Investoren stehen zum Regionalflugzeugprojekt
Fairchild Dornier sucht Landebahn

Fairchild Dornier hat immer noch nicht den gewünschten Partner an Bord. Die Lage spitzt sich weiter zu. Der in Finanznöte geratene Hersteller von Regionalflugzeugen verbraucht jeden Monat 50 Millionen Dollar. Selbst der Aufsichtsratschef Chuck Pieper musste eingestehen: "Die Situation ist kritisch."

mwb OBERPFAFFENHOFEN. Wenn bei einem Rollout ein neues Flugzeug vorgestellt wird, ist ungetrübte Partystimmung angesagt. Nicht so in Oberpfaffenhofen bei der Vorstellung des 70-sitzigen Regionaljets 728 von Fairchild Dornier: "Die Situation ist kritisch", musste Aufsichtsratschef Chuck Pieper eingestehen. Monatlich verbrennt das Unternehmen derzeit nach seiner Aussage 50 Mill. $. Wie lange das Geld noch reicht, sagte Pieper nicht. Das Unternehmen verhandelt derzeit mit "mehr als vier" möglichen Partnern. "Wir wollen so schnell wie möglich zu einem Abschluss kommen", sagte Pieper. Es gebe aber keinen festen Termin.

Als mögliche Interessenten gelten der US-Konzern Boeing, der kanadische Konkurrent Bombardier und der US-Hersteller Beechcraft, der zum Raytheon-Konzern gehört. Als Favorit für den Einstieg gilt in Luftfahrtkreisen eindeutig Boeing. Der weltgrößte Flugzeugbauer hat sein Interesse offiziell noch nicht bestätigt, aber auch mit noch keiner Silbe dementiert. Offensichtlich zieht sich der Abschluss der Verhandlungen länger hin als erwartet. Boeing könnte mit Fairchild Dornier sein Produktprogramm nach unten abrunden. Zudem würden sich die Amerikaner direkt vor der Haustür des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS einnisten, der Mutter des Boeing-Hauptkonkurrenten Airbus. Pikanterweise gehört EADS das riesige Fairchild-Gelände, zudem ist EADS auch mit 1,5 % an Fairchild Dornier beteiligt.

EADS-Chef Rainer Hertrich hatte zu Wochenbeginn einem Interesse an Fairchild Dornier eine klare Absage erteilt. Der EADS-Vorläufer, die damalige Daimler-Tochter Dasa, hatte 1996 das Unternehmen verkauft. Seit Anfang 2000 gehört es zu 80 % den US-Finanzinvestoren Clayton, Dubilier & Rice (CD&R) und zu 25 % der Allianz Capital Partner, der Beteiligungstochter der Allianz. Die beiden Finanzinvestoren brachten 400 Mill. $ auf und beschafften zusätzlich über 800 Mill. $ durch Bankkredite bei einem Konsortium unter Führung der Hypo-Vereinsbank und Bürgschaften von Land und Bund. Das Konzept sah den Bau des jetzt vorgestellten Regionaljets 728 innerhalb von vier Jahren vor, 2004 sollte die Gewinnschwelle erreicht werden und der Umsatz bis 2008 auf 5 Mrd. $ steigen. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen 593 Mill. $ um. Seine Erlöse erzielt Fairchild Dornier derzeit allein mit dem 328-Jet für 32 Passagiere und mit Komponenten-Zulieferungen für Airbus.

Pieper kommt vom Investor CD&R und hat die Geschicke des Unternehmens seit der finanziellen Schieflage in die Hand genommen. Noch bis Jahresende hatte sich das Unternehmen optimistisch geäußert, von der weltweiten Luftfahrtkrise wenig betroffen zu sein. Der Finanzchef wurde inzwischen abgelöst. Erst im Januar habe man nach Überarbeitung der Prognosen klarer gesehen, behauptet Pieper.

Das Unternehmen sei aus vier Gründen in die Turbulenzen geraten. Die Einstellung des 428-Jets, einer verlängerten Version des 328, habe viel Geld gekostet. Dann habe die chinesische Regierung keine Einfuhrlizenzen für einen Auftrag von 19 Jets des Typs 328 gegeben. Zudem habe sich die Entwicklung des 728 um neun Monate wegen höherer Kundenanforderungen verzögert. Diese Probleme hätte Fairchild noch bewältigen können, versichert Pieper. Doch die Folgen des 11. Septembers hätten das Unternehmen zum ungünstigsten Zeitpunkt getroffen - in einer Phase, in der Investitionen für die Flugtests und den Aufbau der Produktion am höchsten gewesen seien. In diesem Jahr würden nur noch 14 Jets des Typs 328 produziert, nachdem die Jahresproduktion schon bei deutlich über 30 Flugzeugen lag. Fluglinien würden ihre Kaufentscheidungen jetzt 15 bis 18 Monate später treffen. Dadurch hätten sich erwartete Umsätze im Volumen von 500 Mill. $ verzögert.

Pieper wollte nicht sagen, ob das Unternehmen in Kürze Überbrückungskredite brauche. In Luftfahrtkreisen wurde allerdings darauf verwiesen, solche Zwischenfinanzierungen seien möglich, da alle Beteiligten an einer Fortführung des Projektes interessiert wären. Hypo-Vereinsbank-Chef Albrecht Schmidt attestierte Fairchild, "ein sehr gutes Produkt mit sehr guten Marktchancen" zu haben. Fairchild Dornier verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 500 Bestellungen in einem Gesamtwert von 11 Mrd. $. Nach Schätzungen von Boeing liegt das Marktvolumen von Regionaljets in den nächsten 20 Jahren bei über 4 000 Maschinen im Wert von knapp 90 Mrd. $.

"Wir stehen fest zu unserem Engagement", erklärte ein Sprecher von Allianz Capital Partners. Das Finanzministerium in Bayern äußerte sich zu der Landesbürgschaft nicht: "Das Baby ist noch nicht tot", hieß es in Regierungskreisen.

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