Investoren ignorieren positive Konjunkturnachrichten
Enron-Konkurs zieht US-Börsen nach unten

Der Konkurs des Rohstoff- und Energiehändlers Enron und Selbstmordattentate im Nahen Osten warfen einen Schatten auf die Entwicklung an den New Yorker Börsen. Die US-Aktien rutschten am Montag trotz guter Nachrichten aus dem Verarbeitenden Gewerbe auf breiter Front in die Verlustzone.

wlr/kjo NEW YORK. Der Zusammenbruch von Enron und die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten haben zum Wochenauftakt an der Wall Street positive Konjunkturdaten überschattet und am Aktienmarkt für negative Vorzeichen gesorgt. Kopfzerbrechen bereiteten den Teilnehmern auch die finanziellen Schwierigkeiten Argentiniens. Ölwerte profitierten dagegen vom gestiegenen Rohölpreis. Allerdings befürchteten einige Analysten, dass die höheren Energiekosten die Erholung der US-Wirtschaft beeinträchtigen könnten. Entsprechend der negativen Stimmung entwickelten sich auch die Indizes. Der Dow-Jones-Index verlor bis zum Schluss rund 0,9 %. Der S&P-500-Index büßte ebenfalls 1 % ein, und der Nasdaq-Composite-Index sank um 1,3 %. Analysten erwarten weitere Rückschläge, wenn Anleger erkennen, dass die erhoffte Wende in der US-Wirtschaft länger als erwartet auf sich warten lässt.

Enron hatte bei einem New Yorker Gericht Konkursantrag unter dem Gläubigerschutz-Paragraphen gestellt. Damit zeichnet sich der größte Bankrott in der US-Geschichte ab. Der Enron-Kollaps setzte insbesondere Energie- und Bankentitel unter Druck. Im Energiesektor litt vor allem der Aktienkurs des ehemaligen Enron-Rivalen Dynegy. Enron verklagt den ehemaligen Übernahmeinteressenten wegen Vertragsbrüchigkeit auf 10 Mrd. $ Schadenersatz, nachdem die Firma in der Vorwoche von ihren Fusionsplänen Abstand genommen hatte. Dynegy hat ihrerseits Klage gegen Enron eingereicht, um die Rechte auf die Enron-Pipeline-Sparte Northern Natural Gas zu verteidigen. Dynegy-Aktien rutschten um 10,5 % ab. Enron konnten sich aufgrund vereinzelter spekulativ motivierter Käufe auf dem absolut niedrigen Niveau um 50 % verbessern.

Bei den Banken verloren vor allem die Kurse von J.P. Morgan Chase (- 3,2%) und Citigroup (- 2,1%). Investoren fürchten, dass die Kreditverluste der in den Enron-Zusammenbruch involvierten Bankhäuser größer als bisher erwartet ausfallen werden. Der Aktienkurs von J.P. Morgan Chase litt zudem darunter, dass ein Analyst des Investmenthauses Morgan Stanley Dean Witter sein Anlageurteil von "Outperform" auf "Neutral" gesenkt hatte. Als weiterer Belastungsfaktor für Banktitel erwies sich die finanzielle Situation Argentiniens. Händlern zufolge herrschte an den Finanzmärkten große Unsicherheit über die Auswirkungen des beschlossenen Maßnahmenpaketes des hoch verschuldeten Landes. Investoren fürchteten, das Land werde möglicherweise seine öffentlichen Schulden im Volumen von rund 132 Mrd. $ nicht zurückzahlen können.

Ein Lichtblick kam hingegen seitens der Konjunktur. Der von der Nationalen Vereinigung des Einkaufsmanagements (NAPM) veröffentlichte Index der Aktivität im produzierenden Gewerbe ist im November um knapp 5 Punkte auf 44,50 gestiegen. Obwohl diese Entwicklung die Erwartungen der Analysten übertraf, löste sie jedoch keinen großen positiven Impuls aus. "Die Zahlen waren einfach nicht gut genug, um einige negative Gefühle hier draußen zu überdecken", so Erik Gustafson, Portfolio-Manager bei Stein, Roe & Farnham.

Ölwerte fanden sich auf der Gewinnerseite. Die neuerliche Gewalt im Nahen Osten und eine mögliche Einigung der Opec mit Russland im Streit über eine Förderdrosselung ließen den Ölpreis deutlich anziehen. Exxon Mobil befestigten sich um 0,7 %, und Chevron Texaco notierten 1,6 % höher.

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