Investoren offenbar mit Greenspan zufrieden
Rally an der Wall Street

Die Wall Street legte heute einen kleinen Zwischenspurt hin. Vor allem Technologietitel konnten deutliche Kursgewinne verbuchen. Dabei sah die Nachrichtenlage zu Handelsbeginn nicht besonders rosig aus. Reihenweise Firmen hatten ihre Prognosen für die nächsten Monaten reduziert. Frei nach dem Motto "buy on bad news" standen die großen Indizes im Plus. Einen Tag nach der neunten Zinssenkung im laufenden Jahr sind Investoren offenbar mit der Entscheidung von Alan Greenspan zufrieden.

wsc NEW YORK. Zusätzliche Unterstützung für die Märkte kommt zur Wochenmitte von George W. Bush. Der US-Präsident hat in den frühen Mittagsstunden eine Rede vor führenden Wirtschaftsvertretern in New York gehalten. Offenbar sind der Kongress und das White House bereit, zusätzlich 60 bis 75 Mrd. $ in die amerikanische Wirtschaft zu pumpen.

Zu den größten Gewinnern gehören Finanztitel. Merrill Lynch sieht bei Banken und Brokern gute Einstiegsmöglichkeiten. Unterbewertet seien vor allem die Aktien von Citigroup , Mellon Financial , Bank of New York und J.P. Morgan . Einzelhandelswerte können trotz mäßiger Nachrichten ebenfalls zulegen. Beide Bereiche gelten als besonders zinssensitiv.

Weniger erfreulich sieht die Nachrichtenlage für das Pharmaunternehmen Eli Lilly aus. Lilly hat seine Gewinnschätzungen für die Fiskaljahre 2001 und 2002 drastisch gekürzt, unter anderem weil Anfang August der Patentschutz für das Antidepressivum Prozac ausgelaufen ist und die Verkäufe seither rückläufig sind. Die Deutsche Bank Alex Brown stützt Eli Lilly mit einer "Kaufempfehlung"; die Analysten meinen, die Gewinnerwartungen des Konzerns seien ohnehin überzogen gewesen. Eli Lilly verliert im Handelsverlauf über 5 % an Wert.

Am Dienstag nach Börsenschluss hat der Netzwerkanbieter Nortel eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Das kanadische Unternehmen erwartet im dritten Quartal einen Verlust von 3,6 Mrd. $ oder 1,13 $ pro Aktie. Um künftig Kosten zu sparen, wird Nortel 20 000 Mitarbeiter entlassen. Der Wert der Nortel Aktie gibt um rund 2 % nach.

Rund 16 % legt das Papier des Online-Reisebüro Priceline.com zu. Goldman Sachs hat das Unternehmen aufgewertet; die Analysten sehen Priceline.com eher in der Lage, sich von dem Markteinbruch nach den Ereignissen des 11. September zu erholen als die Mitbewerber. Das Management von Priceline.com sieht den Umsatz im dritten Quartal auch nach den Terror-Angriffen auf World Trade Center und Pentagon im oberen Bereich seiner ursprünglichen Schätzungen von 280 Mill. bis 300 Mill. $. Die Konsensschätzung der Wall Street Analysten hatte zuletzt auf einen Umsatz von 287 Mill. $ gedeutet. Im Vorjahresquartal hatte Priceline.com einen Umsatz von 341 Mill. $ ausweisen können.

Einen großen Tag hat am Mittwoch die Deutsche Bank . Das größte europäische Bankhaus hat am Tag der Deutschen Einheit seinen Börsengang an der New York Stock Exchange. New Yorks Bürgermeister Rudy Giuliani begrüßte Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer am Morgen an der Wall Street und lobte den Schritt. "Es ist sehr wichtig, dass die Deutsche Bank jetzt Vertrauen in den Finanzplatz New York demonstriert", sagte er. Die Deutsche Bank bringt New York allerdings nicht nur Vertrauen entgegen, sondern auch einen dicken Scheck. Mit 9 Mill. $ unterstützt das Unternehmen den Wiederaufbau der Stadt nach den Terror-Attacken des 11. September. In den ersten Handelsstunden haben rund 240 000 Deutsche Bank Aktien ihren Besitzer gewechselt. Im Vergleich dazu wurden von Blue Chip J.P. Morgan über fünf Millionen Aktien gehandelt.

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