Investoren setzen auf defensive Titel
Technologie-Aktien gelten immer noch als zu teuer

Technologie-Aktien sind nicht billig. Davon jedenfalls sind Investmenthäuser überzeugt. Sie setzen deshalb wieder überwiegend auf defensive Branchen.

DÜSSELDORF. Zwischen Ernüchterung und Enttäuschung schwanken die Reaktionen der Anleger auf die jüngsten Quartalszahlen in den USA und in Europa. "Per Saldo schneiden US-Unternehmen etwas besser als europäische Firmen ab", meint HSBC-Stratege Klaus Lüpertz. Angesichts häufiger Ergebniseinbrüche und verhaltener Aussichten vor allem bei Technologie-Aktien setzen Investmenthäuser deshalb wieder überwiegend auf defensive Branchen. Die bisherige Devise, wonach High-Tech am meisten von einer Konjunkturerholung profitiert, spricht kaum noch einer aus.

Die Zahlen der Telekom-Ausrüster belegen, dass die Branche noch nicht vor der erhofften Bodenbildung, geschweige vor einem neuen Aufschwung steht. Nokias gesenkte Prognosen und Ericssons Äußerungen, 2002 keinen Gewinn zu erwirtschaften, lassen sogar eine Fortsetzung des Crashs bei Aktien der Mobilfunkanbieter befürchten. Denn trotz der Talfahrt - Nokia notiert 75 % unter dem Höchstkurs - sorgen sich Analysten über die hohen Bewertungen. "Aktien sind nicht billig. In den USA sind die Bewertungen am oberen Level angekommen", meint Lüpertz.

Für M.M. Warburg sind Technologie-, Medien- und Telekommunikations-Werte immer noch zu hoch bewertet, nachdem die Gewinnrevisionen in dieser Branche am stärksten ausfielen. Trotz verbesserter konjunktureller Rahmenbedingungen seien die Prognosen wohl immer noch zu ambitioniert.

Auch dem SEB-Strategen Hans-Peter Ewert sind die Bewertungen vieler Aktien, bezogen auf ihre langjährigen Durchschnitte, "deutlich zu hoch". Um die Märkte in so einer Situation zu beflügeln, seien viele positive Überraschungen der Unternehmen nötig. Bislang seien die Aussagen in den Quartalsberichten aber sehr widersprüchlich. Wenig optimistisch stimmt Ewert auch das konjunkturelle Umfeld: Die US-Wirtschaft sei durch die niedrige Sparquote, das enorme Leistungsbilanzdefizit und den hohen Dollarkurs belastet. Die bisherige Stütze der Wirtschaft, der private Verbrauch, könne den kommenden Aufschwung nicht wesentlich beflügeln, weil Verbraucher "über ihre Verhältnisse" lebten. Die Erwartungen der Finanzmärkte seien übertrieben. Der SEB-Stratege empfiehlt deshalb nur Aktien zum Kauf, die durch "gute Fundamentaldaten" abgesichert seien. Hierzu zählt er BMW und FMC in der ersten Reihe sowie Bilfinger + Berger, Jenoptik, Stada und Wella aus dem MDax.

Die gebeutelten Technologiewerte dürften nach Ansicht der Hypo-Vereinsbank erst dann die Kraft zu einer nachhaltigen Outperformance (bessere Entwicklung als der Gesamtmarkt) haben, wenn sich das Gewinnumfeld stabilisiere und bei Anlegern die Skepsis weiche. Anleger sollten sich auf konjunkturzyklische Branchen wie Automobil konzentrieren und auf BMW, Porsche und Daimler-Chrysler setzen.

Einzig Chipaktien genießen unter den High-Techs das Vertrauen der Analysten. Grund sind die positiven Quartalszahlen. So übertraf Infineon die Erwartungen deutlich und bestätigte zugleich den Aufwärtstrend. STM-Chef Pasquale Pistorio wagte sogar die Vorhersage eines zehnprozentigen Anstiegs der Erlöse gegenüber dem Vorquartal. Er sieht eine stärkere Nachfrage bei nahezu allen Endabnehmern. Optimismus und Mut werden belohnt. In den vergangenen 30 Tagen empfahlen 19 Investmenthäuser STM zum Kauf, drei rieten zum Verkauf. Bei Infineon ist das Verhältnis mit 21 zu 5 fast ebenso günstig.

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