Investoren im Reich der Mitte klagen über Korruption und tarifäre Hemmnisse
WTO-Beitritt belebt das deutsche China-Geschäft

Deutsche Firmen in China rechnen mit einem kräftig steigenden Geschäft im Reich der Mitte - wohl wissend, dass sich der Wettbewerb verschärft und sich insofern das Umfeld verschlechtert. Dieses auf den ersten Blick widersprüchliche Bild ergeben zwei aktuelle Umfragen in Peking und in Schanghai.

mg PEKING/SCHANGHAI. In der jüngsten Umfrage, die die deutsche Kammer und das Handelsblatt alle drei Monate veranstalten, sagen 40 % der Firmen, die Geschäftsaussichten für die kommenden 12 Monate würden besser. Lediglich 4 % erwarten ein schwächeres Geschäft. Mit Blick auf die zurück liegenden drei Monate berichten 33 % von steigendem Geschäftsumfang, doch nur 8 % von sinkenden Umsätzen.

Wie ein krasser Widerspruch liest sich ein Satz in der zweiten Studie: "Die Hoffnungen auf eine Einschränkung der Korruption und einen Abbau nichttarifärer Hemmnisse sind jedoch merklich gedämpft", heißt es in der Auswertung einer Umfrage des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft in Schanghai, die von der DZ Bank AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank unterstützt wurde. Mehr noch: Viele der über 200 betroffenen deutschen Vertretungsbüros und Unternehmen in China gaben zu verstehen, dass sie eindeutig mit einer Verschärfung des Wettbewerbs auf Chinas Binnenmarkt sowie mit weiterer Liberalisierung rechnen.

Deutsche Investoren in China versuchen im Zuge sinkender Einfuhrzölle nach Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation/WTO mehr Importe ins Land zu bringen. Audi beispielsweise meint, seine Importe in China sollen 2002 um über 100 % steigen. Hier hilft, dass China wegen fortgesetzter Reformen einen wachsenden Importhunger hat. "Die Chinesen kaufen mehr, um im Wettbewerb fit zu sein", sagt Jörg Wuttke, Vorsitzender der deutschen Kammer in Peking.

Chinas Handelsüberschuss wird dieses Jahr schrumpfen, weil die Importe mit 7 % zwei Punkte schneller wachsen als die Exporte, sagt die chinesische Akademie CAITEC voraus. Die Studie des Delegiertenbüros in Schanghai soll auf der 9. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Tokio präsentiert werden. Sie belegt die wachsende China-Erfahrung deutscher Firmen. Der China-Umsatz von 14 % der befragten Unternehmen trägt zwischen 5 und 20 % zum Weltumsatz der Mutterhäuser bei, bei jedem zwanzigsten sind es mehr als 20 %.

Fast die Hälfte der Repräsentanzen und über zwei Drittel der Betriebe sind länger als fünf Jahre in China präsent. Das mit Abstand wichtigste Investitionsmotiv ist die Erschließung des Binnenmarktes. Die Produktion für Exportmärkte spielt eine eher untergeordnete Rolle. China scheint langsam sein Image als Billigstandort einzubüßen. Niedrige Kosten haben für die lokale Produktion im Gegensatz zu 1999 eine geringere Bedeutung, heißt es in der Studie, weil "die Kosten für die Unternehmen in den letzten Jahren gestiegen sind". Hier spielt die Steuerreform in China eine Rolle, bei der ausländische Investoren ihre Privilegien, zumindest bei neuen Engagements, einbüßen werden.

Unzufrieden sind deutsche Investoren in China mit lokalen Lieferanten, mit der Korruption sowie mit der mangelnden Rechtssicherheit. Lokale Partner in Joint Ventures leiden oft unter Engpässen in der Finanzierung - ein Hindernis, weil bei wachsendem Wettbewerb und explodierenden Vertriebskanälen Expansion angesagt ist.

Quelle: Handelsblatt

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