Investoren spekulieren auf potenzielle Mitglieder der neuen Dax-Familie – Deutsche Börse entscheidet erst im Februar über Teilnehmer
Repower profitiert von Indexumstellung

Welches Unternehmen kommt in welchen Dax? Diese Frage beschäftigt die Börsianer weit vor der offiziellen Entscheidung. Schon jetzt zeichnen sich eine Reihe von Neue-Markt-Werten als Gewinner der Reform ab.

FRANKFURT/M. Noch ist es über zwei Monate hin, bis der Arbeitskreis Aktienindizes über die Zusammensetzung der neuen Indexwelt entscheidet. Doch bereits jetzt positionieren sich Unternehmen und Vermögensverwalter, um vor der endgültigen Entscheidung, die etwa Mitte Februar erwartet wird, richtig aufgestellt zu sein. Erste Tendenzen zeichnen sich ab. So haben nach Aussagen von Rainer Riess von der Deutschen Börse bereits in der ersten Woche, in der die Zulassung zum neuen Prime Standard beantragt werden konnte, über 70 Unternehmen einen entsprechenden Antrag eingereicht. "Eine sehr erfreuliche Zahl", sagte Riess bei der German Mid Cap Conference. Die von der Börse angedeutete Zahl von etwa 300 Unternehmen im Prime Standard könnte damit sogar übertroffen werden.

Der Grund für die hohe Zahl an Anträgen zum Prime Standard ist einfach: Nur so besteht die Möglichkeit, dass ein Unternehmen in einen Auswahlindex aufgenommen werden kann. Zumal dort die begehrten Plätze weniger werden, auf die sich das Gros der institutionellen Anleger konzentriert. Nicht die offiziell von der Deutschen Börse genannten 210 Titel aus Dax, MDax, SDax und Nemax 50 erscheinen den Investoren interessant, sondern lediglich 110. Die jeweils 50 Titel im SDax und Nemax 50 haben für sie nur noch untergeordnete Bedeutung.

Innerhalb der Wertigkeit differenzieren Investoren noch einmal. Dabei kann der Dax seine führende Stellung noch ausbauen, während der MDax vor allem wegen der Verkleinerung von 70 auf 50 Werte qualitativ profitieren dürfte. Ein gewisser Abstand tut sich allerdings zum Tec-Dax auf. "Es besteht derzeit kein Bedarf zur Auflegung neuer Produkte auf den Tec-Dax am Markt" sagt Andreas Heinrichs, Vorstand von Vontobel Securities. Bereits heute investierten manche Tech- Fonds bis zu 80 % ihrer Gelder an der Nasdaq. "Es wäre schon etwas erreicht, wenn hier künftig ein gewisser Kapitalrückfluss zu beobachten wäre", sagt Heinrichs.

Trotzdem gibt es etliche Unternehmen, deren Aktien durch eine Aufnahme in den TecDax einen deutlichen Schub erfahren könnten. Waren sie doch vorher in keinem Auswahlindex vertreten. Nach dem Ende Oktober vorgelegten vorläufigen Szenario wären BB Medtech, Bechtle, Web.de, Rofin Sinar, Repower und Macropore dort vertreten. Seitdem sie als potenzielle Aufstiegskandidaten gehandelt werden, haben einige unter ihnen bereits deutlich zugelegt. Den größten Sprung mit einem Plus von über 30 % machte die Repower-Aktie. Dazu trugen aber auch die zuletzt überzeugenden Zahlen bei, nach denen der Hamburger Windenergie-Spezialist sogar die geplanten 220 Mill. Euro Jahresumsatz übertreffen könnte.

Ähnlich sieht es mit den potenziellen Aufstiegskandidaten in den MDax aus. Hier war die Nürnberger Beteiligungs AG bisher in keinem Auswahlindex vertreten. Aber auch der mögliche Wechsel von Medion und Thiel Logistik aus dem Nemax 50 in den MDax macht die Aktien bei Investoren interessanter. Dafür müssen aber auch die Unternehmenszahlen stimmen. Während Medion bei Vorlage des Szenarios auch wegen hervorragender Neun- Monats-Zahlen ein Plus von 13 % schaffte, ging es mit der Thiel-Aktie nach unten. Hier müssten zuerst die positiven Prognosen verifiziert werden, sagt Heino Heimann von der Nord LB.

Schwierig dürfte die Situation für diejenigen Unternehmen werden, die lediglich den unterhalb des Prime Standard angesiedelten General Standard anstreben. Der hat lediglich Venture- Capital-Charakter, glaubt Andreas Heinrichs. "Zumindest kurzfristig interessiert sich dafür niemand", sagt der Vontobel Securities-Vorstand.

Quelle: Handelsblatt

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