Investoren noch zu optimistisch
Stürmischer Dezember in Sicht

Nach einer Serie schwacher gesamtwirtschaftlicher Daten und Umsatz-Enttäuschungen vor allem in der Computer-Branche geht an der Wall Street die Angst vor einer Rezession um. Besonders bei den Technologie-Aktien gab es erneut schwere Einbrüche. Hoffnungen auf eine Besserung sind nur vage.

hus NEW YORK. Es war ein trauriger Monat für Technologie-Aktien. Der Sammelindex der Nasdaq hat im November 23 % seines Wertes eingebüßt und ist allein in der vergangenen Woche um 9 % gefallen. Die Erholung zum Wochenschluss blieb schwach. Nach Ergebniswarnungen bei Computerhersteller Gateway und beim Chip-Produzenten Altera sind vor allem Computerwerte eingebrochen. Branchen-Analysten folgten mit einer ganzen Serie von Abwertungen. Angesichts einer Reihe schwächerer gesamtwirtschaftlicher Daten bezweifeln viele Experten, dass die Talfahrt ein Ende hat. Belastend wirkt auch weiterhin, dass noch immer nicht klar ist, wer Präsident wird.

Quartalsergebnisse gehen drastisch zurück

"Ich glaube nicht, dass das schon das Ende war", meinte Investmentfondsmanager Kurt Schansinger von der Merrill Lynch Vermögensverwaltung zu den jüngsten schweren Kursverlusten. Mit Bezug auf die revidierte gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate von 2,4 % sagte er: "Das Wirtschaftswachstum hat sich viel rascher verlangsamt als angenommen. Das bedeutet, dass die Quartalsergebnisse der Konzerne noch drastischer zurückgehen." Veränderte gesamtwirtschaftliche Daten würden sich nämlich auf die Ergebnisse mit einem Hebeleffekt auswirken, erläutert Schansinger. Steige das gesamtwirtschaftliche Wachstum, verbesserten sich die Gewinnzahlen der Unternehmen noch rascher. Gehe dagegen die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate zurück, sackten die Unternehmensgewinne wesentlich drastischer ab. Nachdem sich die Wachstums-Rate der US-Wirtschaft innerhalb eines Quartals praktisch halbiert hat, schätzt Schansinger die Gefahr einer Rezession zwar immer noch als gering ein. "Aber wir erwarten eine Rezession bei den Unternehmensgewinnen, das ist jetzt der wesentliche Punkt."

Rezession in einzelnen Branchen möglich

Auch Markstratege Peter Cardillo von der Vermögensverwaltung Westfalia Investments verwendet den Begriff Rezession noch unter Vorbehalt. "Ich glaube nicht, dass es so schlimm kommt", sagt er, "allerdings könnten wir eine Rezession in einzelnen Branchen haben." Damit meint er vor allem den Technologie-Sektor. "Wir erleben an den Aktienmärkten derzeit eine Kapitulation", sagte er, "Gewinnwarnungen, Meldungen von einer Abkühlung der Wirtschaft, alles kommt zur gleichen Zeit." Auslöser für eine Wende könnte von der US-Zentralbank kommen, wenn sie bei ihrer nächsten Sitzung am 19. Dezember einen neutralen Standpunkt einnimmt, und im Frühjahr die Zinsen senkt.

Zuwachsraten rückläufig

"In sechs Monaten stehen wir viel besser da als heute", hofft Chefhändler Art Hogan vom Brokerhaus Jefferies & Co. "Dann haben die Investoren gesehen, dass wir keine Rezession erleben und dass sich das Wirtschaftswachstum stabilisiert hat." Bis es so weit kommt, stehen nach der Ansicht vieler Wall Street-Experten weiterhin rauhe Zeiten bevor. "Der Dezember wird hässlich", meint Fondsmanager Schansinger. Viele Investoren seien besonder bei High-Tech-Aktien immer noch zu optimistisch. "Keiner will es glauben", sagt Schansinger.

Das Forschungsinstitut First Call hat seine Gewinn-Erwartungen für die kommenden beiden Quartale bereits nach unten revidiert. Anstatt mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von rund 15% rechnet es nur noch mit Zuwachsraten um die 10 %. Die hohen Kurse bei den Technologie-Aktien waren auf der Annahme begründet, dass sich das Gewinn-Wachstum dieser Werte beschleunigt. "Eine echte Verbesserung der Lage sehen wir allenfalls in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres", meint Schansinger.

Konsumwerte als Kauf-Tipp

"Ich halte etwa ein Drittel des Geldes in Rentenpapieren, 60 % sind in Aktien investiert", erläutert er. Im derzeitigen Umfeld empfiehlt er vor allem Werte des täglichen Konsumbedarfs wie Kimberly Clark, - Anheuser Bush oder Avon. Außerdem rät er zu Werten aus der Verteidigungs-Industrie und Pharma-Aktien wie American Home Products.

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