Investoren sind skeptisch
Auf die Deutsche Bank wartet bei Scudder viel Arbeit

Obwohl das Geschäft noch nicht in trockenen Tüchern ist, sorgt der zwischen der Deutschen Bank und dem Schweizer Finanzkonzern Zurich Financial Services geplante Deal schon jetzt für Gesprächstoff.

FRANKFURT. Der Tausch der profitablen und rasant wachsenden Versicherungstochter Deutscher Herold - obendrein versüßt mit dem Finanzvertrieb Bonnfinanz und einer Barzahlung von mehr als einer Milliarde US-Dollar - gegen den schwächelnden US-Vermögensverwalter Zurich Scudder Investments sorgt bei Investoren für Skepsis.

Denn auf den ersten Blick erscheint das Geschäft nur für die Schweizer attraktiv: Mit dem Deutschen Herold verschaffen sie sich im Geschäft mit der privaten Altersvorsorge in Deutschland eine geradezu ideale Ausgangsposition. Bei der Deutschen Bank muss dagegen hinter den strategischen Sinn noch ein Fragezeichen gesetzt werden. Zwar würde sie mit Scudder unter die Top Five der weltweit größten Vermögensverwalter vorstoßen, aber der US-Vermögensverwalter gilt derzeit als Problemfall.

Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres kam es zu Verlusten. Diese wurden begleitet von einem schmerzhaften Rückgang des verwalteten Vermögens. Darüber hinaus nimmt die Unruhe in der Belegschaft zu. Führende Mitarbeiter verlassen die Gesellschaft. Die Grabenkämpfe zwischen den Mitarbeitern der alten Scudder und Kemper, die vor drei Jahren zusammengelegt wurden, dauern bis heute an.

Sollte die Deutsche Bank mit ihrem Angebot erfolgreich sein, müsste sie strategischen Weichenstellungen bei Scudder oberste Priorität geben. Denn die Zurich-Gruppe bekam die Probleme bei ihrem Sorgenkind nicht in den Griff. Dass es der Deutschen Bank gelingt, dafür spricht ihre Erfahrung aus der erfolgreichen Integration von Bankers Trust. Die US-Bank galt vor Bekanntgabe der Übernahmepläne im November 1998 ebenfalls als ein Problemfall. Hohe Verluste führten damals an der Wall Street zu Gerüchten über eine drohende Insolvenz. Bereits zwei Jahre später steuerte Bankers Trust einen bedeutenden Anteil zu den Konzernerträgen der Deutschen Bank bei. Die Frankfurter haben also schon einmal bewiesen, dass sie einen angeschlagenen Kahn rasch wieder flott bekommen können. Die Chancen dafür stehen auch bei Scudder nicht schlecht, zumal die Vermögensverwaltung eher zum Kerngeschäft einer Bank zählt als zu dem einer Versicherung. Dies unterstrich Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer erst gestern wieder.

Die Trennung vom Deutschen Herold mag zwar schmerzhaft sein, doch mittelfristig passt er nicht in die Konzernstrategie: Die Deutsche Bank strebt eine offene Architektur an. Ihre Angebotspalette will sie mit Produkten anderer Finanzdienstleister ergänzen. Mit der Zurich-Gruppe erhält sie einen Lieferanten, der bei Versicherungsprodukten in Europa einen guten Namen hat. Im Gegenzug baut sie mit Scudder ihre Vermögensverwaltung deutlich aus. Die Transaktion hat also durchaus Charme. Doch davon muss die Deutsche Bank ihre Investoren erst überzeugen. Neben einem eisernen Besen bei Scudder könnte dabei auch eine Beteiligung an der Zurich-Gruppe hilfreich sein, um den strategischen Führungsanspruch in der Allfinanz-Kooperation zu untermauern. Die fünf Prozent, die Fonds der Deutschen Bank an Zurich halten sollen, reichen dafür nicht aus.

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