Investoren sehen positive Veränderungen in Deutschland
Diskussion um Reformen bewegt die Börsen

In den vergangenen Wochen ist der Dax stetig gestiegen. Händler machten dafür neben dem zunehmenden Konjunkturoptimismus in den USA die Spekulationen um ein Vorziehen der Steuerreform in Deutschland verantwortlich.

DÜSSELDORF. Es gibt politische Entscheidungen, die bewegen die Aktienmärkte: Als Oskar Lafontaine am 11. März 1999 als Finanzminister zurücktrat, stieg der Deutsche Aktienindex (Dax) in wenigen Sekunden um gut 7 %. Die Investoren fassten Mut, dass der Standort Deutschland attraktiver wird.

Weniger sprunghaft, dafür stetig stieg der Dax in den vergangenen Wochen. Händler machten dafür neben dem zunehmenden Konjunkturoptimismus in den USA die Spekulationen um ein Vorziehen der Steuerreform in Deutschland verantwortlich. Wenn die deutschen Verbraucher schon 2004 gut 18 Milliarden Euro mehr in den Taschen haben, könnte das den Konsum und damit auch die Konjunktur ankurbeln, so die Argumentation.

Sind weitere Kurszuwächse zu erwarten, wenn das Bundeskabinett dem Wunsch von Kanzler Gerhard Schröder folgt und die Steuerreform tatsächlich vorzieht? Unmittelbar nicht, meinen Analysten übereinstimmend. Allerdings würde eine spürbare Steuerentlastung das bisherige Deutschland-Bild im Ausland - "reformunfähig" - ins Wanken bringen. Das dürfte dann den Anteil deutscher Aktien in ausländischen Depots erhöhen. Dieser war in den USA, Großbritannien und Japan in den letzten Jahren dramatisch gesunken.

Roland Ziegler von der ING BHF-Bank zweifelt indes daran, dass die Kursanstiege der vergangenen Wochen mit den Steuerreform-Gerüchten in Zusammenhang stehen. "Im Nachhinein werden gute Zahlen oder Ereignisse gern als Erklärung für Kurszuwächse angeführt. Doch positiv wie negativ vollziehen deutsche Aktien seit Jahrzehnten nach, was die US- Börsen vorgeben", sagt Ziegler. Auf inländische Ereignisse würden die Kurse dagegen kaum reagieren. Die Zuwächse gingen wohl eher darauf zurück, dass Investoren die Konjunkturperspektiven optimistischer sehen. "Die Stimmung hat sich verändert. Es gibt Hinweise, dass wieder mehr Geld in Aktien fließt", meint Nigel Cobby von J.P. Morgan.

Für Bernd Janssen von UBS Warburg reichen die Reformbemühungen in Deutschland derzeit nicht aus, um Aktienumschichtungen zu Gunsten Deutschlands zu bewirken. "Im Vergleich zu den Reformanstrengungen in anderen Ländern Europas steht Deutschland immer noch ganz unten", sagt Janssen. "Deutschland hat Probleme und kann sie nicht bewältigen. Wenn diese bei Angelsachsen übliche Sichtweise aufgebrochen wird, dann ist das gut für deutsche Aktien. Die Kurse deutscher Aktien steigen allerdings nur dann, wenn die Börsen ohnehin nach oben d

rängen", schränkt Ziegler ein. Die Steuerreform gibt den Börsen demnach allenfalls einen zusätzlichen Schub.

So begrenzt die Auswirkungen auch sein mögen, die damit verbundene Reformdiskussion trägt dazu bei, die Aufmerksamkeit internationaler Investoren wieder stärker auf Deutschland zu lenken. Wer das Land bislang mit "Bärenstimmung" betrachtet habe, könne seine Meinung nun möglicherweise ein wenig ändern - und das dürfte dann auch dem Aktienmarkt zugute kommen, fasst das Aktienteam um Rolf Elgeti bei Commerzbank Securities in London zusammen. Demnach lasse das Feedback der Angelsachsen in den letzten Wochen vermuten, dass der internationale Investor möglicherweise wieder nach Deutschland zurückkehrt.

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