Investoren missfällt Mischstruktur aus Pharma- und Chemiegeschäft
Wall Street zweifelt an Bayer

Ob der Börsengang der Bayer AG am Donnerstag dieser Woche an der Wall Street ein Erfolg wird, ist fraglich. US-Fondsmanager haben laut den Ergebnissen einer Handelsblatt-Umfrage Zweifel an der Konzernstrategie.

NEW YORK. US-Fonds und Analysten stehen der Bayer-Strategie als Mischkonzern aus Chemie und Pharma kritisch gegenüber. "US-Investoren mögen keine Konglomerate aus Chemie und Pharma", sagte Sergio Traversa, Fondsmanager der Merlin Biomed-Group, dem Handelsblatt. Das größte Problem sehen befragte Fondsmanager darin, dass Anleger entweder Stabilität suchten und ihr Geld in Pharmawerte steckten. Oder sie investierten zyklisch und kauften die Aktien reiner Chemiekonzerne. Zudem, kritisiert Sven Borho, Partner und Fondsmanager von Orbimed Advisers, gebe es zu wenig Synergien zwischen den Sparten Pharma und Chemie.

Am Donnerstag soll die Bayer-Aktie erstmals an der New Yorker Börse notiert werden. Der Konzern will dadurch seine Aktionärsbasis in den USA vergrößern und die Aktie als Tauschwährung bei Zukäufen einsetzen.

Die meisten Konkurrenten von Bayer haben sich mittlerweile auf eines der Geschäfte konzentriert und sind damit auch den Forderungen des Finanzmarktes nachgekommen. Kernaufgabe von Bayer-Chef Manfred Schneider und Finanzvorstand Werner Wenning wird es daher sein, den US-Anlegern Sinn und Nutzen der Vier-Säulen-Strategie zu erklären. Schneider und sein designierter Nachfolger versuchen, mit einem vorsichtigen Umbau auf die Bedenken einzugehen, und machen aus dem Konzern eine Holding mit eigenständigen Gesellschaften. Es stehe aber nicht zur Debatte, Bayer auf Pharma oder auf Chemie zu fokussieren. Schneider führt als weiteres Argument gegen die Konglomeratskritiker die Risiken im Pharmageschäft an. Die Zeit der großen Gewinnspannen sei für die Branche wegen Patentabläufen und einer kostendrückenden Gesundheitspolitik vorbei. Deshalb will Bayer den Konzernmix aus Chemie und Pharma behalten.

Vor allem für die stark angeschlagene Pharmasparte muss Bayer schnell eine Lösung finden, fordert Sven Borho von Orbimed Advisers. Wegen des Wegfalls des Cholesterin-Senkers Lipobay und des für das Antibiotikum Ciprobay drohenden Patentablaufs fehle es dem Konzern an Wachstumskraft. "Ein Investment in Bayer würde nur Sinn machen, wenn sich der Konzern im Pharmageschäft mit einem erfolgreichen Konkurrenten zusammentut", sagte er. Bayer ist auf der mühsamen Suche nach einem solchen Partner.

Die befragten US-Fondsmanager gehen trotz allem davon aus, dass Bayer seine Konglomeratsstrategie mittelfristig ändern wird. "Die Schaffung einer Holding ist ein klares Zeichen dafür", sagte Sergio Traversa. Bei der Bewertung des Images von Bayer sind die US-Fondsmanager gespalten. Einerseits belaste der Skandal um Lipobay den Konzern. Bayer bestätigte am Wochenende, die Zahl der Todesfälle, die mit Lipobay in Verbindung gebracht werden, habe sich auf 100 verdoppelt.Das Risiko hoher Schadensersatzzahlungen bei den drohenden Prozessen in den USA wegen Lipobays hält Fondsmanager David Cooley von J W Seligman für überschaubar. Andererseits sei Bayer durch die starke Nachfrage nach dem Milzbrandmittel Ciprobay in den USA bekannter geworden.

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