Investoren setzen auf Firmen mit Pharma-Entwicklung
Aktienkrise macht Druck auf Biotech-Industrie

Die anhaltende Börsenschwäche und die damit verbundene Vorsicht der Investoren wird den Umbau der deutschen Biotech-Industrie vorantreiben. Davon gehen Experten bei Wagniskapitalgebern und Unternehmensberatungen aus.

DÜSSELDORF. Die anhaltende Börsenschwäche und die damit verbundene Vorsicht der Investoren wird den Umbau der deutschen Biotech-Industrie vorantreiben. Davon gehen Experten bei Wagniskapitalgebern und Unternehmensberatungen aus. Weil Geldgeber nach dem Ende der Börseneuphorie im vorigen Jahr wesentlich kritischer geworden sind, stehen Biotech-Firmen nun unter Druck: Sie müssen schneller beweisen, dass ihre Geschäftsmodelle funktionieren.

"Für einige Biotech-Unternehmen wird 2001 ein hartes Jahr, denn der komfortable Zugang zum Kapitalmarkt fehlt", sagt Frank Külzer, Leiter des Life-Science-Geschäfts bei der Wagniskapitalgesellschaft TFG Venture Capital AG. In diesem Jahr versuchte bislang nur ein Biotech- Unternehmen, die Zentaris AG , den Gang an die Börse - und scheiterte prompt. Die Skepsis der Investoren zeigt sich auch an den starken Rückgängen der Aktienkurse der 21 gelisteten deutschen Biotechfirmen.

Zwar herrscht bei den meisten Firmen auf absehbare Zeit noch kein Kapitalmangel. Doch nach Ansicht von Biotech-Experte Külzer brauchen die jungen Unternehmen für den nächsten Wachstumsschub lebensfähige Businessmodelle, die sich früh am Markt beweisen. Aus seiner Sicht müssen die Firmen zum Überleben vor allem profitorientierter werden sowie auf wenige Produkte fokussiert und flexibel sein. "Für Investoren zählt mehr denn je, dass geplante Produkte in absehbarer Zeit erfolgreich an den Markt gebracht werden können", sagt Külzer. Sie wollen kurzfristig Umsatz und Gewinne sehen.

Marktdruck führt zu Mischformen

Dabei wird sich die deutsche Biotech-Branche von reinen Technologiefirmen zu Unternehmen wandeln, die an Arzneimitteln oder an Wirkstoffen forschen. "Reine Technologiefirmen werden es schwer haben, sei es an der Börse, oder bei Wagniskapitalgebern", schätzt Julia Schüler von der Ernst & Young-Unternehmensberatung - es sei denn, sie haben eine so starke Marktstellung wie etwa Qiagen. Denn die Gewinnspannen der Technikzulieferer sind wesentlich geringer als bei Firmen, die in der Entwicklung von Pharmaprodukten tätig sind. Bei den von TFG mit Kapital ausgestatteten Firmen arbeiten 90 % in diesem lukrativen, aber auch risikoreichen Segment. Investoren bevorzugen Biotechfirmen, die selbst in die Pharma-Entwicklung tätig sind: In den USA gehören acht von zehn der höchstbewerteten Unternehmen der Branche zu diesem Segment. "Dieser Trend zeichnet sich auch in Deutschland ab", sagt TFG-Manager Külzer.

Unter dem Druck des Marktes wandeln sich immer mehr Firmen hin zu Mischformen aus Technikanbietern und Pharma-Entwicklern, indem sie Unternehmen zukaufen oder Kooperationen eingehen. Dabei nimmt nicht nur die Zahl der Allianzen mit großen Pharmakonzernen zu, sondern auch die der Kooperationen mit anderen Biotechs. Die Firmen bilden so Plattformen zur Wirkstoffsuche und Arzneimittelforschung - Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit der Morphosys AG und der GPC Biotech AG .

Firmen sind auf Partner angewiesen

Biotechfirmen sind mehr denn je auf Partner angewiesen. Denn sie müssen den Spagat schaffen zwischen der sehr aufwendigen Arzneimittel-Forschung und dem von Investoren geforderten, schnellen Erfolg. "Für die Bewertung an der Börse spielt die Zahl der Allianzen einer Biotechfirma eine große Rolle", sagt Julia Schüler von Ernst & Young. "Kooperationen mit Pharmakonzernen zeigen, wie interessant die Produkte der Firmen am Markt sind - und dass sie damit Geld verdienen können", ergänzt Külzer.

Nur wenige deutsche Biotechfirmen haben Erfolg versprechende Pharmaprodukte in der späten Entwicklungsphase. Schüler erwartet, dass unter diesem Druck die Fusionen und Übernahmen in der Branche noch deutlich steigen werden.

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