Investoren nach Enron-Debakel zurückhaltend: Mischkonzerne wie Tyco skeptisch beäugt

Investoren nach Enron-Debakel zurückhaltend
Mischkonzerne wie Tyco skeptisch beäugt

Der US-Mischkonzern Tyco kämpft derzeit an mehreren Fronten: Weil das Elektronik-Geschäft schlecht läuft, wird Tyco im zweiten Quartals weniger verdienen. Zudem gerät der Konzern erneut wegen seiner Rechnungslegung ins Visier von Kritikern - nach dem Fall Enron sind US-Investoren sensibel geworden.

HB NEW YORK. Der US-Mischkonzern Tyco International Ltd. hat zwar im ersten Quartal seines Geschäftsjahres die Gewinn-Erwartungen der Analysten leicht übertroffen. Das Unternehmen mit Sitz auf den Bermudas warnte jedoch, dass das laufende zweite Quartal (Januar bis März) etwas schlechter ausfallen werde als erwartet. Für das Gesamtjahr hält der Konzern, der Alarmanlagen, Mülltüten und Medizintechnik produziert, an seinen Prognosen fest. Der Aktienkurs gab zum Handelsbeginn deutlich nach.

Der Gewinn vor Sonderposten stieg im ersten Quartal um 17 % auf 1,47 Mrd. $ oder 74 Cents pro Aktie. Der Umsatz stieg um ein Viertel auf 10,1 Mrd. $. Das gute Geschäft im Gesundheits- und im Sicherheitsbereich konnte Schwächen in der Elektronik-Sparte wettmachen. Allerdings werde der Gewinn im Elektronikgeschäft im zweiten Quartal um bis zu 25 % sinken, erwartet Tyco - Chef Dennis Kozlowski. Daher werde der Konzerngewinn nur zwischen 80 und 82 Cents pro Aktie liegen. Analysten waren von 86 Cents ausgegangen.

Den Ergebnissen war in den vergangenen Tagen eine Berg- und Talfahrt der Aktie vorangegangen. Am Freitag war der Kurs um 9 % auf knapp über 50 $ eingebrochen. Dafür waren zum einen Gerüchte verantwortlich, dass das für seine aggressive Aquisitionspolitik bekannte Konglomerat den Technologiekonzern Honeywell International kaufen wolle. Tyco hat die Spekulationen jedoch dementiert, die Aktie erholte sich darauhin. Kozlowski lehnt bekanntlich feindliche Übernahmen grundsätzlich ab.

Zum anderen schickten den Kurs Gerüchte über eine neue Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC in den Keller. Sie werfe Tyco Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung vor, hieß es. Die SEC Insight Inc., eine Research-Gesellschaft, die ihre Arbeit sich auf Dokumente der SEC stützt, hatte über eine neue Untersuchung gemutmaßt. Allerdings bestätigte die SEC dies nicht, Tyco wies die Spekulationen zurück. Die SEC hatte bereits im Jahr 2000 eine Untersuchung eingeleitet, die jedoch im vergangenen Juli eingestellt wurde, ohne dass Schritte gegen Tyco eingeleitet wurden.

Was auch immer an den Spekulationen dran ist: Die Marktreaktionen zeigen, wie sensibel die Investoren nach dem Enron-Debakel geworden sind. Nachdem der Energiekonzern aus Houston zahlungsunfähig geworden ist, wittern Marktbeobachter auch bei anderen umjubelten Unternehmen Gefahr. Jeder Hinweis auf Unregelmäßigkeiten oder Verschönerungen in den Bilanzen lässt Investoren aufhorchen. Dabei geraten auch Konglomerate wie Tyco, die unübersichtlich sind, ins Visier der Skeptiker.

"Investoren sind insgesamt skeptischer geworden", sagt Sam Stovall, Investment-Stratege von Standard & Poor's. Steven Wieting, Marktstratege bei der Investmentbank Salomon Smith Barney, schließt nicht aus, dass es auch in diesem Jahr noch böse Überraschungen bei den Krediten von Unternehmen geben wird. "Aber das Schlimmste haben wir hinter uns", gibt er sich überzeugt. Wieting will sich nicht auf bestimmte Unternehmen festlegen, aber er sieht Risiken auch bei anderen Rohstoffhändlern.

Marktbeobachter fragen etwa bei dem Energiehändler Calpine, ob das Unternehmen seine Bilanzen verschönert hat. Im Dezember hatte das "Wall Street Journal" kritisch über die Rechnungslegung bei Electronic Data Systems (EDS) berichtet. Das Unternehmen für Technologie- Beratung und Outsourcing hätte ähnlich wie Enron Transaktionen getätigt, die nicht in den Bilanzen auftauchen. EDS hat den Bericht jedoch empört zurückgewiesen.

Auch der Name Xerox fällt im Zusammenhang mit unkorrekter Rechnungslegung immer wieder. Der Hersteller von Kopiermaschinen musste bereits seine Bilanzen für die Jahre 1998 und 1999 revidieren. Und erst vor einer Woche hat sich Xerox gegenüber der SEC erneut äußern müssen, um seine Verbuchung von geleasten Ausrüstungen zu rechtfertigen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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