Investoren sind weltweit verunsichert
Jahrestag des 11. September lastet auf den Börsen

Die Angst vor neuen Anschlägen drückt auf die Aktienkurse. Auch die Umsätze sinken, denn die Investoren warten den Gedenktag ab. Doch auch der drohende Irak-Krieg lähmt die Börsen.

HB NEW YORK/DÜSSELDORF. Nervosität beherrscht im Vorfeld des ersten Jahrestages der Terroranschläge auf die USA weltweit die Börsen. Die Angst vor neuem Terror, aber auch vor einem Krieg im Irak ließ die Kurse zum Wochenauftakt kräftig zurückfallen. Analysten und Händler sind sich sicher, dass auch die kommenden Tage keine Erholung bringen.

"Diese Woche wird von 11.-September-Zeremonien bestimmt sein, und auch der Irak steht im Mittelpunkt", sagt Larry Wachtel, Markt-Analyst des Investmenthauses Prudential Securities. Investoren seien extrem vorsichtig.

Stephen Porpora vom Brokerhaus William O?Neill sagt einen "nüchternen Tag mit leichtem Handelsvolumen" voraus. Schon die vergangenen Tage wiesen in diese Richtung: An den großen Börsenplätzen wie New York, London, Paris und Frankfurt lag das tägliche Handelsvolumen um ein Drittel unter den Werten von Mitte August. Heute und am 11. September dürfte sich der Trend noch weiter verstärken. "Viele Menschen wollen den Toten den nötigen Respekt zollen und an dem Tag nicht nur an Geld denken", sagt der Senior-Aktienstratege der Investmentbank Salomon Smith Barney, Tobias Levkovich.

Trauerminuten an europäischen Börsen


Die Börsen in New York werden am Mittwoch erst nach der offiziellen Trauerfeier um 11 Uhr öffnen - anderthalb Stunden später als sonst. Die europäischen Börsen riefen zu Trauerminuten auf.

"Zwei Wochen vor und nach dem Jahrestag wird sich der Handel dahinschleppen. Erst dann können wir mit einer Erholung rechnen, sofern nichts Schlimmes passiert", sieht HSBC-Stratege Klaus Lüpertz die Börsen in Warteposition. Zwar hält Lüpertz wie viele seiner Kollegen die meisten Aktien nach den kräftigen Kursrückgängen für angemessen bewertet. "Doch fundamentale Aussagen haben in der jetzigen Situation kaum Gewicht. Jeder schaut auf die Stimmung, und alles ist von der Psychologie belastet", meint der HSBC-Stratege.

So verfolgten etwa Investoren gestern Nachrichten aus Heidelberg, wo am Wochenende zwei mutmaßliche moslemische Extremisten mit geplanten Anschlägen in Zusammenhang gebracht worden waren, mit Sorge. "In der ohnehin nervösen Stimmung können auch kleinere Meldungen Kurssprünge auslösen", sagte Maria Kopitzki von der Bankgesellschaft Berlin.

Die Kurse geraten auch deshalb unter Druck, weil sich die Versicherer mehr und mehr von der Börse zurückziehen. Dieser Trend wird sich eher noch verstärken, schreibt Allianz-Vorstand Paul Achleitner in einer Studie über die Folgen der Terrorattacken, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Der Gesamtschaden der Versicherungsbranche infolge der Anschläge wird auf 100 Mrd. Dollar geschätzt. Neben den direkten Zahlungen nach den Anschlägen haben die Versicherer Einbrüche bei den Kapitalanlagen zu verkraften. Die Anbieter wollen deshalb ihre Risiken begrenzen: durch Risiko-Ausschlüsse in Verträgen und eine Verlagerung der Anlagestrategie auf Staatsanleihen.

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