Zahlen eingefahren.

2002 sollte da wesentlich bessere Ergebnisse bringen. Diesmal hat der Anstieg des russischen Aktienmarkts nämlich ein stabileres Fundament als in der Vergangenheit. Das gilt besonders für die Sicherheit und das Vertrauen der Investoren. Die wissen beispielsweise zu schätzen, dass die Steuern gesenkt und das Steuersystem vereinfacht wurden. Ausländische Investoren sollen demnächst Zugang zum Energiemarkt bekommen. Auch beim Anlegerschutz will die Politik verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

So werden etwa Kleinanleger, die sich an die Gerichte wenden, neuerdings von der staatlichen Wertpapierkommission unterstützt. Gerichte können nun sogar Haftbefehle gegen straffällige Unternehmer aussprechen. "Damit ist der Aktionärsschutz in Russland ausreichend gewährleistet", stellt Nikolaj Piksin fest, Anwalt im Moskauer Büro der deutschen Kanzlei Haarmann, Hemmelrath und Partner.

Die Folgen sind sichtbar. So hat sich beispielsweise der Ölkonzern Yukos vom Saulus zum Paulus gemausert. Vor wenigen Jahren hatte er durch undurchsichtiges Finanzgebaren der Manager das Vertrauen der Anleger vollständig verloren. Jetzt bilanziert Yukos als eine der ersten russischen Firmen nach internationalen Standards. Und das tun nun auch Firmen wie Lukoil, Gazprom oder Surgutneftegaz, die damit um das Geld internationaler Investoren werben.

Dennoch, eine Achillesferse des russischen Aktienmarkts ist geblieben. Nach wie vor können sich besonders die wichtigen Energiekonzerne nicht von der Entwicklung des Ölpreises abkoppeln. Sollte der wider Erwarten nachhaltig unter 18 Dollar pro Barrel rutschen, werden das Unternehmen wie Lukoil oder Gazprom zu spüren bekommen. Fondsmanager wie Steffen Gruschka von der DWS konzentrieren sich deshalb auf Aktien, die nicht am Ölpreis hängen: etwa auf den Mobilfunkanbieter MTS und auf ausgewählte Titel aus der zweiten Reihe. Diese jedoch sind nicht in ausreichender Stückzahl in Deutschland handelbar.

Was aber, wenn der Ölpreis stabil bleibt? Dann könnte der RTS zu nie gekannten Höhenflügen ansetzen. Einen Vorgeschmack, wie stark die russische Börse mittlerweile ist, hat der RTS durch sein Plus von über 60 Prozent im vergangenen Jahr schon gegeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%